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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1904.
Liegt das mittlere Azimut Ast Aa der beobachteten Gestirne zwischen
315° und 45° oder zwischen 135° und 225°, so ist es vorteilhafter, die Breite
als bekannt anzunehmen und dl zu berechnen, andernfalls nimmt man besser
die Länge als bekannt an und berechnet d ©.
Eine praktische Anwendung der Wirtzschen Methode dürfte allerdings
wohl selten vorkommen, da sie nur dann mit Vorteil angewendet werden kann,
wenn die Höhen der Gestirne über einer vom Tageslicht erleuchteten Kimm
gemessen sind, während bei nächtlichen Beobachtungen die Undeutlichkeit der
Kimm Fehler hervorrufen kann, in Vergleich zu denen die geringen Vorteile der
Methode nicht in Betracht kommen.
Außerdem kann die stereographische Projektion noch zur Bestimmung
des Anfangskurses und der Distanz beim Segeln im größten Kreise und zur
Identifizierung von Sternen benutzt werden.
Für die erstere dieser beiden Aufgaben betrachte man in der Figur Z als
Ausgangspunkt und G als Endpunkt, so ist Z G die Distanz und Winkel PZG
der Anfangskurs. Diese Aufgabe ist also identisch mit der Aufgabe, Azimut
und Höhe eines Gestirns zu finden.
Es kann vorkommen, daß ein beobachteter Stern nicht identifiziert werden
kann, wenn ein großer Teil des Himmels bewölkt ist, In diesem Falle trage
man die durch Beobachtung gefundene Zenitdistanz auf einem Meridian der
Projektion ab, der mit der rechten Hälfte des umgrenzenden Meridians einem
Winkel gleich dem durch Peilung gefundenen angenäherten Azimut des Sterns
bildet, Der so gefundene Punkt sei in der Figur der Punkt G*. Indem man
von der Nummer der durch G' gehenden radialen Linie das Breitenkomplement,
in Bogenminuten ausgedrückt, abzieht und auf dem zugehörigen konzentrischen
Kreise bis zu der radialen Linie geht, deren Nummer die gefundene Differenz auf-
weist, kommt man zu dem Punkte G, dessen Poldistanz und Stundenwinkel, also
auch Rektaszension, man von der Graduierung der Projektion AED kann,
aspar.
Dr. B Lösung einiger nautischer Aufgaben mit Hilfe der Azimuttafeln von
Fr. bolle. )
a) Wenn bei Beobachtung eines unbekannten Gestirns die aus Höhe und
Azimut mit Hilfe der Tafeln beiläufig ermittelte Rektaszension auf mehrere
Gestirne ungefähr paßt, also mittels derselben nicht mehr mit Sicherheit fest-
gestellt werden kann, welches Gestirn beobachtet wurde, ist es nötig, auch die
Deklination beiläufig zu ermitteln, damit diese den Zweifel entscheide. Hierzu
bedenke man, daß der Stundenwinkel bereits bei der Berechnung der Rektaszension
ermittelt wurde und die Breite bekannt ist. Für diese beiden Größen und das
Azimut geben die Tafeln die entsprechende Deklination und zwar, wie folgt:
Die dritte Boltesche Azimut-Tafel C gibt für Azimut und Breite die Korrektion III;
hierzu die aus "Tafel B mit den Argumenten Breite und Stundenwinkel
gewonnene Korrektion II mit verkehrtem Zeichen, gibt die Korrektion I, welche
man für gewöhnlich der Tafel A entnimmt; mit Korrektion I und dem Stunden-
winkel erhält man aus Tafel A die Deklination.
b) Ähnlich wie die Deklination, kann auch die Höhe und Zenitdistanz
eines Gestirns bestimmt werden; dies ist wichtig für die Bestimmung der
Zenitdistanz (orthodromischen Distanz) zweier Orte. Es wird in die Tafeln, wie
Folgt, eingegangen: Aus Tafel C entnimmt man mit dem Längen-Unterschied
Jer beiden Örte als Azimut und der Abfahrts-Breite Korrektion III; hierzu
lie aus Tafel B mit den Argumenten Abfahrts-Breite und Abfahrts-Kurs, als
Stundenwinkel, erhaltene Korrektion II, gibt Korrektion I; mit Korrektion I
and wieder Abfahrts-Kurs als Stundenwinkel entnimmt man der Tafel.A,
Kolonne Deklination, die Höhe, welche von go° subtrahiert die Zenitdistanz (ortho-
dromische Distanz) gibt. Es ist bekannt, daß der Abfahrts-Kurs genau so wie
das Azimut aus den Tafeln erhalten wird. Die Tafeln geben die Deklinationen
nur bis 60°; daher können damit nur orthodromische Distanzen über 30° (1800 Sm)
berechnet werden. N
N c) Es ist bekannt, daß Tafel C die Längen-Anderung für 10’ Breiten-
Änderung (spezifische Längen-Änderung) gibt, wenn sich ein Schiff auf der
zur Azimut- (Peilungs-) Linie senkrechten Positions-Linie bewegt; wenn man