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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Aunalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1904, 
antarktischen Winter ausgedehnt. Hierbei ist jedoch sofort festzustellen, daß 
sein Überwinterungspunkt am südlichen Fuße der seit 1840 bekannten Vulkan- 
berge Erebus und Terror liegt und daß die zweite Überwinterung durchaus 
unfreiwillig erfolgte. Es scheint, daß sich Kapt. Scott doch wohl zuweit in das 
Eis gewagt hat, und es ist fraglich, ob es ihm und den beiden zu seiner Ab- 
holung ausgesandten Hilfsexpeditionen an Bord der „Morning“ und „Terra Nova“ 
gelingen wird, sein Schiff „Discovery“ aus dem Eise herauszuholen. Aber der 
Erfolg seiner im größten Stil durchgeführten Schlittenreisen bleibt, trotz der 
an sich hohen Breite des Ausgangspunktes, immer glänzend und darf nicht ver- 
kleinert werden. Der Umfang der dabei erzielten rein geographischen Ent- 
deckungen ist aber auch bei der britischen Expedition nicht sonderlich groß: 
man ınuß sich offenbar bei allen antarktischen Unternehmungen, wie sie jetzt 
noch möglich sind, an bescheidenere Erwartungen gewöhnen. 
Der deutschen Expedition war durch internationale Vereinbarung der 
indische Sektor des noch unerforschten Südpolargebiets zugefallen, und auf 
diesem beginnt das Dunkel des Unbekannten in erheblich niedrigerer Breite 
als beim Victoria-Land, nämlich südlich vom Kurse der britischen Challenger- 
Expedition in 64° und 65° S-Br. zwischen den Längen von 70° bis 100° O-Lg. 
v, Grw. Nur in 781/2° O-Lg. war hier der Polarkreis einmal überschritten, 
wie aus der beigegebenen Karte (Taf. 1) ersichtlich. Daß sich weiter östlich in 
65° bis 67° S-Br. ein wahrscheinlich ausgedehntes von Balleny, D’Urville 
und Charles Wilkes gesichtetes Land, das Wilkes-Land unserer Karten, 
erstreckt, war seit 1840 wohlbekannt, ebenso seit 1874, daß das, westlichste 
Stück dieser Küste, das von Wilkes am 17. Februar 1840 von 64° 01‘ S-Br. 
97° 37’ O-Lg. aus im Südwesten an Bord der „Vincennes“ allerdings nur sehr 
wenig bestimmt ausgemachte „KEndland“ (Termination-Land) an der angegebenen 
Stelle vom „Challenger“ (am 23. Februar 1874, s. die Karte) nicht gefunden 
worden war. Überdies nahmen die meisten Ozeanographen bisher an, daß von 
Kerguelen aus gerade hier eine wärmere Meeresströmung in die antarktischen 
Breiten südwärts vordringe. 
Sonach konnte es nicht als unwahrscheinlich gelten, daß in den Längen 
von 75° bis 95° das antarktische Land polwärts zurückwiche oder ganz fehle, 
und daß das weiter westlich gelegene N Kemur Lang und Enderby-Land kleine 
[Inseln seien. Hierauf hat Prof. v. Drygalski seinen Plan gegründet und 
westlich von dem apokryphen Termination-Land in die höheren antarktischen 
Breiten vordringen wollen; dabei ist er aber doch sehr bald auf Land gestoßen, 
das den Namen unseres Kaisers empfing, und bei dem Versuch, der Küste nach 
Westen zu folgen, mit seinem Schiff alsbald eingefroren. Was dann weiter von 
dieser Stelle aus zu machen war, ist geschehen. Daß des geographisch 
Neuen hierbei verhältnismäßig wenig erzielt wurde, kann dem Leiter der 
Expedition unmöglich zum Vorwurf gemacht werden. Jedenfalls aber dürfte 
eine künftige Südpolar-Expedition durch diese Erfahrungen, die erst gemacht 
werden mußten, belehrt, den Ansatzpunkt viel weiter westlich (noch von 
Enderby-Land) wählen: ob dort mit besserem Erfolg, kann auch nur der Versuch 
erweisen; Cook, Biscoe und Moore waren hier bereits über den Polarkreis 
vorgedrungen. Angesichts gerade der modernsten Polar-Expeditionen, in süd- 
lichen wie nördlichen Breiten, wird man immer wieder an Alexander 
v. Humboldts schon 1816 getanen Ausspruch erinnert, „daß die Entdeckung 
einer Gruppe unbewohnter Inseln für die Wissenschaft weniger Interesse dar- 
bietet, als die Aufhellung von Gesetzen, durch die es gelingt, eine Menge 
isoliert dastehender Tatsachen miteinander zu verknüpfen,“ Es sind also die 
eigentlich wissenschaftlichen Leistungen, die schließlich über den Erfolg oder 
Mißerfolg einer modernen Expedition entscheiden. Das große Publikum freilich 
will — records und ist dann enttäuscht, wenn solche der eignen Nation 
entgehen. — 
‘3 
Am 31. Januar 1902 wandte sich die deutsche Expedition von Kerguelen 
zunächst nach Heard I., wo am 3. Februar eine Landung ausgeführt und die 
naturgeschichtlichen Sammlungen erfreulich bereichert werden konnten. Mit 
Südostkurs weiter segelnd, sichtete man in 56° 03‘ S-Br., 84° 57‘ O-Lg. den ersten 
der antarktischen Eisberge und behielt solche fortan in seiner Umgebung bis 
zum 13. April 1903, wo auf der Rückfahrt unter 59° 54’ S-Br., 70° 22' Ö-Lg.
	        
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