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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

270 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1904. 
Stubbenkammer auf, die aber wohl doch kaum zutreffen dürfte. Der Südosten 
Rügens hatte mit 5,6 etwa die gleiche Windstärke wie die pommersche Küste 
von Stolpmünde bis Karwen, während der Südwesten der Swinemünder ebenso 
wie auch der Danziger Bucht mit etwa 4,4 erheblich geringere Werte hatte. 
Von Kahlberg auf der Frischen Nehrung bis Memel treffen wir nur noch auf 
vereinzelten zurückliegenden Stationen Werte unter 6 und die höchsten Beträge 
von Pillau bis Brüsterort i. M. 7,8, wie über dem Norden des Kurischen Haffs 
i. M. aus 4 Stationen 7,5, worauf im Mittel für die nördlichsten Orte, Memel 
und Karkelbeck, mit nur 6,2 wieder eine Abnahme auftritt. Von auffallenden 
mittleren Windstärken, die mutmaßlich nicht ganz zutreffen werden, seien noch 
vom Osten der Küste erwähnt Ziegenort mit 5,4, Neufähr mit 3,1 und Cranz 
mit 3,9. Wie die Schätzungen verschiedener Beobachter auseinandergehen 
können, möge an Pillau dargetan werden, wo zwei Sturmwarnüungsstellen be- 
stehen, aus deren Beobachtungen sich 5,6 und 7,2 — der richtigere Wert — 
ergeben haben, 
Hinsichtlich der so hohen Windstärken, die übereinstimmend an den 
Nord—$Süd verlaufenden Küstenteilen der preußischen Küste beobachtet werden, 
dürfte die Frage aufzuwerfen sein, ob diese Windstärken nicht zum Teil als 
sin Landprodukt anzusehen sein möchten und eine Erscheinung darstellen, die 
3ich vielleicht über dem Meere nicht vorfindet, indem die Steilheit der Küste 
die Windstärken für den an Land befindlichen Beobachter erhöht, wie ander- 
seits oben der Vermutung Ausdruck gegeben worden ist, daß die Windstärken 
"ür den Beobachter auf Helgoland und Arkona niedriger sind, als sie über 
dem Meere auftreten. 
Endlich möge noch hervorgehoben werden, daß die Wetterberichte der 
Deutschen Seewarte in vielen Fällen die an der Küste auftretenden Stürme, 
sogar teilweise solche größerer Ausdehnung, nicht zu erkennen gegeben haben, 
da die durch die stärksten Winde ausgezeichneten Stationen bis auf Borkum 
darin nicht vertreten sind. 
Tafel zur graphischen Ableitung der Höhen aus den Meteoro- 
grammen bei Drachenaufstiegen. 
Von den meteorologischen Drachenaufstiegen, welche jeden Morgen, 
wenn es der Wind erlaubt, auf der Drachenstation der Seewarte zu Hamburg- 
Groß-Borstel stattfinden, erscheinen bekanntlich die Hauptergebnisse schon 
am gleichen Tage im autographischen Wetterbericht der Seewarte, der um 
2* Nachmittags der Presse übergeben wird. Um dieses zu ermöglichen, müssen jene 
Ergebnisse spätestens um 1* 15=in telephonisch von der Station an die Seewarte 
übermittelt werden. Da nun der Aufstieg, wenn die Verhältnisse sich wegen 
zu schwachen oder zu starken Windes schwierig gestalten, erst kurz vor 1* 
beendigt wird, so ist ein schnelles und sicheres Verfahren für die Auswertung 
der vom Meteorograph gezeichneten Kurven hier ein noch dringenderes Bedürfnis, 
als es dies ohnehin schon wegen der Massenhaftigkeit des Materials und der 
Wichtigkeit einer möglichst vielseitigen Verarbeitung desselben ist. 
50 lange der Drache, in welchem das Instrument steckt, sichtbar ist, 
wird die trigonometrische Höhenbestimmung durch Messung seines Höhenwinkels 
und der Drahtlänge der barometrischen Höhenbestimmung vorgezogen; der 
„Durchhang“ des Drahtes oder seine Abweichung von der Geraden bedingt nur 
eine kleine, leicht annähernd zu bestimmende Verbesserung. In den häufigen 
Fällen aber, wo der Drache während eines Teiles, oft des größten Teiles, seines 
Fluges von Wolken verdeckt oder aus Lichtmangel unsichtbar ist, muß das 
Barogramm als einziges Mittel zur Bestimmung seiner Höhe dienen. 
Die Schwierigkeiten der barometrischen Höhenbestimmung liegen in 
diesem Falle ganz anderswo als bei der Höhenmessung von Punkten der Erd- 
oberfläche. Die Zweifel über den unteren Barometerstand und die Lufttemperatur,
	        
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