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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1904,
sich in ihrer Vereinzelung im ganzen den zahlreicheren deutschen gut ein. Ob
die auf der Ausreise von Kerguelen erhaltenen Lotungen von mehr als 4000 m
(in etwa 581/° S-Br., 90'/4° O-Lg.: 4645 und 61° 58‘ S-Br., 95° 08‘ O-Lg.: 4018 m)
eine Mulde für sich bilden oder zu der, von der „Valdivia“-Expedition westlich
von 70° O-Lg. ausgeloteten über 5000 m tiefen Kerguelenmulde hinüberreichen,
bleibt ungewiß, da auf dem „Gauß“ während der Heimfahrt zwischen 62° und
56° S-Br. in 70° bis 73° O-Lg. nicht gelotet werden konnte. Die Lotung des
„Challenger“ von nur 2305 m bei 61° S-Br., 80° O-Lg. scheint auf ein wechsel-
volles Bodenrelief für diese höheren Breiten hinzudeuten, wobei es immerhin
möglich ist, an einen Zusammenhang zwischen der Kerguelenschwelle und dem
antarktischen Landsockel innerhalb der Tiefenlinie von 3000 m zu denken. Der
Übergang von der Tiefsee zum antarktischen Schelf vollzieht sich sehr schroff:
wie ein Bruchrand scheint er sich in etwa 100 Sm. Abstand vom Inlandeise
nördlich vom Kaiser Wilhelmslande hinzuziehen. Abgesehen von diesen sehr
dankenswerten Lotungen, deren ausführlicherer Darstellung mit Spannung ent-
yegenzusehen ist, liegen auch die auf der Heimreise nordwestlich von Neu-
Amsterdam auf Mauritius zu ausgeführten Sondierungen auf vorher wenig durch-
forschtem Gebiete: die Tiefenlinie von 4000 m unserer Karten wird hier etwas
nach Ost verschoben. Besonders bemerkenswert sind noch zwei neue große
Tiefen: südöstlich von Madagaskar in 26° 57 S-Br., 50° 17‘ O-Lg. 5384 m, und
südwestlich von der genannten Insel in etwa 28° 50‘ S-Br., 401/2° O-Lg. 5101 m.
Über die Bodenproben berichtet Dr. Philippi: Die soeben genannte
Tiefe von 5384 m zeigte einen ganz kalkfreien roten Tiefseeton, der auch schon
weiter östlich in der nicht eben sehr großen Tiefe von 4724 m (in 27° 31‘ S-Br.,
66° 25‘ O-Lg.) auftrat, und zwar hier gespickt mit vulkanischen Glasteilchen.
Das auffallendste Ergebnis aber ist, daß sich nicht, wie aus den Berichten der
„Challenger“. und „Valdivia“-Expedition zu schließen war, ein breiter, zusammen-
hängender Gürtel von Diatomeenschlamm nördlich von der antarktischen Treib-
eiszone ausdehnt, sondern daß schon südlich von 61° S-Br. glaziale Tone mit
eingestreunten Geschieben vorherrschen: ein Befund, der übrigens unter fast
zenau denselben Ausdrücken der Überraschung von Arctowski und Renard
inzwischen auch aus dem Forschungsgebiet der „Belgica“-Expedition westlich
von 65° W-Lg. gemeldet worden ist. Vom „Gauß“, wie von der „Belgica“
wurden dabei im Plankton der oberen Wasserschichten massenhaft Globigerinen
und ungeheuer viel Diatomeen gefunden, ohne daß entsprechende Reste davon
in den Bodenablagerungen abgeschieden waren. Es wird hieran die Vermutung
geknüpft, daß eine Meeresströmung in den oberen Schichten die absterbenden
Kalk- und Kieselgehäuse nach Norden entführen möge. Daneben bliebe aber
auch denkbar, daß die Ablagerung des glazialen Bodenschutts aus den schmelzen-
den Eisbergen verhältnismäßig so rasch und so massig geschehe, daß dabei die
organischen Reste verdeckt würden und nur scheinbar verschwänden. Übrigens
verzeichnet auch die „Challenger“-Expedition auf den drei südlichsten Lotungen
(3063, 3290, 2377 unserer Karte) blauen Schlick, während für ihre Station vom
26. Februar 1874 mit 3612 m, nur 40 Sm südöstlich von der Lotung 4018 m des
„Gauß“, schon Diatomeenschlamm angegeben wird, was auf raschen Wechsel
der Bodenbedeckung hinweist. Die dem Bodenschutt beigemengten glazialen
Geschiebe ließen Schlüsse zu auf die geologische Natur des nahe südlich oder
luvwärts nach Ost gelegenen Landes: es waren Blöcke von Granit, Gneis,
Amphibolit, außerdem aber auch von rötlichem Quarzit, wie sich alles in den
Moränen des Inlandeises am Gaußberg wieder fand, ;
Nicht nur auf der Hin- und Rückreise auf den Tieflotstationen, sondern
auch am Winterlager wurden regelmäßig Tiefseetemperaturen gemessen und
Schöpfzüge gemacht. Hierbei bewährten sich die Umkehrthermometer von
Negretti & Zambra in London recht gut, dagegen die vom Fürsten v. Monaco
sehr empfohlenen des Fabrikanten Chabaud in Paris nur wenig; letzteres ent-
spricht auch meinen Erfahrungen in den heimischen Meeren. Eine tabellarische
Übersicht der Beobachtungen fehlt leider ebenfalls. Dr. Philippi bringt nur
folgende zwei in ihren Gegensätzen allerdings sehr fesselnde Reihen: