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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

262 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1904, 
vor: Wismar 7'/a NzW 8, Warnemünde 7'/4" NNO 7, Darsserort 8" NNW 9, 
Barhöft 7* der Wind auf NW auffrischend, Wittower Posthaus 7h 20%» NOZzN 83, 
Kloster Vitte 7* Wind von SO plötzlich auf NO, Swinemünde 9" Wind auf NW, 
Kolbergermünde seit Mitternacht NW, Stolpmünde 11* 53%» N 6, Karwen 1* 
20a NW, Rixhöft 2" am 22. auf NW springend. Diese Beobachtungen stehen 
mit der Bewegung des Minimums in bestem Einklang. 
Die für 8% abends gezeichnete Windkarte zeigt Nordweststurm von der 
Stärke 8 bis 9 und an der Nordsee noch teilweise 10 von Borkum bis 
Rügen ausgebreitet, über dem Norden dieser Insel vorübergehend den Sturm aus 
NNO gerichtet, und über der mittleren pommerschen Küste noch ein Gebiet 
leichter südlicher Winde, das jenes Sturmfeld von dem oben besprochenen 
Sturmgebiet der ostpreußischen Küste abgrenzt. An der Nordsee hatte die 
Gewalt des Sturmes zu dieser Zeit bereits erheblich nachgelassen, so daß die 
Winde ostwärts bis Rügen etwa mit der gleichen Stärke wehten. 
Wie hier an der pommerschen Küste, so lauten die Winde unter 
Zurückdrehen nach Süd an der ostpreußischen Küste während der Nacht zu- 
nächst ganz ab, worauf die Winde plötzlich nach NW drehten und rasch stark 
auffrischten. Die Kurven der Tafel lassen als sehr auffällig hervortreten, daß 
sowohl in Neufahrwasser als in Memel die Winde bei dem ersten Steigen des 
Barometers noch südlich blieben; nach den entworfenen zweistündigen Isobaren- 
kärtchen ist diese Erscheinung mutmaßlich darauf zurückzuführen, daß das um 
diese Zeit NNW—SSO gestreckte Minimum eine etwas nordöstlich gerichtete 
Bewegung gehabt hat. 
Von Rügenwaldermünde, dessen Sturmwarnungsstelle durch zuverlässige 
Beobachtungen ausgezeichnet ist, liegen die Angaben vor, daß der Wind am 
Abend bis 10'4* O1 bis 2, um 10'%* O0, um 11'/4 N 5 bis 6 und nach Mitter- 
nacht .N 9 gewesen sei. Hiernach müßte das Minimum südlich von Rügen- 
waldermünde vorübergegangen sein oder aber sich ein kleines Teilminimum 
von dem Haupt-Teilminimum losgelöst haben und in südöstlicher Richtung über 
Pommern vorgedrungen sein. Welche Erklärung zutrifft, ist an der Hand der 
benutzten Luftdruckregistrierungen nicht mit Sicherheit zu entscheiden. Sollte die 
erstere Annahme die richtige sein, so könnte das Minimum nur eine verhältnis- 
mäßig kurze Strecke über Pommern zurückgelegt und müßte sich bald wieder 
der See zugewandt haben, da für die übrigen Orte Pommerns entsprechende 
Beobachtungen nicht vorliegen. 
Die Wetterkarte vom Morgen des 22. zeigt uns das Minimum nach 
Westrußland verlagert, aber eine von neuem eine Verschärfung der stürmischen 
Winde herführende Wetterlage, indem nicht allein der hohe Luftdruck von 
Südwest her stark vorgedrungen ist, sondern sich insbesondere auch ein 
neuer südostwärts vordringender Ausläufer niedrigen Drucks, durch eine süd- 
ostwärts nach Jütland gerichtete Ausbuchtung der Isobaren angedeutet, ein- 
gestellt hat. Diese Wetterlage rief am Morgen des 22, an der ganzen Küste 
nordwestliche Winde hervor, ausgenommen die südlichen Teile der pommerschen 
und Danziger Bucht, wo die Winde westlich waren. Dabei waren die Winde 
ausgenommen von Aarösund bis Wismar, der Umgebung der Odermündung, 
dem Westen der Danziger Bucht und dem Süden des Kurischen Haffs, meist 
stürmisch und zeigten ihre größte Stärke, fast überall 8 bis 9, über dem Westen 
der Nordsee, den nordfriesischen Inseln, Rügen und über den N—S verlaufenden 
Teilen der ostdeutschen Küste. 
Wie am vorhergehenden Tage stellten sich häufig schwere Hagel- und Regen-, 
sowie auch Schneeböen ein. Verfolgen wir die Entwicklung der Winde am 22. 
an der Hand der Aufzeichnungen der Sturmwarnungsstellen, so ergibt sich für 
die Nordsee bis zum Nachmittag eine Fortdauer der überwiegend stürmischen 
Winde in wenig veränderter Richtung und Stärke, Nach 2h (Glückstadt „nach 
3'/2“, Ellenbogen „seit 5!/2“) tritt ein Abflauen des Windes ein; abends um 
8h zeigt die Windkarte hier noch fast überall starke nordwestliche Winde, 
ausgenommen Borkum (Borkumriff NW 6), Nesserland, Norddeich, Neuharlinger- 
siel, Wilhelmshaven und Brake, wo mäßige Winde aus W bis WSW wehen. 
Die Küste von Aarösund bis Wismar hatte am 22. an Richtung und 
Stärke wenig verändert nordwestliche mäßige bis starke Winde; stürmische 
Winde traten bis auf einzelne schwere Böen hier nur vereinzelt auf.
	        
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