Krümmel, O.: Die Fahrt der deutschen Siüdpolar-Expedition von, Kerguelen: etc. 19
Jjaß südlich von‘ 62° S-Br. die vorherrschenden Ostwinde - einen nach : West
yerichteten Strom erzeugen, der durch ‘die vom Inlandeise her -seewärts
abdrängende Beimengung von Schmelzwasser noch eine Komponente nach
Nord empfängt; wir sahen vorher, daß diese Beimengung den Salzgehalt nur
um 2 bis 3 Promille erniedrigt. — Den hypothetischen‘ warmen Meeresstrom,
der in den Längen von Kerguelen nach Süd gehen sollte, darf man nunmehr
getrost gänzlich ad acta legen; er war schon durch die Strombeobachtungen
der „Challenger“-Expedition zweifelhaft geworden‘), und die von Kapt, Ruser
berichteten Besteckversetzungen‘ ergeben. zwischen 50° und 60° S-Br. auf dem
ganzen durchfahrenen Gebiete fast ausnahmslos ‘ östlichen Strom, entsprechend
den vorwiegend westlichen Winden. — 5 .
. Zum Schlusse werfen wir. noch einen kurzen Blick auf die Berichte: über
die meteorologischen und magnetischen Beobachtungen. Da Dr. Bidling-
maier durch die letzteren vollauf in Anspruch genommen war, übertrug der
Leiter der Expedition vom 18. Mai 1902 ab die Überwachung des. meteoro-
logischen Dienstes dem Arzte Dr. Gazert, der sich seiner neuen Aufgabe’ mit
bemerkenswertem Eifer und Erfolg annahm. « Die seit Sir James Ross be-
kannten anhaltend niedrigen Barometerstände der hohen Südbreiten kommen
auch in den deutschen Registrierungen‘ zum Ausdruck: das absolute Maximum
war 755,4 mm (an einem Novembertage 1902), der niedrigste Stand 706,3 mm,
Dabei stieg jedoch in der Treibeisregion der Barometerstand südwärts bis zum
Gaußberg und dürfte über dem’ antarktischen Inlandeise wohl ein recht hohes’ und
beständiges Maximum erreichen. Es ist dies schon aus den südlich von 62° S-Br.
vorherrschenden Ostwinden zu folgern, und daraus, daß am Gaußberg die Wind-
richtungen allemal um etwa 14° südlicher waren als auf der Winterstation.‘ Das
barometrische Maximum. über dem südlichen Lande verriet sich nicht nur an
dem häufig sichtbaren wolkenlosen Segment am Südhimmel, sondern auch aus
dem Zug der Cirruswolken von Nord nach Süd. Neben den entschieden über-
wiegenden östlichen Winden kamen aber doch auch in allen Monaten solche
aus West vor, woraus geschlossen werden muß, daß geleventlich Depressionen
auch noch südlich vom Polarkreise über das Land hinwegliefen; es können hier
noch interessante Einzelheiten erwartet werden. Die Temperaturverhältnisse
sind von Dr. Gazert in folgender Tabelle zum Ausdruck gebracht, wobei er
auch die früheren Beobachtungen der „Belgica“ ‘und Borchgrevingks (am
Kap Adave) zum Vergleich hinzufügt (unvollständige Beobachtungen sind
eingeklammert). -
Monat
Februar
März .
April .
Mai. ©. .
Juni. . 0. 0. +.
Juli. . + 2.
August, . . .“
September. . . .
Oktober . . . . 4
November, .
„Gauß“
66° S-Br.
90° O-Lg.
©
(— 380)
— 8,4
— 15,6
13,6
—ui
— 18,0
— 21,8
— 17,6
— 129
— 6,7
„Belgica“*
704/27 S-Br.
86° W-Leg.
— 9,1
— 11,8
— 6,5
— 15,5
— 23,5
— 11,3
-' —185
! — 7,9
— €69
Borchgrevingk
719 S-Br.
170° O-Leg.
°
(— 8,0)
— 12,2
—19,9
— 74,9
— 22,8
— 25,3
— 24,7
— 18,8
— 7,8
Dezember, , ©. — 10 | =), — 02
Januar. ı . 0... — 0,8 — 12 (4+.0,7).
Februar . . . | (— 4,0) | U 10 (— 3,8)
Der wärmste Tag war der 2. Januar 1903 mit dem absoluten Maximum
von + 3,5°, der. kälteste. Tag der 14. August 1902 mit .einem Tagesmittel von
1) Verel. meine Ozeanographie Bd. II, 1887, S. 478.