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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Wendt, E.: Meeresströmungen im Golf von Guinea, 
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Jich mit 9 Sm im Etmal, nach Passieren der Nigermündung aber bis nach Lagos hin 
N 75°0 21 Sm, dann wieder bis Kotann W 12 Sm, und von da bis Lome war 
kein Strom bemerkbar. Als acht Tage darauf das Kriegsschiff Lome verließ, 
hatte es zunächst östliche Versetzung von 0,5 Kn Fahrt und, als der Wind, 
der bisher, auch auf der Ausreise, in der Stärke 2 bis 3 aus W oder SW ge- 
weht hatte; nachließ, setzte der Strom wieder. westlich. Erst nach Passieren des 
Nigerdeltas erlitt das Schiff bei schwachem WSW-Winde östliche Versetzung ‚von 
0,5 Kn., also gerade entgegengesetzt wie auf der Ausreise. Die „Sophie“, welche 
sich Ende Januar und Anfang Februar 1884 („Ann. d. Hydr. etc.“ 1884, 8. 198) 
an der Küste von Oberguinea aufhielt, hatte fast beständig starke östliche Ver- 
setzung, auf der Reede von Little-Popo aber meist S70°W 1,0 bis 1,2Kn., manchmal 
auch keinen Strom, in Lagos mitunter S 71°W 0,3 bis 0,8 Kn., mitunter gerade 
entgegengesetzt 0,7 bis 1,5 Kn. Die „Möwe“ hatte am 4. Juli 1883 („Annu. d. 
Hydr. etc.“ 1884, S. 489) bei Bagida Weststrom von 0,4 Kn. Fahrt. 
Die Vermutung, daß jene Gegenströmungen in Abhängigkeit von der 
größeren. oder geringeren Ausbildung des Guineastromes stehen, liegt sehr nahe. 
Wenn sie aber auch zur Zeit der. geringeren Ausbildung, also im Januar und 
Februar, häufiger zu sein scheinen, so kommen sie doch zu allen Jahreszeiten 
vor, sind den einen Tag vorhanden und werden kurze Zeit darauf von dem 
östlich setzenden Guineastrom abgelöst. Von Einfluß werden die Winde sein, 
aber sicher: nicht von unbedingtem. Auf der vorhin erwähnten Reise der 
„Hyäne“ von Lome nach Kamerun.scheint es ja so, als ob der Wind die 
Ursache des Wechsels der Strömungen gewesen wäre, aber auf‘ der voran- 
gegängenen Reise von Kamerun nach Lome ging der Strom trotz der bestehenden 
westlichen Winde aus östlicher in westliche Richtung über. Dem „Har- 
mattan“ ist unter. anderem Einfluß auf die Strömungen zugeschrieben worden. 
Im „African Pilot“ wird angegeben, daß auf der Reede von Little Popo 
außer .zur Harmattan-Zeit stets östlicher Strom vorhanden sei. Die hier an- 
geführten Beispiele widerlegen diese Behauptung. Jedenfalls muß den Gezeiten 
ein Einfluß zugeschrieben werden, in welchem Maße, bleibt allerdings. dahin- 
gestellt. Kapt. Nielsen („Ann. d. Hydr. etc.“ 1882, S. 263) beobachtete im Juni, 
daß bei jedem Mondwechsel auf der Reede von Little Popo starke Strömung 
nach W lief, während sonst ein schwächerer östlicher Sirom setzte. Ferner 
müssen die‘ durch die Flüsse verursachten Stromkabbelungen Veränderungen 
hervorrufen. Auch die stets vorhandene südwestliche Dünung, durch welche 
die Calema erzeugt wird, wird die Strömungen beeinflussen. Daß das leichte 
Flußwasser durch die Erdrotation nach rechts, also nach W, geführt werde, ist 
ebenfalls nicht von der Hand zu weisen. Wahrscheinlich wirken alle angeführten 
Faktoren beim Wechsel der Küstenströmungen mit, die in erster Linie eine Folge 
des Guineastromes sind, der manchmal, am häufigsten von Juni bis September, 
das gesamte Wasser mit sich führt, manchmal aber, am häufigsten im Januar und 
Februar, das Zustandekommen von Gegenströmungen gestattet, resp. veranlaßt. 
In die Bucht von Benin hinein setzt die Guineaströmung häufig in N. Der 
Buccaneer fand z. B. längs der Küste von Kap Palmas bis Accra Stets. öst- 
lichen Strom, welcher sich mindestens in einer Entfernung von 50 Meilen von 
der Küste in Breite ausdehnte, aber zwischen Accra und St. Thome nordwest- 
lichen Strom. Die „Möwe“ fand Juli 1883 („Ann. d. Hydr. etc.“ 1884, S. 489) 
westlich von der Niger-Mündung den Strom nördlich in die Bucht hinein setzend. 
Dieselben Beobachtungen machten Karcher und Bendemann („Ann. d. 
Hydr, etc.“ 1885, S. 495 ff.). Aber die bereits früher angeführten Beispiele 
lehren, daß dieser Strom.nicht immer vorhanden ist. ; 
Was die Mannigfaltigkeit der Strömungen anbetrifft, so ist das folgende 
Beispiel sehr instruktiv. Der „Habicht“ fand Juni 1891 („Ann. d. Hydr. etc.“ 
1892, S. 356) in der Bucht von Biafra westlich bis nach 7°O-Lg. hin .den Strom 
N.33°W.1 Kn., zwischen 7° und 5° O-Lg. N 4°W 1 Kn., in der Bucht von Benin 
zwischen 5° N und der Küste NNO etwa 1 Kn. Erst an der Küste von Togo 
zeigte sich östlicher Strom mit 0,5 bis 0,6 Kn. Fahrt. Auf der Rückreise von 
Togo nach. Kamerun setzte beständig Oststrom mit 0,5 Kn., obgleich dieselbe 
fast auf dem gleichen Wege und in dem gleichen Monate wie die Hinreise erfolgte. 
. Die angeführten Zahlen lehren, daß in den Buchten. von Benin und 
Biafra im nördlichen Teile mehr östliche. und westliche Strömungen, im süd- 
lichen‘ Teile mehr südliche und. nördliche Strömungen abwechseln:
	        
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