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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1904.
ist darauf hinzuweisen, daß die Guineaströmung fast ganz im Gebiete der
Mallungen liegt, daß aber in den. angeführten Monaten die SW-Monsune der
Sierra-Leone-Küste herrschen. Beim Wehen der letzteren wird eine stärkere
Verdunstung und ein damit verbundenes Fallen der Temperatur verursacht; des-
zleichen wirken die starken Regenfälle herabsetzend auf die Temperatur ein.
Diese Stillen bilden auch die Ursache, derentwegen die Dichtigkeit des Guinea-
stromes an der Oberfläche außerordentlich gering ist gegenüber den nördlich
und südlich anstoßenden Wassermassen, die infolge des Wehens der trockenen
Passate: starke Verdunstung erleiden. Auch die im Gebiete der Mallungen
stattüindenden starken Regengüsse tragen viel zur Verdünnung der oberflächlichen
Schichten bei, wie man daraus ersieht, daß die Schicht von geringer Dichte nur
dünn ist. In den Monaten aber, wo die Monsune wehen, tritt stärkere Ver-
dunstung und damit größere Dichte des Wassers ein. Herr Dr. Schott spricht
dem Regenwasser nur geringen Einfluß auf die Temperatur und Dichtigkeit des
Oberflächenwassers zu, mit der Begründung, daß Winde und See sofort eine
Vermischung des Wassers herbeiführten. Für ihn ist die Verdunstung allein
der ausschlaggebende Faktor. Daß dabei die Schicht hoher Temperatur und
geringer Dichte nur dünn ist, liege allein daran, daß das stark erwärmte
spezifisch leichte Wasser nicht untersinke und infolgedessen seine hohe Temperatur
nicht an die unteren Schichten abgebe.
[L.
Nachdem so das Wichtigste zum Verständnis der im Golf von Guinea
herrschenden Strömungen gesagt ist, gehe ich auf deren Beschreibung selbst
ein. Die Guineaströmung entsendet zu jeder Jahreszeit einen östlichen Arın :in
den Golf hinein,!) der infolge der seitlichen Einengung durch das Festland seine Ge-
schwindigkeit vermehrt; die südafrikanische setzt in nördlicher bis nordwestlicher
Richtung in den Golf hinein. Im Innern der Bucht treffen sich beide Strömungen,
and manchmal gewinnt die eine, manchmal die andere die Oberhand. Unter-
seheiden kann man beide außer an der Richtung, auch an der Temperatur, Farbe
und Durchsichtigkeit ihres Wassers. Die Guineaströmung ist eine warme, die
Benguelaströmung eine von Süd kommende, mithin kalte Strömung; die erstere
zeichnet sich durch dunkelblaue Farbe und Klarheit aus, die letztere hat grau-
grüne Färbung und geringere Durchsichtigkeit.
Auf einigen Karten findet man den Benguelastrom als längs der Küste
hin bis zum Aquator setzend gezeichnet, auf anderen Karten wieder, z. B. in
dem von der Deutschen Seewarte herausgegebenen „Atlas des Atlantischen
Dzeans“ in der ersten Auflage, setzt ein Ausläufer des Guineastromes weit die
Küste entlang nach Süden. Beide Darstellungen sind falsch. Nach Pechuel-
Loesche, der diese Verhältnisse auf seiner Loango - Expedition eingehend
studiert hat, reicht die Landnähe des Benguelastromes im allgemeinen nur bis
zum Kuilu (4'4° S-Br.) und zeitweise selbst nicht einmal bis hier hin, von da
ab wendet er sich immer mehr vom Lande weg in nordwestlicher Richtung,
seiner Aufgabe als Kompensationsstrom Folge leistend und beeinflußt durch
die Erdrotation. Häufig wird er durch eine südliche Strömung von tiefblauer
Farbe und höherer Temperatur von der Küste abgedrängt, offenbar eine Fort-
setzung des Guineastromes, welche für gewöhnlich etwa bis Kap Matuti
{31/2° S-Br.), häufig bis zum Kuilu und mitunter sogar über die Mündung des
Kongo hinausreicht. Wenn dieser Strom setzt, steigt die Temperatur des
Wassers; die Farbe, die vorher graugrün war, wird dunkelblau; die Gegen-
stände, die sonst mit der Strömung nach Norden trieben, nehmen nun ihren
Weg nach Süden, die mündenden Flüsse, deren Gewässer bei der sonst
herrschenden Strömung sich hauptsächlich nach Norden ausbreiteten, werden
nun nach Süden abgelenkt, und es erscheinen Meeresbewohner, die sonst nicht
in jener Gegend vorkommen, Was diese Beobachtungen Pechuel-Loesches
lehren, wird im großen und ganzen durch Schiffsversetzungen und Flaschen-
posten bestätigt.
1) Vgl. die wichtige Arbeit: „De Guinea en Äquatorialstroomen“. Königl. Niederl. Meteor.
Institut. Utrecht 1895. Bearbeitet von Kluit, („Ann. d. Hydr. etc.“ 1896, S. 326ff. besprochen).