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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1904
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zuhielt, fand bis Kap Lopez hin südlichen Strom, welcher die Stärke 26 Sm
im Etmal besaß; dann traten sehr wechselnde schwache Strömungen ein. Der
„Falke“ („Ann.d. Hydr.etc.“ 1893, S.192) erlitt Mitte Januar 1893 auf seiner Fahrt
von Kamerun nach Kapstadt bis zum Aquator hin südsüdwestliche Versetzung von
15 Sm Stärke im Etmal.
Eine sehr interessante, wenn auch nicht einwandfreie Beobachtung zur
Feststellung der mittleren Grenze der Strömungen an der Loango-Küste hat
Pechuel-Loesche gemacht (Loango-Expedition, 3. Abt., 1. Hälfte), An der
Küste von Südwest-Afrika, ungefähr ebensoviel nördlich wie südlich von der
Kongomündung, wächst eine Fächerpalme, die sogenannte Ntefa. Auf den
ersten Blick scheint sie ans Meer gebunden zu sein, bloß den Kongo hinauf
Gndet man sie weiter im Innern, und als ein Beweis ihres Vorkommens in ostwärts
gelegenen Gebieten ist die Tatsache anzuführen, daß die aus dem Hinterlande
nach Boma geschafften Erdnüsse ausnahmslos in die bekannten aus ihren Fächer-
blättern hergestellten Mattensäcke verpackt sind. Demnach kann man annehmen,
daß die Ntefa vom Kongo aus dem Innern gebracht ist und von den Küsten-
strömungen nord- und südwärts befördert wurde. Nördlich von der Kongo-
Mündung ist sie bis zur Knilu-Mündung gleich häufig, erst von da ab wird sie
zeltener, nördlich vom Kap Matuti, wohin wahrscheinlich die drei dort wachsenden
Palmen von Menschen gebracht sind, tritt sie nicht mehr auf. So wird die
Ntefa zum Merkmal der an der Loango-Küste vorherrschenden Strömungen.
Verfolgen wir nun den Guineastrom auf seinem Laufe von W nach O
iunerhalb des Golfes. Es wurde schon erwähnt, daß diese Strömung ungefähr
auf der Länge von Kap Palmas und weiter östlich infolge der Einengung durch
die zuerst südöstlich verlaufende Küste ihre größte Stärke zu erreichen pflegt,
vor allem von Juni bis September. In diesen Monaten sind verschiedene Fak-
foren tätig, um ganz erhebliche Stromstärken zu erzielen. Erstens ist, wie
zleich anfangs erwähnt wurde, die südliche Passattrift dann am stärksten ent-
wickelt urd bewirkt eine schnellere Zuführung der ersetzenden Wassermassen.
Ferner herrschen im Nordsommer an der Sierra Leone-Küste die SW-Monsune,
und auch an der Küste von Oberguinea wehen westliche und südwestliche
Winde ziemlich beständig. Drittens kommt zur Erlangung der großen Strom-
stärke östlich von Kap Palmas noch hinzu, daß bei der höheren nördlichen
Lage der Strömung die seitliche Einengung durch das Festland um so in-
tensiver wirkt.
Kapitän Hotes fand z. B. („Ann.d. Hydr. etc.“ 1883, S.554) die durchschnitt-
liche Versetzung daselbst 30 Sm im Etmal, als Maximum N 87° 0 85 Sm in 48 Std.
vom 15. bis 17. Juni 1881 zwischen 5° 6‘ N, 9° 47'W und 3°50' N, 5° 12‘ W.
Die „Hyäne“ („Ann. d. Hydr. etc.“ 1889, S. 172) fand im Dezember 1888 bei Kap
Palmas als Maximum einen Oststrom von 2 Kn. Fahrt, der „Falke“ („Ann. d.
Hydr. ete.“ 1893, S. 340) beim Passieren des Kaps im Juni 1892 einen solchen von
3ogar 3 Kn. Fahrt. Während der ganzen Reise von Freetown nach Kamerun hatte
die „Hyäne“ starke östliche Versetzungen von mindestens 12 Sm, gewöhnlich
aber von über 24 Sm Stromstärke im Etmal; nordöstlich von Fernando Po bog
die Strömung nach S um. Ebenso regelmäßig war der Guineastrom während
der ganzen Fahrt des „Falke“ von Kamerun bis Freetown ausgebildet, des-
gleichen auf der Reise des „Sperber“ („Ann. d. Hydr. etc.“ 1894, S. 466)
Ende August von Kamerun nach Togo.
Ein so regelmäßiges Verhalten der Guineaströmung bis zur Bucht von
Biafra, wie in den eben angegebenen Beispielen, gehört aber zu den Seltenheiten.
Es kommt vor, besonders im Nordwinter, daß der östliche Strom schon auf der
Länge von Accra sein Ende findet, wie auf der von Buchanan geleiteten
Buccaneer- Expedition im Januar 1886. Und häußg sind die östlich von
Accra beobachteten Versetzungen so schwach, daß eine wissenschaftliche Ver-
wertung derselben ausgeschlossen ist. Allgemein kann man sagen, daß die
Angaben eine große Verschiedenheit aufweisen. Ich will wieder die Haupt-
typen herausheben. .
In der Nähe der Küste zeigen sich häufig Gegenströme nach W; vor-
nehmlich die Sklavenküste ist durch solche Strömungen charakterisiert. Im
Januar 1893 („Ann.d,Hydr. etc.“ 1893, S.238 ff) machte die „ Hyäne“ auf der Reise
von Kamerun nach Lome folgende Beobachtungen: Am ersten Tage der Reise konnte
keine Stromversetzung konstatiert werden, am zweiten Tage setzte der Strom west-