258 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1904.
yanz Kuropa vom hohen Norden bis nach dem Mittelmeer bedeckt hatte,
breitete sich am 19. das Hochdruckgebiet von Westen über Mitteleuropa bis
Westrußland aus, während gleichzeitig eine neue Depression über dem Ozean
im Nordwesten herannahte. Ein tiefes Minimum näherte sich langsam dem
hohen Norden Europas und lag am 22. nördlich der Lofoten, am 24. nördlich
vom Nordkap; als das auf den Karten am 24. auftretende Minimum am 25, in
nördlicher Richtung über die Halbinsel Kola fortschritt, verschwand jenes erst-
genannte Minimum nordwärts, während sich ein neues Minimum der nord-
norwegischen Küste näherte, das jedoch nicht weiter ostwärts als etwa die
Lofoten gelangte. So sehen wir während dieser Tage andauernd eine Depression
vom hohen Norden über Nord- und Mitteleuropa ausgebreitet und meist bis zu
den Alpen reichend zwischen Hochdruckgebieten über Südwesteuropa und Süd-
rußland. Mehr oder weniger charakteristisch ausgesprochene Ausläufer nie-
drigen Drucks, die mehrfach tiefe Teilminima einschlossen, traten in großer
Zahl auf und lassen erkennen, daß wir es in diesen Tagen mit vier getrennten
Sturmphänomenen zu tun hatten, indem die stürmischen Winde vom 20, bis 21.,
21. bis 23., 23. bis 24, und vom 26. durch verschiedene Ausläufer hervor-
gerufen wurden.
Die Stürme vom 20. und 21. November.
Die Wetterkarten vom Morgen des 20. bis Morgen des 21. zeigen, daß
ein erster Ausläufer niedrigen Drucks von England bis Westrußland fort-
yeschritten ist. In seinem Gefolge trat bereits ein erstes Auffrischen und
stellenweise stürmische Witterung ein. Verfolgen wir die Winde an der Küste
nach den ıittels der Beobachtungen der Sturmwarnungsstellen für die drei
Beobachtungstermine entworfenen Windkarten.
An der Nordseeküste finden wir am Morgen von Borkum bis Cuxhaven
durchschnittlich schwache südsüdwestliche, über den nordfriesischen Inseln mäßige
südwestliche Winde. Es sei hervorgehoben, daß die Winde an den Küstenorten
Norddeich, Neuharlingersiel und Schillighörn ebenso wie in Nesserland, auf
Hohewegleuchtturm, in Bremerhaven und Cuxhaven südlich waren, während die
Inselstationen Borkum, Norderney, Wangeroog, Neuwerk wie Helgoland süd-
südwestliche Winde hatten. Da der Ausläufer heranschritt und die Luftdruck-
yegensätze zunahmen, so wehten am Nachmittag um 2 Uhr durchschnittlich
frische Winde; die Unterschiede der Richtung erscheinen ausgeglichen, indem
diese ziemlich gleichmäßig Südwest war. Ein weiteres Auffrischen erfolgte
zum Abend, indem die mittlere Stärke zu dieser Zeit etwa 6 der Beaufortskala
betrug und der Wind mehrfach stürmisch wehte. Die Richtung der Winde
der Nordseeküste bietet aber am Abend Beachtenswertes, Betrachten wir die
Wetterkarte von diesem Abend, so läßt sie erkennen, daß abweichend vom
Morgen und Nachmittag NW—SO gerichtete Teile der Isobaren um diese Zeit auf
die Küste treffen und die Isobaren in der Nähe der Küste nach Osten um-
biegen. Wohl durch den Verlauf der Isobaren beeinflußt, begegnen wir eigen-
tümlichen charakteristischen Gegensätzen in den Windrichtungen, indem die
weiter nach See liegenden Stationen nordwestliche, die an der Küste liegenden
Orte aber südwestliche Winde haben. In diesem Falle sind Borkum-Riff, Neu-
werk, Helgoland, Amrum, Wyk und die Orte auf Sylt die durch nordwestliche
Winde ausgezeichneten gegenüber Borkum, Cuxhaven, Pellworm (westlich)
Husum und den übrigen Stationen. Die Erscheinung findet sich an den hbear-
beiteten Tagen durchweg ausgeprägt und teilweise noch weit stärker hervor-
tretend, so daß noch mehrfach darauf zurückzukommen sein wird.
An der westlichen Ostsee von Aarösund bis Warnemünde wehten am
Morgen leichte, teilweise veränderliche, überwiegend südliche, nachmittags
schwache südsüdwestliche und am Abend gleichmäßig südwestliche, westwärts
der Kieler Föhrde schwache, ostwärts meist starke Winde.
Über Rügen und Umgebung treffen wir am Morgen leichte sehr veränder-
lich”, am Nachmittag teilweise schwache schon überwiegend südwestliche und
am Ab nd meist starke bis stürmische Winde aus dieser Richtung.
Die pommersche Küste von der Oder bis Rixhöft erfuhr nur eine geringe
Zunahme der Winde, indem leichte bis schwache, morgens südöstliche, nach-
mittags südliche und abends südwestliche Winde beobachtet wurden.