Neuere Veröffentlichungen,
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Im- dritten Kapitel bringt E. Wandersleb „die geometrische "Theorie der optischen
Abbildung nach E. Abbe“ als Grundlage aller weiteren Untersuchungen, Es ist das große Verdienst
Abbes, die optische Abbildung ganz allgemein als die Abbildung eines Raumes in einen andern
aufgefaßt zu haben, derart, daß die vierfach unendlich vielen geraden Strahlen des einen Raumes
denen des andern ein—eindeutig so zugeordnet sind, daß jedem durch einen Punkt des ersten
Raumes .hindurchgehenden Strahlenbüschel ein durch einen Punkt des zweiten Raumes hindurch-
gehendes Büschel entspricht. Es werden aus den analytischen Ausdrücken für die Abbildung all-
gemeinster Art die einfachsten Grundformen der Abbildungsgleichungen. bei geeigneter Lage der
Koordinatensysteme abgeleitet, sowie die auf die Unstetigkeitsebenen, d, h. diejenigen Ebenen, denen
im andern Raume die co ferne Ebene entspricht, und die auf konjngierte Ebenen bezogenen
Gleichungen der Abbildung entwickelt, Ferner. wird ganz allgemein die Zusammensetzung zweier
Abbildungen zu einer und hernach die Zusammensetzung beliebig vieler Abbildungen behandelt, ohne
daß zunächst über die gegenseitige Lage von Objekt- und Bildraum Voraussetzungen gemacht sind.
Erst zum Schluß werden die allen optischen Systemen eigentümlichen Eigenschaften der Lage-
beziehung der Abbildungsräume eingeführt. .
Das vierte Kapitel: „Die Realisierung der optischen Abbildung“ (Bearbeiter: P. Culmann)
behandelt die Bedingungen, unter welchen die Abbildung der obigen Art in Wirklichkeit zustande
kommt, bzw. welchen Beschränkungen dieselbe bei beliebig weit geöffneten Strahlenbündeln immer
unterliegen muß, Zunächst wird der Fall dünner, der Achse von zentrierten Kugelflächen nahe-
tiegender Büschel behandelt. Es wird das Zustandekommen der sphärischen Aberration bei endlichen
Büscheln erwiesen, die zu der Beschränkung auf den Fall paraxialer, dad. bh. der Achse unendlich
benachbarter Punkte Veranlassung gibt. Auf die Besprechung der Brechung und Reflexion dünner
Büschel an einer Ebene bzw. an einer sphärischen Fläche folgt die Herleitung zweier für die Theorie
der sphärischen Aberration wichtiger Seidelscher Formeln und der Helmholtzschen Gleichung,
erstere die für die ganze "Theorie so bedeutungsvolle-„Nullinvariante“ betreffend, letztere die Brenn-
weiten des Objekt- und Bildraumes durch die zugehörigen Brechungsexponenten miteinander in
Beziehung setzend.
Der Fall schief auf Kugelflächen fallender Elementarbüschel, bei welchem ebenfalls bei enger
Öffnung des Büschels eine kollineare Abbildung zu stande kommen kann, wird dann analog
behandelt; er führt auf den Astigmatismus, Hieran schließt sich der Fall! doppelt gekrümmter
Flächen, bei welchen jedes Büschel, auch das normal einfallende, astigmatisch wird. Schließlich
werden einige Abbesche Sätze über die anamorphotische Abbildung bewiesen, welche durch die
Abhängigkeit der Vergrößerung von der Richtung, in der sie gemessen wird, charakterisiert ist.
