Kleinere Mitteilungen,
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an.den Wind zu luven. Kaum hatte das Schiff jedoch den Wind dwars, als
dieser mit voller Sturmgewalt aus SO einfiel und das Schiff ganz auf. die Seite
drückte, Ich gab sogleich den Befehl, ‚die: Bram- und Marsfallen sowie die
Unterschoten loszuwerfen und half selbst das Ruder. hart aufdrehen, um das Schiff
vor den Wind zu bringen. Der Wind hatte aber das Schiff. schon so weit auf
die Seite gedrückt, daß es, trotzdem das Ruder hart auf war, nicht mehr ’ab-
fallen wollte. Weder Bram- noch Marsfallen wollten fieren, wodurch die
ganze Leeseite unter Wasser kam. Da ich ein Kentern des Schiffes befürchtete,
gab ich unverzüglich den Befehl, sämtliche. Schoten und Fallen, an die noch
anzukommen war, loszuwerfen oder zu durchschneiden, was auch soweit als
möglich sofort geschah. Infolgedessen richtete sich das Schiff etwas auf (wozu
auch viel der Umstand mit beigetragen haben mag, daß bereits ein großer Teil
der Segel weggeweht war), obgleich der Wind zur Zeit mit solcher Stärke
wehte, daß man sich auf dem Achterdeck festhalten mußte. Wolkenbruchartiger
Regen strömte hernieder, so daß man weder hören noch sehen konnte. ©
Kaum hatte sich das Schiff etwas aufgerichtet, als der Wind mit der
gleichen Stärke wie vorher aus SO jetzt aus O einfiel, wodurch das. Schiff recht
von vorn getroffen wurde und luvwärts überfiel, aber nicht so weit wie. vorher
nach Lee. Das Schiff drehte dann durch SO und S nach SW, wo es steuerlos
liegen blieb.
Gegen 1* nahmen Wind und Regen etwas ab, die Nacht blieb aber finster
und heftiges Blitzen und Donnern wurde beobachtet. Gegen 2* flaute der Wind
mehr ab und die Luft wurde klarer. ‚Jetzt erst konnte man den Schaden
übersehen, den die Bö angerichtet hatte. Von sämtlichen Segeln waren nur
Vor- und Kreuzuntermarssegel unversehrt geblieben. Von den Vor- und Stag-
segeln sowie den Rahesegeln im Großtopp standen nur noch die Lieken und
einzelne Fetzen. Auch Fock und Bagien waren fast ganz weggeweht; sogar
Besan und Gaffeltoppsegel, die doch vor der Bö eingezogen worden waren,
waren vollständig zerrissen. Im Großtopp waren Groß- und Unterbram-
rahe gebrochen, die Nocken zeigten fast rechtwinklig nach achtern.
Beide Rahen waren aus Stahl und nur drei Jahre alt. Von der Gewalt des
Windes waren die Stahlplatten in den Brüchen, wie eine spätere Untersuchung
zeigte, förmlich in Falten gelegt. Die Großbrassenwinde war vollständig un-
brauchbar geworden, da sämtliche Zähne zweier Kammräder abgesprungen
waren. Hätte »Eilbek« nicht so ausnahmsweise starkes stehendes Gut gehabt,
das erst vor drei Jahren nach Entmastung des Schiffes in Australien neu ein-
gesetzt worden war, so glaube ich, daß wir auch die Masten und Stengen ver-
Toren hätten; denn in bezug auf die Windstärke in den beiden heftigsten Stößen
der Bö geht meine Meinung dahin, .daß es überhaupt nicht stärker wehen konnte.
(Also Windstärke 12. D. Red.) . .
Um 4" herrschte fast völlige Stille; der Regen hörte auf, und die Luft
klarte ab. Das Barometer, das ich während der Bö nicht beobachten konnte,
zeigte wieder seinen gewöhnlichen Stand.“ ;
Im Hinblick auf .obige Schilderung dürfte es wohl angebracht sein, die
Schiffsführer darauf aufmerksam zu machen, daß sie in diesen Gegenden besonders
auf ihrer Hut sein mögen. Nähere Angaben findet man auch im „Segelhandbuch
für den Atlantischen Ozean“, wo nach Kapt. Midgley auf S. 180 der Charakter
solcher Böen genauer dargestellt wird.
2. Wasserhose auf dem Nordatlantischen Ozean. Am 3. Oktober 1903
beobachtete Kapitän Dinkela vom Schiff „Henriette“ in 7° 51° N-Br. 20° 25*
W-Lg. eine Wasserhose; er berichtet darüber folgendes:
„Vormittags herrschte schwüle, drückende Hitze bei leichter Brise aus
nördlicher Richtung. . Gegen : Mittag bildeten sich ringsum am Horizont
Schauerwolken, die im östlichen Viertel die größte Ausdehnung hatten. Im
Westen bildete sich ebenfalls eine schwarze Wolkenbank, jedoch von geringerer
Ausdehnung. Donner und Blitze wurden in östlicher Richtung beobachtet.
Um 1* N stieg sämtliches Gewölk schnell empor, unter zunehmendem Donner
und Blitzen. Der Wind holte rasch von Nord nach Ost und frischte auf.
Wir steuerten SW. In West zu Süd glaubte ich ‚plötzlich die Masten und
Segel eines Schiffes zu sehen, jedoch wurde ich bald eines Besseren belehrt.