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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1904,
dann folgen im Süden der Bucht in Kahlberg, Elbinger Hafenhaus, Neukrug
und Pfahlbude WSW bis SW, und auf der Ostseite der Bucht finden wir nach
Norden ansteigend von Balga bis Fischhausen W (erheblich stärker als die
Westseite), bis sich nach dem Rand der Bucht hin Palmnicken und Brüsterort
wieder mit NW anschließen. Diese Anordnung der Windrichtungen, die einer
ansaugenden Wirkung der über der Bucht schneller als über dem Lande
strömenden Luft zu entsprechen scheint, tritt uns hier wieder bei den schwächer
gewordenen Winden entgegen; für das hier über einem Teil der Küste beob-
achtete Zurückdrehen der Winde gewährt anderseits die über Nacht veränderte
Anordnung der Isobaren keinen Anhalt einer Erklärung.
Bei dem schnellen Vordringen des hohen Drucks über Ostdeutschland
frischten die Winde über dem Süden der Danziger Bucht unter Rechtdrehen
im Laufe des Vormittags im Bereiche der sich entfernenden Depression noch
einmal vorübergehend auf. Wir haben hier in kleinem Maßstab den nicht
selten beobachteten Fall, daß der Sturm an der ostdeutschen Küste auf der
Rückseite eines sich entfernenden Minimums durch ein neues vom Ozean
heranrückendes Minimum hervorgerufen wird, indem wie hier auf der Vorder-
seite dieses neuen Minimums hoher Luftdruck schnell ostwärts über Kontinental-
europa vordringt. Solche Stürme sind aber in der Regel nur von kurzer Dauer,
wie auch hier; Die auf der Windkarte von 2" im Süden der Danziger Bucht
starken bis stürmischen Winde flauten unter Zurückdrehen wieder schnell ab,
und am Abend 8° war es mit den stürmischen Winden an der ganzen ost-
deutschen Küste vorbei — so daß dieses Sturmphänomen vorüber war.
Die Stürme am 23. und 24. November.
Die Wetterkarten vom 23. zeigen das Herannahen eines neuen Minimums
nördlich von Schottland, das einen Ausläufer nach den Britischen Inseln auf
seiner Südseite entwickelt. Indem die Isobaren längs der ganzen Küste im
Laufe des Tages einen nahezu west-östlichen Verlauf annahmen, traten fast
durchweg westliche bis westsüdwestliche Winde ein, die an der Nordsee unter
dem Einfluß des über den Britischen Inseln fallenden Barometers bereits am
Nachmittag auffrischten und hier um 8% abends bereits vielfach Stärke 6 bis 7
und vereinzelt 8 erreichten.
Über Nacht drang ein tiefes Teilminimum etwa von Schottland bis
Mittelschweden vor und verursachte an der ganzen Küste ein starkes Auffrischen.
Nach den Registrierungen der Anemographen ergaben sich die folgenden
Zeiten der größten mittleren stündlichen Windgeschwindigkeiten in Meter pro
Sekunde und von dem angegebenen Betrag (in Klammer daneben die am 21./22.
grreichten größten Werte):
Borkum ...... 1— 9b V 16—18 m pro Sekunde
Wilhelmshaven .. 2— 9hV 13—14
Hamburg ..... 2— 9hV 15—16
Kiel .,..0..4 4 3— 9bY 14—16 »
Wustrow. ..... 3—112V 13—14 »
Swinemünde.... 5BV— IhN 10—11 » *
Neufahrwasser ,. 11V— 5bN 12—13 “ »
Memel....... 45V—121N 18—20
Wir sehen hieraus, daß die Stärke der Winde an der westdeutschen
Küste bereits am Morgen ihr Maximum erreicht haben mußte. Dies lehren auch
die Beobachtungen ostwärts bis Mecklenburg, indem die Windstärken zur Zeit
der ersten Beobachtung, um 8" morgens, meist höher als die später beobachteten
waren, und, wo Beobachtungen von der Nacht vorliegen, sich für diese gleich
große oder höhere Werte angegeben finden; so hatte Glückstadt nachts WSW
8/9, Nesserland WSW 8, Apenrade stürmische Böen, Schleimünde nachts 1* V
WNW 7/8, 5 V WNW 9/10, 7° V WNW 7/8, Travemünde nachts bis 2* W 5/6
dann bis 412% W 6/7 und dann W 8/9, um 8" V aber bereits W 7. Über Rügen
aber fand am Vormittag eine Verstärkung der Winde und am Nachmittag eine
Abnahme statt, während die größten Stärken weiter nach Osten hin erst am
Nachmittag und gegen Abend erreicht wurden.
Die Windkarte vom Morgen des 24. zeigt fast überall westsüdwestliche,
nur an der holsteinschen Küste wie auf Borkum Riff, Norderney und Helgo-