Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1904.
Folgerungen aus B: Wenn für Entscheidungen kein Gesetz paßt,
hilft man sich in der Weise, daß man durch Sachverständige feststellen läßt,
was „Usance“ oder „Gewohnheitsrecht“ ist, und entscheidet danach. Die Statistik,
unser Sachverständiger, liefert dann folgende Sätze:
1. Jeder Segler von 1900 R-T. Brutto Raumgehalt und mehr
ist nach der Ansicht der Gesamtheit deutscher Reeder mit einer
Seeuhr ungenügend ausgerüstet. Er bedarf ihrer zwei.
Mit Rücksicht auf die Bewegung der Zahlen kann man hinzufügen:
2. Jeder Segler von 800 R-T. und darüber ist zweckmäßig mit
Seeuhren auszurüsten.
Der letzte Satz ist darin begründet, daß Segler von dieser Durchschuitts-
größe schon vor 25 Jahren so ausgerüstet waren, und daß ein Teil der Reeder
auch heute noch Segler bis zu 800 R-T. herunter mit zwei Uhren ausrüstet.
Der Bedarf. In dem Hauptteil des Handbuchs für 1903, dem nament-
lichen Verzeichnis der einzelnen Segler, habe ich für jede 100 R-T. Brutto die
Zahl der Segler jeder Klasse gezählt und gebe daraus folgenden Auszug:
Zahl der Segler in Klasse X und IX nach der Größe in Brutto-R-T, geordnet. 1903.
Klasse
See- Brutto-Registertonnen
uhren | 90__999'1000—1199!1200-—1399 1400—1599 1600—1799'1800—1899'1900 und mehr
2 (3)
4
18
{
9
90
G
11
923
19
9“
9
20
a
30
Nach Folgerung 1. sind 30 Segler ungenügend ausgerüstet.
Nach Folgerung 2. sind 120 Segler außer diesen 30 zweckmäßig mit einer
zweiten Uhr auszurüsten.
Reeder, die ihre Segler zeitgemäß ausrüsten wollen, handeln in ihrem
eignen Interesse, wenn sie möglichst bald ihre Schiffe in transatlantischer Fahrt
mit zwei Seeuhren versehen. Keine Verordnung hat die Ausrüstung mit zwei
Seeuhren anbefohlen. Es kann aber kein Zweifel darüber bestehen, daß wir
hier einer Wirkung des Bedürfnisses der Praxis gegenüberstehen, das ernste
Beachtung verdient. Die Anderung und Entwicklung der Seglerflotte steht in
80 klarem Zusammenhange mit der besseren Ausrüstung mit Seeuhren, daß ich
mir ein näheres Eingehen darauf ersparen kann. Die Tabelle B bietet alle
wünschenswerte Aufklärung über diesen Zusammenhang.
Deutsche Dampfer.
Mit einer Seeuhr. C(2) und (3). Die Zahl steigt stetig von 98 auf
758, d. h. von 100 auf 775 °/o; ihre Größe ist ebenfalls gestiegen, von 1007 auf
2184 R-T., oder von 100 auf 217%. Die kleinste mittlere Größe fällt auf
das Jahr 1879.
Mit zwei (drei) Seeuhren. C(4), (5). Dampfer mit drei Uhren C (9),
sind noch seltener als Segler mit dreien, B (9); deshalb sind wie bei den Seglern
Dampfer mit zwei (drei) Uhren in C(4) und (5) zusammengefaßt, Ihre Anzahl,
B (4), bat von 34 bis auf 177 zugenommen, d. h. von 100 auf 520 °% (Segler
auf 363 °/o). Ihre Größe, B (5), ist von 2200 R-T, in 1881, auf 4719 R-T. ge-
stiegen, d. h. von 100 bis auf 215° o (Segler auf 271 %). Die Zahl hat also
in viel stärkerem Maße zugenommen als die Größe. Es macht sich also bei
den Dampfern noch in stärkerem Grade als bei den Seglern die Erkenntnis
geltend, daß eine Ausrüstung mit zwei Ühren der mit einer Uhr vorzuziehen sei.
Dampfer mit Seeuhren überhaupt. C(6). Ihre Zahl hat von 132
bis auf 935 zugenommen, d.h. von 100 auf 710 %. Die Statistik bietet, ebenso-
wenig wie bei den Seglern, einen sicheren Anhalt dafür, ob alle diese Dampfer
in transatlantischer Fahrt beschäftigt sind. Vermutlich ist ein kleiner Teil nur
in der europäischen Fahrt beschäftigt. Das würde heißen, daß jetzt auch solche
Dampfer mit einer Seeuhr ausgerüstet werden, bei denen es früher nicht üblich
war, d. h. Dampfer in heimischer oder europäischer Fahrt.
Summe aller Seeuhren auf Dampfern. C(7). Sie ist von 166 auf
1113 gestiegen, d. h. von 100 bis auf 670 %. Die Aussichten für die nächste