Kleinere Mitteilungen,
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_. Das Resultat der. Kinzelbeobachtungen faßt Garde dahin zusammen, daß
1. im Jahre 1903 die dem Polarbecken angrenzenden. Meere (tem-
perate. Seas) die ‚normale Menge von Seeeis aus dem Polarmeer
erhalten haben, daß 2, der Labradorstrom 1903 ungewöhnlich viele;
Eisberge mit sich geführt hat. Dies Resultat bestätigt voll und ganz die!
Prognose, welche 1902 gestellt wurde und normale Eisverhältnisse bei Grönland:
und Island, dagegen ungünstige östlich von Labrador urd Neufundland
vorhersagte. . .
Die Verhältnisse von. 1903 gestatten nicht, eine sichere Prognose für
1904 zu geben, so daß Garde sich dahin äußert, daß keine Gründe vorliegen,
eine anormale Eismenge für den Labrador- und Ostgrönlandstrom im Jahre
1904 anzunehmen, wenn auch das Packeis im nördlichen Barents-Meer immer
etwas gefahrdrohend erscheint. Betrachtet man die Zusammenstellung über die
Eisverhältnisse des Ostgrönländischen Meeres während der Jahre 1877 bis 1895,')
so ist. es auffallend, - daß regelmäßig zwei günstige (oder normale) Jahre auf-
einander folgen. Natürlich ist diese kurze Statistik keineswegs beweiskräftig,
aber sie unterstützt die Vermutung auf normale oder günstige Eisverhältnisse
für 1904, da das Jahr 1902 sehr ungünstige HEisverhältnisse aufwies. Kine
Prognose bezüglich der Eisverhältnisse des kommenden Jahres ist mit Sicherheit
heute noch schwer zu stellen; die Eisverhältnisse des Ostgrönländischen Meeres
sind nicht nur durch die Ausbreitung des Eises im Vorjahre, sondern in der
Hauptsache durch die Luftdruckverteilung im Frühjabr (und zum Teil im Winter)
bedingt, während die Kisverhältnisse des Labradorstroms auch von anderen
Ursachen, wie Schwankungen: der Niederschläge in Grönland oder Stauungen
der Eisberge, abhängig sein können. -
Einige Angaben über die Geschwindigkeit der KEisdrift des Ostgrön-
Jändischen Polarstroms ergeben, daß diese im Herbst 1902 und Frühjahr 1903
sehr groß gewesen ist. Aus der Differenz des Eintreffens des neuen Packeises
zwischen Angmagsalik und Kap Farewell im November 1902 berechnet Garde
die Geschwindigkeit des Polarstroms zu über 16 Seemeilen pro Tag,. ebenso
aus der Differenz Kap Farewell—Nunarsuit im Januar 1903 19 bis 20 Seemeilen
pro Tag; diese Geschwindigkeiten sind erheblich größer wie früher beobachtete.
Ob diese Geschwindigkeiten maßgebend sind für die Bewegung des ganzen
Ostgrönländischen Polarstroms, erscheint mir jedoch etwas zweifelhaft, da das
Treibeis vielleicht in beiden Fällen nur durch lokale Windverhältnisse schnell
verfrachtet worden ist, wodurch die Gesamtströmung noch nicht beeinflußt
werden muß. Wäre die Gesamtgeschwindigkeit tatsächlich eine erheblich
größere wie in normalen Jahren gewesen, so würde demgemäß auch mehr Eis
durch den, Ostgrönländischen Polarstrom. nach Süden geführt worden sein, was
sich wohl am ehesten durch eine Stauung des Eises bei Nord-Island kenntlich
gemacht hätte. Hier waren aber im Jahre 1903 die Eisverhältnisse sehr günstig.
Dr. W. Brenneeke.
4. Sehr starke Stromverseizung an der Ostküste von Ceylon. - Nach
einem Bericht des Kapt. Meyerdiercks vom D. „Bengalia“. (Mitteilung von
der Hamburg—Amerika-Linie.)‘ Am 23. November 1903, 2" V setzten wir den
Lotsen ab bei „Eastern Channel“-Feuerschiff, steuerten von da rw. S 23° W, einen
Kurs, der das Schiff ohne Versetzung in Sicht von „Little Basses“-Feuerturm an
der Südostküste von Ceylon führen mußte,
An den nächsten Tagen hatten wir folgende Stromversetzungen:
Am 23. XI. 12° mittags . . .
„ 24. 12 » * »
25. „ 2 EB
26. „ 12% „00
Vom 26. 11* mittags steuerten wir rw. S7°W, welcher Kurs uns unter
Berücksichtigung der bisherigen Versetzungen am 27. XI. mit Tagwerden unter
die Küste von Ceylon bringen mußte. Ich war daher einigermaßen erstaunt,
am 27. XI. 5 V keine Spur von Land zu sehen. Eine um 7" V gemachte
x
1) Vgl. Annalen 1904, S, 50 und 51.
Ann. d, Hydr. etc... 1X%M, Heft V.