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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1904
aber nach SW bis S zurückgedreht, während die Winde über der Danziger
Bucht keine Drehung erfahren hatten. An der pommerschen Küste hatten
Rügenwaldermünde am Morgen steifen West und Stolpmünde NW-Sturm, sonst
wurden hier keine starken Winde am 26. beobachtet; diese blieben also wie
am 25, auf die preußische Küste beschränkt. Nach den Registrierungen von
Memel hatte der Wind am 25. bis Mitternacht unter Zurückdrehen nach Süd
iangsam abgenommen, dann aus dieser Richtung bis 8° V am 26. langsam zu-
genommen und dann bis 4 N, langsam nach West drehend, stürmisch geweht,
wobei die größte Stärke, 19/23 m pro Sek. im Stundenmittel der Geschwindigkeit,
zwischen Mittag und 3" N erreicht wurde, so daß dieser Sturm von den betrach-
teten in Memel die größte Stärke nach dem Stundenmittel der Windgeschwindig-
keit gehabt hat. Außer in Borkum am 21. und, wie wir noch sehen werden,
dort am 26., sind in diesen Tagen sonst keine so großen Windgeschwindigkeiten
in den Stundenmitteln aufgetreten.
Die Windkarte vom Morgen des 26. ergibt über dem Westen der
Danziger Bucht starke, von Neukrug bis Schwarzort meist steife bis stürmische
Stärke 7/9) südwestliche Winde. Um 2*N treffen wir von Pillau bis Memel
überwiegend westliche Winde von der Stärke 7/8, während die Winde im Süden
und Osten der Danziger Bucht bei unveränderter Richtung eine stärkere Ab-
nahme und diejenigen der pommerschen Küste ein vollständiges Abflauen unter
Zurückdrehen nach SW erfahren haben. Am Abend 8* zeigt die ganze ost-
deutsche Küste bis nach dem Westen des Kurischen Haffs leichte veränderliche
Winde und nur noch im äußersten Osten von Karkelbeck bis Labagienen frische
meist nordwestliche Winde.
Der Sturm an der Nordseeküste am 26. November.
Bei einem intensiven Hochdruckgebiet über Südwesteuropa hatte die
Nordseeküste am 25. mit seinen Winden unter dem Einfluß desjenigen Aus-
läufers gestanden, der am Morgen über der nördlichen Nordsee, am Nachmittag
vor dem Skagerrak und am Abend über der Kieler Bucht lag, und der am 26.
die Stürme an der ostdeutschen Küste hervorrief. Am Morgen hatten die im
ganzen mäßigen Winde wieder die charakteristische Anordnung ihrer Rich-
tungen; nordwestliche Winde wehten von Sylt bis Brunsbüttel, über Helgoland,
Wangeroog, Norderney und Borkum Riff, während die Orte längs der Küste
westlich der Elbmündung und die zurückliegenderen Orte Winde aus W bis
WSW hatten. Die Windkarten vom Nachmittag und Abend geben zu erkennen,
daß die Winde westlich der Elbe im Laufe des Tages durchschnittlich ein
Zurückdrehen um etwa 2 Strich und bis zum Abend wieder ein gleiches Recht-
drehen erfahren hatten und daß der Wind vom Nachmittag bis zum Abend
zugenommen hatte. Um 8: N wehten die Winde durchweg frisch bis stark
und wohl vereinzelt stürmisch bis auf die zurückliegenderen Orte meist aus
NW. Abends 6" traten an der Nordseeküste ausgebreitete Gewitter auf,
Die Luftdruckkarte vom Abend des 25. zeigt einen neuen Ausläufer über
der nördlichen Nordsee, aus dem sich ein über Nacht nach dem Süden der
Nordsee vordringendes Teilminimum entwickelt, das wir auf der Wetterkarte
vom Morgen des 26, vorfinden.
Bei seinem Herannahen sind die Winde über dem Westen der Nordsee-
küste, wie dies die Barographenregistrierungen von Borkum und Wilhelmshaven
zu erkennen geben, unter Abnahme an Stärke vorübergehend nach SW bis SSW
gedreht (Borkum 1* V, Wilhelmshaven 2* V), um dann schnell wieder rechtzu-
ärehen, was in Borkum unter starkem Auffrischen erfolgte. Im Rücken dieses
kleinen Teilminimums traten in der Nacht und am 26. Stürme ein, die be-
sonderes Interesse dadurch gewinnen, daß sie bei teilweise sehr großer
Heftigkeit nur eine geringe Ausdehnung gehabt haben und sich außerordentlich
große Gegensätze der Windstärken auf kurzen Entfernungen eingestellt haben.
Bei diesem in solcher Weise besonders interessanten Phänomen ver-
dienen die wenigen vorliegenden Notierungen in den Tagebüchern der Sturm-
warnungsstellen einzeln angeführt zu werden:
Borkum Riff: Am 26. früh 7 bis 8'/2* förmlicher Orkan, Luft und Wasser
nicht zu unterscheiden, vermischt mit feinen und schweren Hagelkörnern; nach-