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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

240 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1904, 
Es war eine Wasserhose, die zusehends größer wurde und anscheinend nach 
Nordost zog. Bei frischer Brise auf Südwestkurs segelnd, kamen wir schnell 
näher, so daß ich die Entfernung bald nur auf 450 bis 500 m schätzte. Als 
die aufwirbelnden Wasserstaubmassen eine ungefähre Höhe von 100 m erreicht 
hatten, wurde aus der Wolkenbank hinter dem Wirbel ein schwarzer, unten 
weißlich schimmernder Trichter schräg heraus- und in den Wirbel hineingezogen. 
Die Bildung des Trichters bis zu seiner Vollendung nahm etwa eine 
Minute in Anspruch. Oberhalb des Wirbels befand sich eine Lage gleich- 
mäßiger Schichtwolken. Der Trichter selbst war oben von Wolkenfetzen um- 
geben und bildete mit der Meeresoberfläche einen Winkel von 65°. Der Wirbel 
samt Regenwolke schien sich kaum zu bewegen, höchstens etwas gegen den 
Wind an. Es wäre ja möglich gewesen, wenn auch wegen der kurzen Ent- 
fernung nicht wahrscheinlich, daß bei der Wasserhose eine andere Windrichtung 
zeherrscht hätte, als bei uns an Bord. Eine von Osten überkommende Bö 
hüllte jetzt Schiff und Umgebung in dichten Regen ein, worauf wir einige 
Striche höher steuerten, um nicht unnützerweise in die Nähe der Wasserhose 
zu gelangen. Die ganze Erscheinung war mit einem heftigen Gewitter ver- 
bunden. Danach folyte Malluog und Stille.“ 
U} „usul, 
3. Die Eisverhältnisse der nordischen Meere im Jahre 1903.) 
Nachdem im Jahre 1899 das Dänische meteorologische Institut vom 
internationalen Geographenkongreß zu Berlin als Zentralstelle zur Sammlung 
und Verarbeitung des Materials über die Ausdehnung des Treibeises in den 
nordischen Meeren erklärt worden ist, erscheinen die Berichte über die His- 
verhältnisse wesentlich erweitert und — was hervorzuheben ist — mit dankens- 
werter Schnelligkeit. Der diesjährige Bericht gliedert sich in drei Teile: 
1. Karten über die Ausbreitung des Eises für die Monate April bis August 1903, 
2. Gesamtdarstellung und 3. Bericht über Einzelheiten der Kisverhältnisse in 
den verschiedenen Teilen des Meeres; herausgegeben und bearbeitet von V. Garde. 
Die Eisverhältnisse gestalteten sich in den verschiedenen Meeren folgendermaßen: 
Barents-Seoe. Zwischen Spitzbergen, Franz Josephs-Land und Nowaja 
Zemlja schweres Eis während des ganzen Sommers, ebenso wie 1902, nur bei 
der Bäreninsel günstige Verhältnisse; diese ist seit Anfang April eisfrei. Nach- 
richten über das Karische Meer fehlen. 
Spitzbergen. Ungünstige Verhältnisse an der Ostseite, demzufolge hielt 
sich das Eis auch lange im Süden Spitzbergens. Die Nordküste konnte erst 
spät im Juli erreicht werden. Mitte August bis Ende September West- und 
Nordwestküsten zugänglich. 
Ostgrönland. Nord von Jan Mayen normale Eisverhältnisse, im August 
starke Abnahme. Bei Angmagsalik ungemein günstige Eisverhältnisse während 
Juni— August; im August war das Meer gänzlich frei von Eis, 
Island. Günstige Eisverhältnisse, vorübergehende kurze Besetzung der 
Nordküste im April und Juni. 
Nordatlantischer 0zean. Auf der Amerikaroute ungemein viel Eis vom 
März bis zum November; einzelne Eistrümmer wurden im August auf 37° 52’ N 
und 71° 30'W angetroffen. Die Anzahl und Ausbreitung der Eisberge war ganz 
außergewöhnlich groß. (Vgl. „Pilot charts“.) 
Davis-Straße. An der Küste von Südwest-Grönland normale Verhältnisse. 
Das Eis erschien ziemlich früh: zu Neujahr; alsdann war die Küste eisfrei von 
Februar bis Mitte April, zu welcher Zeit das Haupteis eintraf, zu Anfang August 
wurde die Küste wieder eisfrei. 
Baffin-Bay. Günstige Eisverhältnisse an der Westküste, sehr ungünstige 
an. der Ostküste. Die Melville-Bay war bis Mitte August durch Packeis blockiert; 
ein Walfänger wurde durch Eispressung zerstört. 
Berings Meer. Im Mai ungünstige KEisverhältnisse; die Beringstraße 
konnte auf der West- und Ostpassage Mitte Juni erreicht werden. Anfang Juli 
hörte die Norddrift des Eises auf. Point Barrow und Mackenzie-Mündung 
wurden im August erreicht, das Packeis lag im August und September 1 bis 
10 Meilen entfernt von der Küste. 
1) Nach: Isforholdene i de arktiske Have 1903. Saertryk af det danske meteorologiske 
Instituts nautisk-meteorologiske Aarbog.
	        
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