accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Grossmann: Die Windverhältnisse an der deutschen Küste während des 20. bis 26. Nov. 1903. 9259 
Ostwärts von Rixhöft wehten an der preußischen Küste am’ 20. südöst- 
liche bis südliche Winde, die durch das Zurücktreten der südöstlichen Rich- 
tungen ein Rechtdrehen erfuhren; nur an einigen hervortretenden Stationen, 
Brüsterort, Nidden und in Karkelbeck nördlich von Memel wurde der Wind 
abends südwestlich. Die Winde erfuhren von Oxhöft bis Schiewenhorst wie 
über dem Süden der Kurischen Nehrung nur geringes Auffrischen, indem sie 
hier‘ meist leicht bis schwach wehten; stärker frischten die Winde von Vogel- 
sang bis Brüsterort und von Rossitten auf der Kurischen Nehrung nordwärts 
auf und erreichten am Abend hier vielfach die Stärke 6. © 
An der preußischen Küste traten die stürmischen Winde im Gefolge des 
betrachteten Ausläufers erst in der folgenden Nacht ein und dauerten noch am 
21. fort. Die Wetterkarten vom Abend des 20. und vom 21. lassen erkennen, 
daß die Winde hier über Nacht westlicher drehten und am Nachmittag unter 
Abnahme an Stärke wieder zurückdrehen müßten; durch diese Abnahme der 
Windstärke ergab sich somit eine Abgrenzung der Einwirkung dieses Ausläufers 
von dem des nachfolgenden. . 
Da die Küste von Oxhöft ostwärts durch 28 berichtende Sturmwarnungs- 
stellen besetzt ist, so gestatten diese ein besonders genaues Verfolgen der 
Windverhältnisse, die des Beachtenswerten 8o vieles bieten, daß es lohnend 
erscheinen muß, etwas eingehender dabei zu verweilen, Am Morgen des 21. wie am 
Nachmittag um 2 und 6* finden wir von Oxhöft bis Vogelsang meist mäßige 
bis frische ‚südwestliche, abends 8* schwächere südliche Winde; stürmische 
Winde traten. hier nicht auf, wie auch nicht über dem südlichen Teil der 
Kurischen Nehrung, wo die meist mäßigen Winde am Tage südwestlich und 
am Abend südöstlich waren. Dagegen hatten die‘ übrigen Teile der preußischen 
Küste bis abends um 6* vielfach stürmische südwestliche Winde von der 
Stärke 8 bis 9 und teilweise 10, wobei die größte Stärke an der Kurischen 
Nehrung später als auf der Frischen Nehrung eingetreten zu sein scheint. 
Die Winde über der Danziger Bucht boten. am Morgen des 21. sehr 
ausgesprochen eine Anordnung der Richtungen, die auf den gezeichneten 
Windkarten vielfach hervortritt; die im Nordwesten der Bucht in Rixhöft 
westsüdwestlichen .Winde drehen nach der Tiefe der Bucht zu immer mehr 
zurück bis Süden, um alsdann, wenn man auf der Ostseite der Bucht nördwärts 
schreitet, wieder rechtzudrehen. Es macht den Eindruck, als ob die Erscheinung 
dadurch hervorgerufen würde, daß ‘die von der Halbinsel Hela aus in nordöst- 
licher Richtung streichende Luft einen Sog ausübe, so daß die Luft dem Süden 
der Bucht unter besonderen Verhältnissen zufließt. Auf der Karte vom Nach- 
mittag zeigt sich ein solches Zurückdrehen nur um etwa 2 Strich, um 6* finden 
wir die Winde im Süden der Danziger Bucht bereits alle nach Süd gedreht; 
während die nördlicheren Orte noch alle südwestliche Winde hatten; um 8* 
abends herrschten allgemein südliche Winde über der Bucht, 
Eine weitere. Auffälligkeit zeigen die Winde in der Umgebung des 
Kurischen Haffs, indem sie am Morgen auf der Ostseite des Haffs in Laba- 
gienen, Inse und Windenburg aus Süd wehten, während die Kurische Nehrung 
Winde aus SSW bis SW hatte. Möglich, daß das auf der betreffenden Wetter- 
karte hervortretende Umbiegen der Isobaren nach nördlicher Richtung in der 
Nähe der Küste in diesem Falle von Einfluß war; jedenfalls handelt ‚es sich um 
die ebenfalls auf den übrigen Windkarten meist auftretende Erscheinung, daß 
die der Nehrung von der Ostsee zuströmenden Winde etwas nach rechts ge- 
üreht sind gegenüber den Winden der mehr zurückliegenden Orte. Die stärkere 
Rechtsablenkung der über Meere fortbewegten Luft gegenüber der über dem 
Festlande ziehenden Luft wird natürlich nicht außer acht zu lassen sein, 
poweit es sich um eine Erklärung der Windverhältnisse über Küstengebieten 
andelt. 
Abends 8 zeigt die Windkarte bereits ein Nachlassen der starken 
Winde; die Winde flauten im Laufe der Nacht unter Zurückdrehen nach Süd 
zunächst ab, so daß das erste Sturmphänomen an der Küste vorbei war.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.