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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Wendt, E.: Meeresströmungen im Golf von Guinea, 
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worfene Karte, welche die Überschrift trägt: „Spez. Gew. des Meereswassers 
an der Oberfläche“, Schließlich ist noch auf ein außerordentlich verdienst- 
volles Werk, eine „den Salzgehalt im Oberflächenwasser der Ozeane dar- 
gtellende Weltkarte“, hinzuweisen, die Herr Schott in Pet. Mitt. 1902 ver- 
öffentlicht hat. Aus diesen Karten geht hervor, daß im ganzen Golf Dichte 
und Salzgehalt gering sind. Der Salzgehalt beträgt fast überall unter 35%o 
und ist in der Bucht von Biafra am kleinsten, unter 32% oo. Deutlich wahr- 
nehmbar ist der Einfluß der starken Süßwasserzuflüsse. . 
; Was den jahreszeitlichen Unterschied anbelangt, so ist im Winter das 
Wasser an der Oberfläche salzreicher :als im Sommer, vor allem in der Bucht 
von Biafra. Diese Tatsache hat zuerst Buchanan durch Vergleichung der 
Beobachtungen der. Challenger- und Buccaneer-Expeditionen festgestellt. 
Ich habe schon erwähnt, daß die Schicht hoher Temperatur und niederer 
Dichte im Guineastrom gering ist. Das gilt für den ganzen Golf. Die besagte 
Schicht ist nur knapp. 50 m tief, von da an nimmt die Temperatur bis 100 m 
hin ‚außerordentlich rasch, erst weiterhin wieder langsamer ab.‘ In allen Teilen 
des Guineastroms ist, zu allen Jahreszeiten in einer Tiefe. von 100 m die 
Wassertemperatur um 10 bis 12° niedriger als an der Oberfläche gefunden 
worden... Ähnlich: ist es im Benguelastrom. Das Wesentliche dabei ist, daß 
die schnellste Abnahme der Temperatur mit der Tiefe viel höher liegt .als in 
den Passattriften. Worin liegt die Ursache dieser Erscheinung? Diese Frage 
beantwortet Herr Dr. Schott im „Valdivia“-Werk, Bd. I, in eingehendster 
Weise.!). Die Verdunstung bewirkt Erhöhung der Dichte. Das schwerer ge- 
wordene Wasser sinkt unter und trägt die Wärme in die Tiefe. So haben‘ wir 
als Folge der Verdunstung eiuen abwärts, gerichteten Wärmestrom. Gerade 
umgekehrt wirkt ein Oberflächenstrom. Dieser saugt das Wasser in die Höhe, 
umsomehr, je stärker er ist; er bewirkt also für sich. einen aufwärts gerichteten 
Kältestrom. Findet daher wie im Golf infolge der schwachen Winde eine geringe 
Verdunstung statt, so muß vor allem im Gebiet der Oberflächenströmungen die 
Stelle schnellster Temperaturabnahme mit der Tiefe ziemlich hoch liegen. 
Treibeis in südlichen Breiten. 
Seit der letzten Veröffentlichung in den „Annalen der Hydrographie etc.“, 
Jahrgang 1900, S. 125, sind bis Anfang Februar 1904 die unten gegebenen 
Berichte über Vorkommen von Treibeis auf den Schiffswegen in südlichen 
Breiten: durch Journale. der Seewarte und durch Zeitungen bekannt geworden; 
sie sind, wie früher, nach den Meeresteilen, wo das Treibeis gesehen wurde, 
sowie nach der Zeit seines Auftretens geordnet, soweit sich solche Ordnung 
machen ließ, ohne die Berichte einzelner Schiffe, die auf‘ derselben Reise kurz 
hintereinander Eis gesehen haben, auseinander zu reißen. 
Von Kap Horn und vom südwestlichen Teile des Atlantischen Ozeans 
ist zwischen. dem 7.. September 1899 und Anfang Mai 1902 kein Eis gemeldet 
worden. Auch die Meldung vom Mai 1902 blerbt. vereinzelt, bis gegen Ende 
August desselben Jahres große Eistriften bei Kap Horn erscheinen, und nun 
bis Oktober 1903 in fast ununterbrochener Reihe Meldungen gemacht werden. Im 
Jahre 1902 ist das Eis vorwiegend bei Kap Horn gesehen worden, und die Meldungen 
kommen zunächst von westwärts wie von ostwärts bestimmten Schiffen. Später 
überwiegen die Meldungen von ostwärts bestimmten Schiffen, und zuletzt kommen 
sie nur noch aus der Gegend im Osten und Nordosten der Falklands-Inseln. 
Vom Indischen Ozean ist zwischen Januar 1899 und Februar 1903 kein.Eis ge- 
meldet worden. Auch hier wurde es dann zunächst in der westlicheren, später in 
der östlicheren Lage gesehen, was beachtenswert ist, obgleich sich aus den wenigen 
Meldungen nicht sicher schließen läßt, daß es sich um dieselbe Eistrift handelt. 
Aus den wenigen Meldungen vom Stillen Ozean läßt sich ein östliches Ver- 
treiben von Eismassen noch weniger erkennen. Auffallend ist aber auch hier, daß 
vom April 1899 bis April 1902 kein Eis gesehen worden ist, und somit alle gewöhn- 
lichen Schiffswege im Süden während der drei Jahre, in denen die Vorbereitungen 
zu den antarktischen Expeditionen getroffen wurden und deren Ausreisen stattfanden, 
eisfrei gewesen zu sein scheinen, daß aber gerade, während sich diese Expeditionen 
im Süden befanden, große Treibeismassen in niedrigeren Breiten erschienen. 
1) Siehe Kap. II B. besonders & 36 und die diesbezügl. Karten.
	        
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