Wendt, E.: Meeresströmungen im Golf von Guinea.
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tungsmaterial verdankt und daß dieses auch beim Entwurf seiner Stromkarte
von gewichtigem Einfluß gewesen sein muß. ;
Ich will nun zunächst an einigen Beispielen den wechselnden Erfolg
zeigen, mit welchem Guinea- und Bengueiaströmung beim Zusammentreffen mit-
einander ringen.
Die „Hyäne“ („Ann. d. Hydr. ete.“ 1890, S. 206.) maß auf ihrer Fahrt von
Loanda nach Kamerun vom 29. August bis 13. September 1889: folgende Strom-
versetzungen: Zwischen Loanda und Ambriz 0,5 Kn. nach Land zu, zwischen
Ambrizette und Padron Point N 75° W 0,8 Kn., . zwischen Banana und Gabun
zunächst W 6,7 Kn. zur Ebbezeit,') dann verschiedene Stromkabbelungen, auf
etwa 0° N, 9° O Strom N 13°W 0,9 Kn., danach kein deutlicher Strom mehr
wahrnehmbar. Abgesehen von den Stromkabbelungen, setzte also der Strom
(ungefähr in Übereinstimmung mit der Schottschen Karte) erst westlich, dann
mehr nördlich. Weiter nordwärts erfuhr das Schiff (im Gegensatz: zur
Schottschen und in noch schärferem Gegensatz zur Krümmelschen Karte)
zwischen Kap Santa Clara und der Corisco - Insel eine ziemlich starke Ver-
setzung in N27°0 mit 1,1 Kn. Fahrt und in derselben Richtung mit 0,2 Kn.
zwischen der Corisco-Insel und der Kamerun-Mündung. In diesem Falle ent-
sandte also .die südwestafrikanische Strömung einen ziemlich starken nordöst-
lichen Arm in die Bucht von Biafra hinein. -_ Beweis für seine Herkunft gab der
Umstand, daß während seines Bestehens die Temperatur des Wassers sank und
die blaue Farbe in eine grüne verwandelt wurde. KEine solche Strömung, die
von südwestlichen Winden hervorgerufen oder unterstützt werden mag, ist in
den Schiffsbeobachtungen ziemlich häufig verzeichnet worden. Aber sie ist
nicht immer als ein Arm der südafrikanischen Strömung anzusehen. So z. B.
hatte der englische Dampfer „Buccaneer“ zwischen St. Thome und Cap Lopez
nordöstlichen Strom, aber die vorher beobachtete blaue Farbe und höhe Temperatur
des Wassers blieb bestehen. Die „Hyäne“ hat den Weg zwischen Kamerun
und Loanda in den folgenden Jahren wiederholt zurückgelegt. Eine zuerst
westlich, dann nördlich stattfindende Versetzung erlitt sie auch im Jahre 1891
(„Ann.d. Hydr, etc.“ 1892, S.214), wo sie dieselbe Fahrt ebenfalls im August machte.
Auf der Fahrt der „Hyäne“ im Januar 1892 („Ann. d. Hydr. etc.“ 1892) von
Kamerun nach Walfischbay und im März auf dem Rückwege setzte der Strom
ebenfalls stets nördlich, ein Beweis dafür,.daß die Möglichkeit des Bestehens
jenes in die Bucht von Biafra hineinsetzenden Stromes nicht unbedingt von den
Jahreszeiten abhängig ist. Gleiche Beobachtungen machte die „Hyäne“ im
August 1893 auf der Reise von Banana nach Kamerun. Und übereinstimmend
hiermit meldet der „Falke“ („Ann. d. Hydr. etc.“ 1893, S. 437) im August 1892
zwischen Campe Bucht und Gabun und ebenso auf der Strecke von Gabun nach
St. Thome einen Strom, welcher N mit %4 Kn. setzte. |
Stehen die eben beschriebenen Strömungsverhältnisse im Gegensatz zu der
Krümmelschen Karte, so ist aber anderseits der auf letzterer dargestellte
Strömungszustand ebenfalls sehr häufig und kommt zu allen Jahreszeiten vor.
Einige Beispiele dafür. Auf der Fahrt, welche die „Hyäne“ („Ann. d. Hydr. etc.“
1889, S. 392) im Juni 1889 von Kamerun nach St. Paul de Loanda unternahin,
setzte der Strom nur vom 4. bis 5. Juni nördlich, sonst stets südlich. Bemerkbar
machte sich auf etwa 1!/2°S, 8°O die Richtungsänderung zunächst durch eine starke
von O nach W gerichtete Stromkabbelung, wobei die Oberflächentemperatur
schnell von 26,4° auf 242° C. abnahm. Im Mai 1893 („Ann, d. Hydr. ete.“
1893, S. 338) fand die „Hyäne“ zwischen Kamerun und Kap Lopez trotz
starker SSW-Dünung südöstlichen Strom, welcher zuerst die Stärke 12 Sm im
Etmal besaß und dann, schwächer werdend, in S15°0 mit der Stärke 7,5 Sm
setzte. Weiter südlich trat dann nördlicher Strom ein, welcher sich zunächst
nur schwach bemerkbar machte, dann aber mit außergewöhnlicher Stärke setzte
(N21°W 42 Sm, dann sogar N 29°W 49 Sm, bis Loanda hin N40°W 26 Sm
im Etmal), Auch Beispiele. aus dem Monat Januar sollen angeführt werden,
Der „Sperber“ („Ann. d. Hydr. etc.“ 1895, S. 202), welcher im Januar 1894 Kap
Lopez von Kamerun aus in 45 Sm Abstand freilief und dann auf Kap Lagosta
1) Betreffs der Strömungen :an der Kongo-Mündung siehe „Ann. dx Hydr. ete.“ 1902, S 360.
Beoab; auf S. M. S. „Wolf“.