Die Witterung zu Tsingtau im September, Oktober und November 1903 etc. 277
Herbst 1903. Der Herbst dieses Jahres war kühler, als dieselbe Jahres-
zeit der früheren Jahre; auch ging die Temperatur früher herunter, als dies bisher
der Fall war. Eine Folge hiervon war auch der frühe Zug der Wandervögei, wie
Gänse, Kraniche, Raubvögel, Tauben, Waldschnepfen, Drosseln und Wachteln,
nach dem Süden, der in diesem Jahre bedeutend zeitiger einsetzte als bisher.
Die mittlere Tagestemperatur betrug im diesjährigen Herbst 14,6°, die
höchste 28,7° und die niedrigste —1,9°. Unangenehm machten sich in den beiden
letzten Monaten, wie schon vorher gesagt wurde, die großen Temperatur-
schwankungen fühlbar.
Die mittlere Bewölkung des Himmels betrug 4,1 Zehntel; es kamen
29 heitere und 20 trübe Tage zur Auszählung; diesem steht der Herbst des
vorigen Jahres mit 33 heiteren und 12 trüben und der Herbst des Jahres 1901
mit 30 heiteren und 11 trüben Tagen gegenüber.
Den 24 Regentagen im diesjährigen Herbst mit einer Gesamtniederschlags-
höhe von 132,6 mm, welche zum weitaus größten Teile im Monat September
niedergingen, stehen im Herbst vorigen Jahres 13 Regentage mit 68,2 mm
Regenhöhe und im Herbst 1901 15 Regentage mit 157,0 mm Regen entgegen.
Die relative Feuchtigkeit der Luft, im Mittel 68% betragend, war
annähernd die gleiche wie zur selben Zeit in den Vorjahren. _
Ebenso wie in den früheren Jahren wehten auch in diesem Herbst die
Winde zum überwiegenden Teile aus dem nördlichen Quadranten und erreichten
eine mittlere Stärke von 2,5 der Beaufort-Skala. Die stärkeren bezw. stürmischen
Winde wehten alle aus den vorgenannten Richtungen, so am 30./IX. aus NO
Stärke 6, am 1./X. NNW 6, am 7./X. NNO7, am 17./X. NW 6, am 26./X.
NNO7, am 27./X. NW 7, am 6./XL _NNW 7, am 10./XI. NW 8 und am 18./XI.
WNW 6.
Das Jahr 1902/1903 ist mit 819 mm Niederschlag an 100 Tagen das
regenreichste unter den Beobachtungsjahren gewesen, während 1900/1901 am
wenigsten. Niederschlag gefallen ist, nämlich 473 mm an 58 Tagen. Der große
Unterschied kommt nur auf die Monate Juni und Juli, da die übrigen 10 Monate
1902/1903 316 mm, 1900/1901 dagegen 367 mm gebracht haben, wovon 132,6 mm
im Oktober 1901 in 24 Stunden gefallen sind. Aber auch im Mittel des Juni
und Juli war das trockenere Jahr reicher an Seewinden, zeigte etwas höhere
Luftfeuchtigkeit und Temperatur und mehr Windstillen. Zum großen Teil ist
der Regenunterschied darauf zurückzuführen, daß ein Taifun am 16. VIII. 1903
107 mm und Gewitterregen am 15. und 16. VII..1903 116 mm Regen gebracht
haben. Im übrigen zeigt das regenreichere Jahr von Frühling bis Herbst eine
höhere Bewölkung und geringere Temperaturschwankungen im Jahr; insbesondere
ist der Winter 1,5° wärmer gewesen als 1900/1901.
Die große Eistrift bei der Neufundlandbank und die Wärmeverhältnisse
des Meerwassers im Jahre 1903.)
Von Dr. Gerhard Schott,
Abteilungsvorstand bei der Deutschen Seewarte.
(Hierzu Tafel 16, 17, 18.}
Der erste zusammenfassende Aufsatz, welcher im Mai vorigen Jahres aus-
gegeben wurde,?) behandelte die damals schon in ihrer ganz ungewöhnlichen
Ausdehnung erkennbare Kistrift bis zu denjenigen Berichten, die bis Ende
April vor. J. bei der Deutschen Seewarte eingegangen waren. Dann haben die
1) Die nachstehenden Zeilen hätten, soweit sie die Verbreitung des Eises als solchen betreffen,
schon etwa im Herbst vorigen Jahres veröffentlicht werden können; um aber einen leidlich klaren
Einblick in die Wärmeverhältnisse des Meerwassers zu gewinnen, erwies es sich im Laufe der
Untersuchung als notwendig, sowohl die Monate vor der KEistrift als auch besonders die Monate
nach der Trift (bis zum Dezember 1903) in Betracht zu ziehen, und so war das durch die Mit-
arbeiter zur See bei der Seewarte eingehende, hierauf bezügliche Material erst von etwa Ende
Februar 1904 ab vollständig zur Verfügung,
2) Vol. den ersten Aufsatz über diesen Gegenstand im Maiheft 1903, S. 204 #.