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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

AN 
-)- 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1904. 
Zu weiterer Untersuchung sind noch solche Reisen wichtig, welche den 
Golf in nordsüdlicher Richtung durchquerten, weil sie Aufschluß über die Breite 
des Guineastromes und die Grenze zwischen diesem und dem südlichen Aquatorial- 
strom geben. Der „Sperber“ fuhr im September 1895 von St. Thome nach Lagos 
(„Ann. d. Hydr. etc.“ 1896, S. 386). Während seiner Reise hatte er täglich östliche 
Versetzung, deren Stärke anfangs zunahm, dann aber wieder nachließ. Schon 
nach der ersten Tagesreise ergab sich im Mittag des 25. September eine Besteck- 
versetzung von 19 Sm in N 55°0. Der starke östliche Strom begann aber, wie 
ausdrücklich bemerkt wird, erst um 2 Uhr morgens den 25, September, so daß 
die südliche Grenze des Guineastromes etwas nördlich von St. Thome verlief. 
Die „Hertha“ fand diese Grenze („Ann. d. Hydr. etc.“ 1883, 8. 23 u. 24) im 
August 1882 auf einer Reise nach Lagos in ungefähr 3°N, 3°0. Die Temperatur 
des Wassers war schon auf 1°N von 22,7° auf 24,7° C. gestiegen, wie ja immer 
warme Strömungen schon vorher durch Steigen der Temperatur erkannt werden, 
weil ihre thermische Grenze weiter reicht als die mechanische. Von Lagos 
fuhr das Schiff nach Quitta und nahm dann SW-Kurs. Die Temperatur des 
Wassers stieg von 23° auf 24,4° C., fiel aber, als das Schiff auf 1°N, 4°W aus 
dem Bereich des Guineastromes in den Südäquatorialstrom kam, im Laufe des 
Tages auf 22,8° C. Hiernach erreichte schon westlich von St. Thome die süd- 
atlantische Passattrift nördliche Breite, in Übereinstimmung mit den vom 
London Meteorological Office in den Jahren 1874 und 1876 heraus- 
gegebenen „Charts of nine ten degree squares between 20°N and 
10°S Lat.“ Die südafrikanische Strömung geht in dieser Gegend in die Passat- 
trift über. Die Ausläufer der ersteren bezw. die Anfänge der letzteren nehmen 
den südwestlichen Teil des Golfes vollkommen ein. Hiermit übereinstimmende 
Beobachtungen machte die „Gazelle“ auf der Reise von Ascension nach der 
Kongo-Mündung im August 1874. Auch zur entgegengesetzten Jahreszeit, im 
Februar, konstatierte Buchanan auf dem „Buccaneer“ zwischen Ascension 
und der Kongo-Mündung stets nordwestliche Strömung. 
Ich darf vielleicht die im vorstehenden entwickelten Anschauungen und 
Resultate noch einmal kurz zusammenfassen. Bei Kap Palmas und weiter 
östlich bis zur Mitte des Golfes hin setzt der Guineastrom zu allen Jahreszeiten 
mit großer Kraft und Beständigkeit. In der östlichen Hälfte des Golfes aber 
ist er so verschiedenartig und unregelmäßig ausgebildet, daß man kaum von 
einem mittleren Zustande der Strömungen wird sprechen dürfen. Mitunter er- 
gießt er seine blauen Gewässer mit großer Geschwindigkeit längs der Küste 
von Öberguinea ostwärts bis zur Bucht von Biafra und entsendet bei beson- 
ders starker Ausbildung südöstliche und südliche Ausläufer die Küste von 
Niederguinea entlang, oder es werden die von ilm herangetragenen Wasser- 
massen in der Bucht von Biafra durch südwestliche Winde aufgestaut. Aber 
weder der erstere (Krümmelsche Karte) noch der letztere Zustand (Schottsche 
Karte) ist als der mittlere anzusehen, vielmehr stellt jeder von ihnen nur einen 
(besonders -im nördlichen Sommer) häufiger wiederkehrenden Typ im wechsel. 
vollen Spiele der Strömungen dar. Selbst bei kräftiger, noch mehr aber bei 
schwächerer Entwicklung des Guineastromes zeigen sich auf östlicher Länge, 
vor allem in der Nähe der Küste, westliche durch verschiedene Faktoren 
(Winde, Gezeiten, Dünung, Flußwasser) bedingte Gegenströmungen. Häufiger 
setzt der Guineastrom nördlich in die Bucht von Benin hinein. Dieselbe 
Mannigfaltigkeit der Strömungen zeigt sich an der Küste von Niederguinea, 
wo sich manchmal Ausläufer des Benguelastromes weit nach Norden (bis in die 
nördlichen Teile der Bucht von Biafra), manchmal Ausläufer des Guinea- 
stromes weit nach Süden (bis zum Kongo) erstrecken. Im südwestlichen Teile des 
Golfes setzt dagegen die Benguelaströmung bezw. die südatlantische Äquatorial- 
strömung mit großer Beständigkeit in west- bis nordwestlicher Richtung. 
Zum Schluß dieses Abschnittes sei es mir gestattet, die Erfahrungen, die 
ich selbst an Bord des Woermann-Dampfers „Melita Bohlen“ im August 
1898 im Golf von Guinea über Meeresströmungen gemacht habe, mitzuteilen. 
Von Swakopmund, das wir am 4. August um 12!/2* verließen, gelangten 
wir nach einer 7tägigen Reise nach Lagos. Die Witterung war gewöhnlich 
trübe, der Himmel meist vollständig bedeckt, der Wind wehte aus W bis SW 
in der Stärke 0 bis 3, nur am 8. August vorübergehend aus NW, die See, 
meist Dünung, setzte aus SW in der Stärke 0 bis 2. Die Stromversetzungen waren:
	        
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