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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Krümmel, 0,: Die Fahrt der deutschen Südpolar-Expedition von Kerguelen etc, 
55° 33' S-Br., 85° 34’ O-Lg. 
25. Februar 1903, 
Temperatur Salzgehalt 
°C 9/00 
33,03 
34,23 
34.33 
34,38 
34,43 
24,49 
24,36 
34,56 
24,65 
34,65 
34.65 
34,65 
34,65 
34,65 
E. 
HA 
35°. 16’ S-Br., 74° 10' O-Lg. 
{i. Mai 1903. 
Ciefe 
V'iefe 
m 
0 
d0 
180 
275 
365 
500 I 
550 0. 
500 - 0.15 
750 „0.4 
520 +0. 
‚000 0,85 
1500 0,0 
2000 0,0 
2821 -— 0,2 
m 
9 17.4 
55 7,85 
{10 5,2 
180 2,05 
300 2,05 
150 1.25 
550 1,0 
700 3,2 
350 7,7 
315 5,95 
‚000 58 
1460 [9,27] 
4108 „1,5 
Temperatur 
f 
Salzgehält 
0/00 
35,32 
35,34 
35,23 
35,10 
35,01 
34,94 
34,87 
34,63 
24,49 
24,38 
34,38 
34,45 
34,65 
A 
17 
Der Leiter der Expedition berichtet seinerseits, daß er den Einfluß des 
Eises auf die Oberflächentemperaturen scharf markiert gefunden habe und’ des- 
halb an’ der Eiskante schon in geringen Entfernungen starke Temperatur- 
differenzen auffielen. Auch in der senkrechten Verteilung der Temperaturen 
scheint ihm der Einfluß des Eises unverkennbar: innerhalb der Treibeiskante 
ist das Wasser oben zunächst kalt, um dann in mittleren Schichten, bei 200, 
300, bisweilen auch 400 m, schnell wärmerein Wasser bis über + 1° Platz zu 
machen und so bis an 1000 m zu bleiben, worauf dann ein langsamer AVfall 
der Temperatur bis zum Boden mit —0,3° erfolgt. Diese auch in der obigen 
Tabelle erkennbaren Tatsachen scheinen mir der von Prof, Otto Pettersson 
in ‚den letzten Jahren mehrfach ausgesprochenen Theorie einer Kisschmelz- 
strömung nicht ungünstig. Wie Prof. v. Drygalski mehrfach ‚hervorhebt, 
aetzten die Triften des Eises, wenigstens zwischen 80° und 90° O-Lg. entschieden 
nach Nord und Nordwest: dies würde dem Abstrom des Schmelzwassers ent- 
sprechen. . An der unteren Kante der Eisbergtafeln aber wird, nach Pettersson, 
aus niedrigeren Breiten wärmeres Wasser mit entgegengesetzter Stromrichtung 
herangezogen, und dieses würde dann die relativ. warme Zwischenschicht von 
300‘ bis 1000 m erklären; am unteren Eisfuße selbst steigt ein Teil dieses Tiefen- 
wassers in die Höhe, .erleichtert durch Vermengung mit Schmelzwasser; . ein 
anderer Teil sinkt in die Tiefe ab, beide büßen dabei ihren. Wärmevorrat ein, 
Ist die Wirkung des Eises auf die Wassertemperatur sehr deutlich, so 
wird sie. für den Salzgehalt weniger. stark, wie schon die vorher gegebene 
Beobachtungsreihe vom 25. Februar 1903 zeigt; selbst dicht vor dem Rande 
des Inlandeises geschöpftes Wasser verriet trotz benachbarter schwerer Pack: 
eismassen, . „keinen wesentlichen Einfluß“. — Die nur im Sommer auftretende 
Schmelzwasserschicht ist ‚ebenfalls von minimaler Dicke, entsprechend der 
ständig sehr niedrigen Lufttemperatur: sie „geht wenig. über 1 m hinab.“. Hatte 
doch das höchste Tagesmittel der ‚Lufttemperatur an der Winterstation (am 
11. Januar 1903) nur + 1,2° und erhob ‘sich das: Thermometer überhaupt nur 
am 29; Dezember, 2. bis 5. und 10 bis 14. Januar‘ über den Gefrierpunkt! — 
Nach Dr. Philippi ist der Salzgebalt der Oberfläche. zwischen Kerguelen und 
Heard I. 33,7 bis 33,8 Promille, also etwas höher gewesen als weiter westlich 
zwischen Crozet I. und Kerguelen;. er nahm. südwärts bis zur Eisgrenze’ ein 
wenig ab auf 33,5 Promille und schwankte im Eise selbst zwischen 33,0 und 
31,3, aber konnte bei der Winterstation auch in der kältesten Zeit in offenen 
Waaken 33,5 bis 33,6 zeigen. Bei der Herbsttrift‘ des „Gauß“ im März 1903 
hielt sich der Salzgebalt um 33 Promille herum, hob sich dann nach Verlassen 
des Eises rasch auf 34, aber erst nach Überschreitung des 35. Breitenparallels 
über 35 Promille. . ; 
Die Eisbildungen sind natürlich. von einer auf glazialem Gebiete so 
bewährten Autorität, wie Prof. v. Drygalski, besonders eingehend studiert 
worden. Haben. wir im Nordpolargebiet drei Arten von Eis: Schollen, Eisberge 
and Flußeis, so fällt.im Bereiche der Antarktis das dritte weg; es ‚gibt dort 
keine Flüsse. 
Ann. d. Hydr, oto., 1904, Heft I.
	        
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