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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1904. 
Die Stürme vom 21. bis 23. November. 
Bei weitem die schwersten und ausgebreitetesten Stürme dieser Tage 
sollte der 21. April herbeiführen. Zwischen dem Hauptminimum an der nord- 
norwegischen Küste und dem Maximum über der Biscayasee sehen wir auf der 
Morgenkarte vom 21. über der nördlichen Nordsee einen neuen Ausläufer 
niedrigen Drucks; eine kurze anticyclonale Krümmung der Isobaren nördlich 
der Helgoländer Bucht bedeutet die Grenze zwischen dem ersten Ausläufer und 
dem jetzt herannahenden, und wir sehen diese Buchtung der Isobaren im Laufe 
des Tages bis nach der Kurischen Nehrung fortschreiten. Die Wetterkarten 
rom 21. zeigen die Entwicklung eines tiefen Teilminimums in dem neuen 
Ausläufer, das längs der Küste fortschritt. Um diese Bewegung näher zu ver- 
folgen, wurden die von den Barographen registrierten Stundenwerte des Luft- 
drucks auf Meeresniveau reduziert und unter Berücksichtigung des Zeitunter- 
schiedes zwischen diesen sich auf Ortszeit beziehenden Werten und der M, E. Z. 
in Millimeterpapier eingetragen. Auf solche Weise ergab sich aus der Ver- 
bindung der Stundenwerte, unter teilweiser Benutzung der viertelstündigen 
Registrierungen in der Umgebung der Wendepunkte der Kurven, der Verlauf 
des Luftdrucks für die Normalbeobachtungsstationen, wie wir ihn auf der Tafel 
erblicken. Indem die diesen Kurven für die vollen graden Stunden ent- 
aommenen Barometerstände für jede dieser Stunden in eine besondere Karte 
eingetragen und gleichzeitig die registrierten Windrichtungen eingezeichnet 
wurden, ergab sich eine Reihe von Wetterkärtchen, die das Fortschreiten des 
Minimums längs der Küste genau erkennen ließen. Um Mittag befand sich 
das Minimum noch nordwestlich von Sylt, durchschritt dann bis 4* Schleswig- 
Holstein, lag gegen 6* nördlich von Rostock, um 8* nordöstlich der Oder- 
mündung, um 10* etwa nördlich von Leba und schritt bis 4h morgens am 22. 
durch den Südosten der Ostsee; um 6* finden wir das Minimum über West- 
rußland weiter schreitend. Gleichzeitig haben diese auf Grund der Registrier- 
apparate gezeichneten Wetterkarten zu erkennen gegeben, daß sich das Teil- 
minimum auf seinem Wege von Schleswig-Holstein bis Mecklenburg erheblich 
vertieft hat; Borkum, Keitum und Wilhelmshaven lagen um 2* nachmittags 
entschieden auf der Rückseite des Minimums, und dennoch fiel das Barometer 
noch einige Stunden länger. Neben dieser Intensitätsänderung des Minimums 
scheint noch eine Auderung seiner Bewegungsrichtung, indem ein Umbiegen 
aus einer südöstlichen Richtung in eine mehr östliche stattgefunden haben 
wird, auf den Verlauf des Luftdrucks, wie ihn die Kurven zeigen, von Einfluß 
zewesen zu sein. Es haudelt sich dabei um die auffallende Erscheinung, daß 
der Luftdruck in Borkum und Wilhelmshaven um Z», in Kiel um 4* längere 
Zeit wenig Änderung zeigte, daß eine entsprechende Verlangsamung der Ab- 
nabme des Luftdrucks in Keitum und Hamburg hervortritt, während die weiter 
ostwärts gelegenen Orte dergleichen kaum zu erkennen geben. Es sei hervor- 
yehoben, daß die den Kurven beigeschriebenen Windrichtungen zeigen, wie der 
Wind zur Zeit der Verlangsamung des Barometerfallens von Südwest nach 
West drehte, und wie die Winde bereits während des letzten stärkeren Fallens 
in Borkum, Wilhelmshaven und Kiel aus Nordwest wehten; von Keitum fehlten 
leider die Windregistrierungen an diesem Tage. 
Die Luftdruckkurven der "Tafel lehren, daß die niedrigsten Werte in 
Borkum gegen 4!/2N, Keitum 4%45 N, Wilhelmshaven 5'/ah N, Hamburg, Kiel 
und Wustrow 61a N, Swinemünde 8" N, Neufahrwasser 12h N und in Memel 
gegen 4" V am 22. April eingetreten sind. Waren bereits bei dem Fallen des 
Barometers teilweise starke Abnahmen, vielfach zwischen 2 und 3 mm zu beob- 
achten, so wurden diese Werte auf den westlichen Stationen bei dem Steigen 
des Barometers erheblich übertroffen. Auf M. E. Z. bezogen ergeben sich als 
größte stündliche Zunahmen des Luftdrucks von 5” N bis 6*N in 
Keitum 5,5, von 6"N bis 7° N in Wilhelmshaven 3,9, von 7h N bis 8hN in 
Hamburg 4,8 und von 8 bis 9* abends in Kiel 4,5 mm; den Registriertabellen 
entnimmt man auf Ortszeit bezogen als Maximalwerte für Keitum 3,7 (5* bis 
61N, für Hamburg 5,5 und für Kiel 5,0 mm (beide 7 bis 8*), so daß es sich 
gewiß um außergewöhnlich starkes Steigen des Barometers an diesem 
Abend gehandelt hat.
	        
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