214 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1904,
welches die vertikale Temperaturverteilung im Atlantischen Ozean längs 1 bis
2° N-Br. zur Darstellung bringt, in den Tiefen von 200 bis 1000 m ganz deutlich,
in den höheren Wasserschichten macht sich aber eher eine Steigung bemerkbar.
Dazu sagt Herr Schott wörtlich: „Die Guineaströmung als solche gibt, da sie
in der Kameruner Bucht sozusagen in eine Sackgasse rennt, aus der sie bei
den vorwiegend südlichen Winden zwischen Kongo und Kamerun südwärts nicht
entweichen kann, Veranlassung zu einem Anstau von Warmwasser mit der
Tendenz vertikal abwärts gerichteter Bewegungen; es kommt die anstauende
Wirkung des so ziemlich während des ganzen Jahres wehenden SW-Monsuns
hinzu, um das Wasser in der Bucht festzuhalten. Daher wird man sich den
Vorgang so denken müssen, daß die Gesamtheit der Wassermasse von oben bis
etwa 1000 m Tiefe an sich die Neigung hat, abwärts zu sinken, daß jedoch
innerhalb dieses sich senkenden Profiles, zumal in der obersten Schicht, Auf-
triebserscheinungen gelegentlich vorkommen, ungefähr so, wie auch iu dem
absteigenden Luftstrom eines Luftdruckmazimums Störungen mit Depressions-
erscheinungen beobachtet werden.“
| Um diese Beweismethode richtig beurteilen zu können, muß man sich die
Entstehungsweise des Profils V vergegenwärtigen. Auf demselben sind alle
jemals beobachteten Tiefseetemperaturen ohne Rücksicht auf Monat und Jahr
vereinigt. Ein so gewonnenes Profil wird, wie man nach den diesbezüglichen
Schottschen Auseinandersetzungen im „Valdivia“-Werk zuversichtlich an-
nehmen kann, für das offne Meer ein richtiges Bild schaffen; ob es aber auch
dazu benutzt werden‘ darf, den Nachweis für gewisse an der Küste sich ab-
spielende Vorgänge zu erbringen, erscheint doch sehr zweifelhaft. Es dürfte
nur dann beweiskräftig sein, wenn in der Nähe der Küste seinem Entwurfe nur
solche Beobachtungsreihen von Tiefseetemperaturen zugrunde gelegt sind, die
ungefähr zur selben Zeit oder doch zu solchen Zeiten, wo die Strömungs-
verhältnisse die gleichen waren, genommen sind; die daraus gezogenen Schlüsse
werden dann aber auch nur für diese Zeiten gültig sein. Sieht man die not-
wendigen Vorbedingungen für das Schottsche Profil V als erfüllt an, so darf
man wohl den Satz aussprechen: Immer dann, wenn das Wasser durch die
Winde gezwungen wird, an der Küste von Ober-Cuinea östlich zu fließen, und
in der Bucht‘ von Biafra aufgestaut wird, findet es zum Teil durch vertikales
Abfließen an der Stauküste seinen Ausweg, Ein solcher Zustand hat während
des Aufenthalts der „Valdivia“-Expedition in der Bucht von Biafra bestanden.
Wenn ihn aber Herr Schott als den mittleren Zustand hinstellt, so überschätzt
er, wie aus seinen vorhin wiedergegebenen Worten hervorgeht, die Einwirkung
der im nördlichen Teile des Golfes wehenden westlichen und südwestlichen
Winde, die z. B. nach dem von der Deutschen Seewarte herausgegebenen
„Segelhandbuch des Atlantischen Ozeans“ im Nordwinter nur schwach
entwickelt sind und häufig durch Stillen und von Land kommende Winde ab-
gelöst werden, im Nordsommer allerdings mit größerer Beständigkeit herrschen,
aber doch für gewöhnlich die Stärke 2 bis 3 nicht übersteigen. Vermutlich
tritt jener Zustand üerhaupt nur im Juni bis August häufiger und andauernder
ein, wenigstens nach den in dieser Zeitschrift veröffentlichten Beobachtungen.
Reicht aber die Kraft des Windes nicht aus, die Fluten des Guineastromes bis
zur Küste zu tragen, so ist eine natürliche Folge des Kompensationsbedürfnisses
die, daß das Wasser des Guineastromes südlich und südwestlich in die Ausläufer
des Benguelastromes bezw. in die Anfänge der südatlantischen Passattrift zurück-
fließen, gerade so, wie es Herr Krümmel auf seiner Karte darstellt. Dieses
Zurückfließen scheint sich aber auf sehr verschiedenen Längengraden zu voll-
ziehen. Überhaupt sind die Strömungsverhältnisse im östlichen und nordöst-
lichen Teile des Golfes so überaus wechselreich, daß man vielleicht gar nicht
von einem mittleren Zustande sprechen kann. Es lassen sich aber, wie ich im
folgenden zu zeigen versuchen will, einige häufiger vorkommende Fälle kon-
statieren. Wenn ich mich dabei hauptsächlich auf das in dieser Zeitschrift
niedergelegte Beobachtungsmaterial beschränken muß, so bitte ich, bei Beur-
teilung meiner Ausführungen zu bedenken, daß Herr Schott die Güte seiner
später zu besprechenden neuen Karten über die Verteilung des Salzgehalts und
der Temperatur an der Oberfläche des Meereswassers bezüglich der west-
afrikanischen Küste nach seiner ausdrücklichen Bemerkung diesem Beobach-