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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Grossmann: Die Windverhältnisse an der deutschen Küste während des 20. bis 26. Nov. 1903. 9267 
dem sich Luft in Wolken bildend, doch den ganzen Tag bis 4* Böen mit Hagel, 
Sturm hielt noch an, gegen Abend allmählich abnehmend. 
Borkum: Nachts Gewitter, Sturmböen, vormittags Böen mit starkem Hagel. 
Nesserland: Nachts 25./26. stürmische Böen mit Regen und Hagel; am 
26. abends stürmisch. 
Neuharlinger Siel: Nachts 25./26. sehr böig mit viel Regen, am 26. 
91/8 V, 11’ V und 2'4N schwere Hagelböen. 
Wangeroog: Vormittags am 26. um 10* nahm der Wind aus NW zu mit 
starken Regen- und Hagelschauern, es wehte in Stärke 6 bis 8; nachmittags 
gegen 1* wieder abnehmend und abends wieder an Stärke zunehmend mit Schnee 
und Regen, bis Mitternacht 26./27,, dann nach NO. 
Ergänzen wir diese Beobachtungen durch die Registrierungen der Anemo- 
graphen, so finden wir in Borkum von 5“ V am 26. bis 2*V am 27., mit Aus- 
nahme der Zeit von 3 bis 4” N Windgeschwindigkeiten von wenigstens 17 m pro 
Sek., die für Borkum das Auftreten stürmischer Witterung anzuzeigen pflegen, 
und es treten deutlich 2 Zeiten größter Windstärke hervor von 8 bis 11 V 
(21/24 m pro Sek.) und von 6 bis 10° N (meist 20/21 m pro Sek.). Welche Gegen- 
sätze auf geringe Entfernung bestanden haben, lassen die folgenden dreistündigen 
Mittel der Windgeschwindigkeiten von Borkum und Wilhelmshaven erkennen, 
zumal, wenn man dabei berücksichtigt, daß die Verbindungslinie der beiden 
Orte, einen spitzen, Winkel mit der Isobare gebildet hat: 
Borkum. Wilhelmshaven. 
1i—2h V 26. November 
2—5b ; 
5--—8b 
8—11b 
1—2bN 
2—5h 
5—8h 
8—11h 
i1—2h V 27, November 
25h 
Wenn man auch in Betracht zieht, daß das Barometer in Borkum wegen 
seiner ungleich freieren Aufstellung auf dem alten Leuchtturm an sich höhere 
Werte als dasjenige von Wilhelmshaven anzeigt, so ergeben sich doch sehr 
bedeutende Unterschiede der gleichzeitig herrschenden Windstärken, wie dies 
auch die Beobachtungen ausweisen. 
Prüfen wir die Registrierungen des Luftdrucks, so finden wir kein Moment, 
das auf die Entwicklung so starker Winde schließen lassen sollte, wie sie nach 
jenen Beobachtungen, wenn auch über eng begrenztem Gebiete, aufgetreten 
sind. Nachdem das Barometer am 25. anhaltend langsam gefallen war, trat im 
Süden der Nordsee am Abend geger 8 Uhr ein kurzes Steigen im Rücken des 
auf der Wetterkarte nach der Kieler Bucht reichenden Ausläufers. ein, worauf 
das Barometer unter dem Einfluß des von der nördlichen Nordsee heran- 
schreitenden neuen Ausläufers bis gegen 8 Uhr morgens um 5 bis 7 mm fiel, um 
dann am 26, sehr langsam und fast stetig zu steigen. Das auf der Morgenkarte 
vom 26, über dem Süden der Nordsee liegende Minimum hat mutmaßlich zwei 
Kerne niedrigsten Drucks, einen über Holstein und einen vor dem Skagerrak 
enthalten, : von denen der erstere im Laufe des Tages über Mecklenburg nach 
der Unteroder schritt, während der zweite, wie dies die Windkarten zeigen, am 
Abend 8 Uhr über Schleswig-Holstein lag. Bemerkenswert ist, daß die Winde 
in Borkum und Wilhelmshaven bereits seit Mitternacht zunächst noch etwa 
8 Stunden bei fallendem Barometer aus nordwestlicher Richtung geweht haben, 
wie wir dies ähnlich bei dem Sturm vom 21. an der Nordsee gefunden haben. 
Als jener erste Kern niedrigsten Drucks vorüber war, ließen die Winde: an 
Stärke etwas nach, um dann wieder aufzufrischen und bei der größten Nähe des 
zweiten Kernes ihre größte Stärke anzunehmen. Seine Annäherung deuten die 
Luftdruck-Registrierungen jener Stationen nur durch eine Verlangsamung des 
Steigens und teilweises Stillstehen des Barometers an, wie dies in Borkum am 
Abend in den Stundenwerten von 8 bis 10 Uhr hervortritt. 
... Nehmen wir zu den mitgeteilten Beobachtungen vom 26. noch die der 
Beobachtungstermine hinzu, so ergibt sich, daß stürmische Winde nur ost-
	        
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