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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

220 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1904, 
wassers im ganzen Golf eine hohe, an den Küsten sowohl wie im Innern; im 
südlichen Teile des Golfes beträgt sie etwa 25° C. und wächst nach Norden 
zu bis über 28° C, Diese Tatsache ist schon in der bereits früher erwähnten 
wichtigen Abhandlung von Buchanan angegeben. Die Buccaneer-Expedition 
verlief von Conakry längs der Küste an Kap Palmas vorbei nach Appi, von 
dort quer durch den Golf nach Kap Lopez, und dann an der Küste entlang 
nach St, Paul de Loanda und von hier zurück bis zur Kongo-Mündung; hierauf 
ying die Fahrt auf ungefähr 6° S-Br. entlang nach Ascension, und schließlich 
von hier wieder nach Conakry zurück. Auf der ganzen Reise, die in den 
Monaten Januar, Februar, März erfolgte, war die tiefste beobachtete Temperatur 
26,6° C. auf 6° S-Br. 8° W-Lg., selten lag sie unter 28°, Daß die Expedition 
auch an der Loango-Küste so hohe Temperaturen fand, beweist, daß sie nie in 
len Bereich der Benguelaströmung gekommen ist. 
Im November zeigt die Schottsche Karte schon geringere Temperaturen, 
besonders für den südlichen Teil des Golfes. Ein gänzlich anderes Bild bietet 
zich aber für den August dar, Dann hat nur ein kleiner Teil des Golfes (im 
Nordosten) eine 25° übersteigende Temperatur; im Süden des Golfes ist sie 
noch tiefer als im November, aber, und das ist das Merkwürdigste, auch längs 
der Küste von Oberguinea von Kap Palmas bis zur Niger-Mündung unter 23° 
gesunken. Hieraus ergibt sich für alle Teile des Golfes ein verhältnismäßig 
großer Unterschied in den Jahreszeiten. Die Differenz der extremen Monats- 
temperaturen beträgt überall 3 bis 5° C. Sie ist besonders groß, etwa 5° C., 
im südlichen Teile des Golfes und an der Küste von Oberguinea. Kine gute 
Übersicht über die Schwankungen der Temperatur im weniger veränderlichen 
Gebiete geben die von den deutschen Kriegsschiffen auf der Reede von Kamerun 
gemachten Beobachtungen („Ann. d. Hydr. etc.“ 1896, S. 85). Als Mittel ergeben 
sich für die einzelnen Monate ; 
Jan. Febr. März April Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt. Nov. Dez. 
28,5 29,0 29,2 29,6 29,0 27,7 25,8 25,2 25,9 26,0 26,7 28,1 
so daß der Unterschied in den extremen Monaten 4,4° C, beträgt. 
Dieser Gegensatz erklärt sich einmal daraus, daß der Guineastrom in 
den Sommermonaten aus schon erwähnten Gründen (nämlich infolge der durch 
die SW-Monsune verstärkten Verdunstung und der vermehrten Niederschläge) 
kältere Wassermassen in den Golf sendet und daß dieselben Gründe den Gegen- 
satz im Golf verschärfen, und ferner aus der höheren nördlichen Lage und der 
stärkeren Ausbildung des Benguelastroms; es kommt aber noch eine andere, 
bisher nicht besprochene Ursache hinzu, das Auftriebwasser. Dieses Phänomen, 
dem in neuerer Zeit besonderes Interesse zugewendet wird und das Herr 
Dr. Schott im „Valdivia“-Werk eingehend behandelt, wird sich vornehmlich 
dort entwickeln, wo Wind und Strömung ablandig oder wenigstens parallel zar 
Küste sind. Daher finden wir, besonders im Juni und August, wenn Guinea- 
und Benguelastrom am stärksten und die Westwinde an der Küste von Ober- 
guinea am besten entwickelt sind, an der Zahn- und Goldküste und ebenso an 
der südwestafrikanischen Küste (im August von Kapstadt bis zum Kongo hin- 
auf) kaltes Küstenwasser. An der Küste von Oberguinea kommen häufig 
Temperaturen des Oberflächenwassers von unter 20° vor, noch tiefere natürlich 
an der südwestafrikanischen Küste. Vor Angra Pequena ist, wie Herr Schott 
im „Valdivia“-Werk angibt, im August 1896 sogar die Temperatur 10° gemessen 
worden. Ich selber habe Anfang August vor Swakopmund, das 4° nördlicher als 
Angra Pequena liegt, bloß 12° gefunden. Von den Küsten aus wächst die Tem- 
peratur nach See zu schnell, in 60 Sm Abstand meistens schon um 3° C. Immerhin 
ist es außer allem Zweifel, daß das aufsteigende Küstenwasser die Oberflächen- 
temperatur der Strömungen weithin beeinflussen wird, besonders wenn diese 
kräftig entwickelt sind, weil sie dann das kalte Wasser schnell weiterführen. 
Ich komme nun auf die Dichte und den Salzgehalt im Golf zu sprechen. 
Ich erwähne zunächst die bedeutsamen Karten, welche in neuester Zeit ent- 
atanden sind. Im „Valdivia“-Werk befinden sich zwei Karten, welche die 
Verteilung des Salzgehaltes in °/o bezw. die Dichte S (4) des Oberflächen- 
wassers im Jahresdurchschnitt für den Atlantischen und Indischen Ozean zeigen. 
Der von der Deutschen Seewarte herausgegebene Atlas des Atlan- 
tischen Ozeans in der 2. Auflage enthält eine von Prof. Krümmel ent-
	        
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