Das fünfte Kapitel: „Die Theorie der sphärischen Aberrationen“ (Bearbeiter: A. König und
M. v. Rohr) ist besonders reichhaltig und umfaßt als der wichtigste Abschnitt für sich allein
130 Seiten, Die Abbesche Invariantenmethode ist in ihm für alle zehn Seidelschen Bildfehler,
welche bis zur dritten Potenz des Öffnungswinkels des Büschels gehen, durchgeführt und zwar für
die von der zweiten und dritten Potenz abhängigen Fehler zum ersten Male für endliche Haupt-
strahlneigung. Nach der Definition der Aufgabe auf Grund der Theorie der Seidelschen Abbildung
wird zunächst die sphärische Aberration von Achsenpunkten, die Längsaberration, als Einführung
in die Abbesche Invariantenmethode behandelt. Darauf folgt die Diskussion der Verzeichnung,
welche durch die von der Hauptstrahlneigung abhängige Aberration außeraxialer . Punkte ver-
ursacht wird. Sodann werden der Reihe nach die von der ersten, zweiten und dritten Potenz des
Üffnungswinkels abhängigen Aberrationen außeraxialer Punkte behandelt: die Bildfeldkrümmung
der tangentialen und sagittalen Strahlen (Astigmatismus), die drei Fehler, der Koma im weiteren
Sinne, nämlich die Koma im engeren Sinne, .der Rinnenfehler und der Dreiecksfehler, sowie
schließlich die vier Fehler der sphärischen Aberration im engeren Sinne, nämlich die sphärische
Aberration des ‚tangentialen Büschels, die tangentiale Difterenz des. Rinnenfehlers, die zweite
tangentiale Differenz der sagittalen Schnittweite und die sphärische Aberration des sagittalen
Büschels. Besonders hervorgehoben sei noch, daß bis zu den Gliedern zweiter Ordnung die Unter-
suchungen stets auf Sonderfälle ausgedehnt werden. Das Kapitel enthält ferner noch einen Abschnitt
über die wichtige Sinusbedingung als Bedingung für die Aberrationsfreiheit eines Büschels endlicher
Öffnung und kleiner Hauptstrahlneigung und einen weiteren Abschnitt mit der Entwicklung der
Seidelschen Gleichungen der Aberrationen dritter Ordnung.
Das sechste Kapitel enthält: „Die Theorie der chromatischen Aberrationen“ (Bearbeiter:
A, König). Es wird in ihm vor allem die Abhängigkeit der Lage und Größe des Bildes selbst
von der Wellenlänge behandelt; nur in Kürze wird anf die erst bei größerer Neigung der Strahlen
fühlbar werdende Beeinflussung der sphärischen Aberrationen durch die Variation der Wellenlänge
eingegangen. Die chromatischen Aberrationen erster Ordnung, also vor allem die chromatische Längs-
abweichung, werden nach Ableitung der nötigen Variationsformeln in vier Sonderfällen erläutert,
worauf das sekundäre Spektrum, d. h. die Abweichung der Schnittweite der Strahlen „für die dritte
Farbe“ ebenfalls für einige Fälle untersucht wird und die Möglichkeiten für seine Aufhebung zur
Sprache kommen. Es folgen einige wichtige, durch Figuren erläuterte Bemerkungen über die Wahl
der beiden Wellenlängen, für die man die Achromasie je nach dem verfolgten Zweck auszu-
führen pflegt.
Das siebente Kapitel: „Die Berechnung optischer Systeme auf Grund der Theorie der
Aberrationen“ (Bearbeiter: A. König) behandelt auf Grund der beiden vorhergehenden Kapitel die
Möglichkeit, mehrere der Aberrationsfehler gleichzeitig anfzuheben. Es wird zunächst die Erfüllung
der Petzvalschen Bedingung der Bildebenung besprochen und dann die Korrektion verschiedener
Kombinationen der übrigen Seidelschen Bildfehler mit Hilfe der Dunrchbiegung der Linsen der
Distanzierung der Einzellinsen und der Blendenstellung. Eine Reihe von Zahlentabellen erläutert
die gewonnenen Resultate und gewährt einen Einblick in die praktische Durchrechnung. Nach einem
Kapitel über das Verfahren der endgültigen Korrektion durch kleine Radienänderungen wird die
richtige Verteilung der Leistung auf Objektiv und Okular erörtert,
Das achte Kapitel: „Die Prismen: und die Prismensysteme“ (Bearbeiter: F. Löwe) bringt
nach der graphischen und trigonometrischen Verfolgung eines einzelnen Strahls die Abbildung durch