Knipping, E.: Statistik der Schiffschronometer der Deutschen Kriegs- und Handelsmarine.
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Statistik der Schiffschronometer der deutschen Kriegs- und Handels-
marine von 1877 bis 1903.
Von E. Knipping.
(Hierzu Tafel 14.)
Die folgende Untersuchung bezweckt hauptsächlich die Feststellung der
Grundsätze, wonach die deutsche Handelsmarine mit Chronometern oder See-
uhren ausgerüstet wird. Des Vergleichs‘ und der Vollständigkeit wegen sind
Angaben über die Kaiserliche Marine hinzugefügt, obwohl hier die Grundsätze
bekannt sind; denn es schien wünschenswert, mit der Beantwortung der ersten
Frage eine bisher fehlende Übersicht über den Gesamtbestand an Seeuühren auf
deutschen Schiffen während der letzten 27 Jahre zu geben. Die so gewonnenen
Zahlen sind hoffentlich auch dem Fabrikanten willkommen, da sie die jährliche
Bewegung, den Bedarf und die Aussichten für die nächste Zukunft erkennen
lassen. Diese Aussichten, das mag gleich vorweg bemerkt werden, sind um so
günstiger, je größere Klarheit über die Grundsätze der Ausrüstung unserer
Handelsschiffe herrscht, an der es bisher gefehlt hat. Einen Beitrag hierzu zu
liefern, der nur auf der Erfahrung und dem Gesetz der großen Zahlen beruht,
nicht auf der Theorie, ist der Zweck der folgenden Zeilen.
Ich darf beim Leser als bekannt voraussetzen, daß die Seeuhr oder das
Schiffschronometer!) für die Sicherheit der Schiffahrt von großer Bedeutung ist.
Das Deutsche Reich hat deshalb seit seinem Bestehen nicht nur die Statistik
dieser Uhren laufend verfolgt und veröffentlicht, sondern auch durch jährliche
Prüfungen, verbunden mit Prämienverteilungen und mit dem Ankauf der besten
Seeuhren, die Herstellung zuverlässiger heimischer Uhren auf jede Weise zu
fördern gesucht. Dieses Bestreben hat Früchte getragen, denn die deutschen
Uhren sind den ausländischen jetzt mindestens ebenbürtig. Das nächste Ziel
muß sein, die heimische Industrie weiter so zu heben, daß der Gesamtbedarf
auf deutschen Schiffen ausschließlich im Inlande gedeckt wird, was bis jetzt
leider noch nicht der Fall ist.
Zu den Tabellen, Die Tabellen gelten für den Zeitraum von 1877 bis
1903. Mittelwerte für die fünf fünfjährigen Zeiträume von 1879 bis 1903 bilden
immer den Schluß. A gilt für die Kaiserliche Marine, B für deutsche Segler
und C für Dampfer. Die gleichen Spaltennummern bei den drei Tabellen, in
(), entsprechen einander. So geben z. B. A(9), B(9) nnd C(9) die Zahl der
Schiffe mit drei Uhren in allen drei Tabellen an. Dieselbe Bezeichnung gilt
für die Spalten und für die Zeichnungen. Der höchste und der niedrigste Wert
in einer Spalte sind durch besonderen Druck kenntlich gemacht.
S. M. Schiffe. Tabelle A. Die Kaiserliche Marine kennt nur zwei Arten
der Ausrüstung, für transatlantische Reisen drei Uhren, A (9), für andere Reisen,
d. h.. in ‚den heimischen Gewässern eine, A (2). Die Gründe, weshalb S.M,
Schiffe auf transatlantischen Reisen durchweg mit drei Stück ausgerüstet werden,
sind bekannt. Es ist die zweckmäßigste Ausrüstung. Wenn alle drei Uhren
übereinstimmen, der gewöhnliche Fall, so ist man imstande, die Greenwicher
Zeit auch nach vielen Wochen jederzeit so scharf und genau anzugeben,
wie es mit einer geringeren Zahl, zz. B. zweien, nicht möglich ist.. Sollten aber von
den drei Uhren nach einiger Zeit nur zwei übereinstimmen, die dritte beträchtlich
abweichen, so spricht die Wahrscheinlichkeit dafür, daß die dritte Uhr unzuverlässig
geworden ist. Drei Uhren kontrollieren sich also gegenseitig sehr viel besser,
als zwei es tun. Hierin liegt die Überlegenheit der Ausrüstung mit drei Uhren.
In allen vier Spalten A (2), (9), (6) und (7) steht der kleinste Wert neben
dem Anfangsjahr der Reihe. 1877, in den drei letzten Spalten die höchsten
Werte neben dem Schlußjahre 1903. Nur in A (2), Schiffe mit einer Uhr, fällt
der höchste Wert auf das Jahr 1896. Seitdem ist er nur sehr wenig, um fünf,
gesunken. Die Zahl aller Uhren auf S. M. Schiffen, A (7), hat sich von 126
auf 269 gehoben, d.h. von 100 auf 213 %,. Die Unterschiede der letzten fünf-
1) Weiterhin oft auch kurz als Uhr bezeichnet.