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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Wendt, E.: Meeresströmungen im Golf von Guinea. 
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tungsmaterial verdankt und daß dieses auch beim Entwurf seiner Stromkarte 
von gewichtigem Einfluß gewesen sein muß. ; 
Ich will nun zunächst an einigen Beispielen den wechselnden Erfolg 
zeigen, mit welchem Guinea- und Bengueiaströmung beim Zusammentreffen mit- 
einander ringen. 
Die „Hyäne“ („Ann. d. Hydr. ete.“ 1890, S. 206.) maß auf ihrer Fahrt von 
Loanda nach Kamerun vom 29. August bis 13. September 1889: folgende Strom- 
versetzungen: Zwischen Loanda und Ambriz 0,5 Kn. nach Land zu, zwischen 
Ambrizette und Padron Point N 75° W 0,8 Kn., . zwischen Banana und Gabun 
zunächst W 6,7 Kn. zur Ebbezeit,') dann verschiedene Stromkabbelungen, auf 
etwa 0° N, 9° O Strom N 13°W 0,9 Kn., danach kein deutlicher Strom mehr 
wahrnehmbar. Abgesehen von den Stromkabbelungen, setzte also der Strom 
(ungefähr in Übereinstimmung mit der Schottschen Karte) erst westlich, dann 
mehr nördlich. Weiter nordwärts erfuhr das Schiff (im Gegensatz: zur 
Schottschen und in noch schärferem Gegensatz zur Krümmelschen Karte) 
zwischen Kap Santa Clara und der Corisco - Insel eine ziemlich starke Ver- 
setzung in N27°0 mit 1,1 Kn. Fahrt und in derselben Richtung mit 0,2 Kn. 
zwischen der Corisco-Insel und der Kamerun-Mündung. In diesem Falle ent- 
sandte also .die südwestafrikanische Strömung einen ziemlich starken nordöst- 
lichen Arm in die Bucht von Biafra hinein. -_ Beweis für seine Herkunft gab der 
Umstand, daß während seines Bestehens die Temperatur des Wassers sank und 
die blaue Farbe in eine grüne verwandelt wurde. KEine solche Strömung, die 
von südwestlichen Winden hervorgerufen oder unterstützt werden mag, ist in 
den Schiffsbeobachtungen ziemlich häufig verzeichnet worden. Aber sie ist 
nicht immer als ein Arm der südafrikanischen Strömung anzusehen. So z. B. 
hatte der englische Dampfer „Buccaneer“ zwischen St. Thome und Cap Lopez 
nordöstlichen Strom, aber die vorher beobachtete blaue Farbe und höhe Temperatur 
des Wassers blieb bestehen. Die „Hyäne“ hat den Weg zwischen Kamerun 
und Loanda in den folgenden Jahren wiederholt zurückgelegt. Eine zuerst 
westlich, dann nördlich stattfindende Versetzung erlitt sie auch im Jahre 1891 
(„Ann.d. Hydr, etc.“ 1892, S.214), wo sie dieselbe Fahrt ebenfalls im August machte. 
Auf der Fahrt der „Hyäne“ im Januar 1892 („Ann. d. Hydr. etc.“ 1892) von 
Kamerun nach Walfischbay und im März auf dem Rückwege setzte der Strom 
ebenfalls stets nördlich, ein Beweis dafür,.daß die Möglichkeit des Bestehens 
jenes in die Bucht von Biafra hineinsetzenden Stromes nicht unbedingt von den 
Jahreszeiten abhängig ist. Gleiche Beobachtungen machte die „Hyäne“ im 
August 1893 auf der Reise von Banana nach Kamerun. Und übereinstimmend 
hiermit meldet der „Falke“ („Ann. d. Hydr. etc.“ 1893, S. 437) im August 1892 
zwischen Campe Bucht und Gabun und ebenso auf der Strecke von Gabun nach 
St. Thome einen Strom, welcher N mit %4 Kn. setzte. | 
Stehen die eben beschriebenen Strömungsverhältnisse im Gegensatz zu der 
Krümmelschen Karte, so ist aber anderseits der auf letzterer dargestellte 
Strömungszustand ebenfalls sehr häufig und kommt zu allen Jahreszeiten vor. 
Einige Beispiele dafür. Auf der Fahrt, welche die „Hyäne“ („Ann. d. Hydr. etc.“ 
1889, S. 392) im Juni 1889 von Kamerun nach St. Paul de Loanda unternahin, 
setzte der Strom nur vom 4. bis 5. Juni nördlich, sonst stets südlich. Bemerkbar 
machte sich auf etwa 1!/2°S, 8°O die Richtungsänderung zunächst durch eine starke 
von O nach W gerichtete Stromkabbelung, wobei die Oberflächentemperatur 
schnell von 26,4° auf 242° C. abnahm. Im Mai 1893 („Ann, d. Hydr. ete.“ 
1893, S. 338) fand die „Hyäne“ zwischen Kamerun und Kap Lopez trotz 
starker SSW-Dünung südöstlichen Strom, welcher zuerst die Stärke 12 Sm im 
Etmal besaß und dann, schwächer werdend, in S15°0 mit der Stärke 7,5 Sm 
setzte. Weiter südlich trat dann nördlicher Strom ein, welcher sich zunächst 
nur schwach bemerkbar machte, dann aber mit außergewöhnlicher Stärke setzte 
(N21°W 42 Sm, dann sogar N 29°W 49 Sm, bis Loanda hin N40°W 26 Sm 
im Etmal), Auch Beispiele. aus dem Monat Januar sollen angeführt werden, 
Der „Sperber“ („Ann. d. Hydr. etc.“ 1895, S. 202), welcher im Januar 1894 Kap 
Lopez von Kamerun aus in 45 Sm Abstand freilief und dann auf Kap Lagosta 
1) Betreffs der Strömungen :an der Kongo-Mündung siehe „Ann. dx Hydr. ete.“ 1902, S 360. 
Beoab; auf S. M. S. „Wolf“.
	        
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