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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Krümmel, O.: Die Fahrt der deutschen Südpolar-Expedition von Kergunelen etc, 15 
vielmehr alles: Eis in den häufigen Stürmen durch die hohe Dünung immer 
wieder gelöst wurde. Zu weiterem Vordringen nach Süden erwies sich auch 
das Jungeis in der herbstlichen Jahreszeit bereits zu stark, und die langen 
Nächte hinderten die Übersicht. Am 8. April, in 64° 58‘ S-Br., 79° 33‘ O-Lg. 
mußte Herr v. Drygalski die Heimkehr beschließen. Der Umkehrpunkt lag, 
wie die Karte zeigt, reichlich 1!/z° nördlicher, als die vom „Challenger“ in 
derselben Länge im Februar 1874 erreichte höchste südliche Breite. Schon 
am 9. April kam man mit Nordkurs aus dem Treibeise heraus, konnte solches 
aber noch bis 63° S-Br. unfern im Osten bemerken. Am 19, passierte man 
Kerguelen, landete eine Woche später flüchtig auf St. Paul und Amsterdam und 
befand sich am 12. Mai 270 Sm südlich von Mauritius und am 31. vor Port Natal. 
Das Schiff hatte sich auf der Eisfahrt vortrefflich bewährt; Kapt. Ruser 
spricht sich in seinem Bericht darüber folgendermaßen aus: „Das Manövrieren 
mit dem Schiff, selbst in schwerem Scholleneis, dessen Stärke bisweilen bis zu 
6 und 7 m betrug, war ausgezeichnet. Hier gelangte die Form des Schiffes 
zur vollen Geltung; glückte es nicht, durch Vor- und Rückwärtsgang der 
Maschine das Eis zu forcieren, so gelang es fast stets mit Vollkraft vorwärts, 
und bei stetigem Wechsel der Ruderlage von hart B-B. auf hart St-B. und 
zurück, die „Gauß“ durch die kleinste Öffnung zu schieben. Alte Schollen bis 
3 m Stärke wurden, wenn man sie nicht vermeiden konnte, durch die Fahrt 
dagegen zertrümmert, teils auch durch. die Schwere des Schiffes, wenn es hinauf 
lief. Nur im Jungeis vom März bis April 1903 war die Fahrt bedeutend er- 
schwert durch die Zähigkeit des Eises; große Felder von Scholleneis, deren 
Stärke etwa 1 bis 3 m betrug, und die schon stark aneinander geschlossen 
waren; so daß nirgends mehr Wasser zu sehen war, durchfuhren wir mit ziemlicher 
Fahrt. Hatte sich jedoch zwischen größerem Scholleneise dicker Schneebrei 
gelagert, so war es fast unmöglich, nur kleine Strecken zu durchfahren, trotz 
stundenlangen Manövrierens, wenn auch mit langem Anlauf und voller Maschine 
gefahren wurde.“ „Der Eisenbeschlag vorn und hinten am Steven, sowie die 
Greenhart-Beplankung haben trotz der oft sehr schweren Stöße im Eise nicht 
gelitten, es war selbst an den Nähten der letzteren nirgends auch nur eine Ab- 
splitterung des Holzes zu bemerken; nur die über der Wasseroberfläche liegen- 
den Planken sind durch die starke Kälte etwas rissig geworden.“ Zeitungs- 
nachrichten aus Kapstadt, wonach „Gauß“ vom Kise doch auch merklich 
mitgenommen sein sollte, waren also sehr übertrieben. — Der Tiefgang war, 
als „Gauß“ in Kerguelen ankam, 5,5 m, und bei der Abfahrt nach dem Süden 
auf 6,1 m angewachsen, also noch größer als bei der Abreise von Kiel im 
August 1901. "Trotzdem arbeitete das Schiff in der stürmisch bewegten See 
gut, nur Hatte man Schwierigkeiten, unter Segeldruck allein ein Abfallen vom 
Kurse zu erzwingen. Nach der Überwinterung, wo der Tiefgang wieder auf 5,5 
abgenommen hatte, wurde das erheblich besser, und nachdem durch Herüber- 
schaffen von Kohlen aus dem Achterraum in die Seitenbunker das Schiff auf 
ebenen Kiel mit 5,1 m gebracht war, zeigte sich auch die Fahrt mit einem Male 
erheblich beschleunigt, wenn auch auf der Rückreise nie mehr als 9 Knoten 
gelaufen wurden, Leider war im März 1903 beim Manövrieren inmitten stark 
von der Dünung bewegten Scholleneises die Schiffsschraube auf einen Eisfuß 
aufgeschlagen und hatte ein 45 cm langes Stück des einen Flügels eingebüßt; 
sie. mußte gegen eine kleinere Reserveschraube ausgewechselt werden. Das ist 
aber auch der einzige Eisschaden, den „Gauß“ zu verzeichnen hat. — ; 
Wenn wir uns nun den wissenschaftlichen Einzelberichten zuwenden, so 
ist zunächst für die Ozeanographie festzustellen, daß dieses Mal eine Tabelle 
der Lotungen mit Angabe der genauen Positionen, Bodenproben und Tempera- 
turen fehlt; nur die von Kapt. Ruser seinem Bericht beigegebenen drei Kurs- 
karten enthalten die geloteten Tiefen, und zwar vollständig auch nur nördlich 
vom Eisgebiet. An einer andern Stelle des Berichts erfahren wir, daß auf der 
ganzen Fahrt von Kapstadt zum Eise und wieder zurück nach Kapstadt ins- 
gesamt 72 Tiefseelotungen ausgeführt worden sind. Die Zahl der im Bereiche 
der Flachsee im Eise gelungenen Lotungen dürfte mindestens ebenso groß sein, 
konnte aber auf der bezüglichen Karte nur unvollständig eingetragen werden; 
unsere Kartenskizze gibt von allem, dem noch kleineren Maßstabe entsprechend, 
nur eine Auswahl. Die älteren Lotungen der „Challenger“-Expedition passen
	        
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