Wendt, E.: Meeresströmungen: im Golf von Guinea,
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Meeresströmungen im Golf von Guinea;
Auszug aus einem Vortrage, ı
gehalten am 20. Januar 1904, in der Geographischen Gesellschaft zu Bremen,
Von: Dr. E.: Wendt, Oberlelirer an der Seefahrtschule in “Breinen.
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Drei große. Meeresströmungen sind es,. die. ihren Einfluß im Golf von
Guinea geltend “machen, ‚die Guineaströmung, die Benguelaströmung
und die Südatlantische Äquatorialströmung. Der Grund ihrer Entstehung
ist zum größten Teile außerhalb des. Golfes zu suchen, und auch die von ihnen
verursachten Erscheinungen lassen nur. dann eine befriedigende Erklärung zu,
wenn man Winde und Strömungen auch im .übrigen äquatorialen Teile des
Atlantischen Ozeans in Betracht zieht. ::
Nach der. heute allgemein angenommenen Trifttheorie, die von
Zöppritz in zwei denkwürdigen Abhandlungen („Ann, d. Phys. u. Ch.“, Bd. 4
u. 6; siehe auch „Ann. d. Hydr. ete.“ 1896, S. 77) mathematisch begründet und
besonders von Hofmann und Krümmel, von ersterem in seinem Buche: „Zur
Mechanik der Meeresströmungen“, von letzterem in mehreren Abhandlungen und
im zweiten Bande des berühmten Handbuches von Boguslawsky und Krümmel
über Ozeanographie weiter ausgebaut ist und durch die Krümmelschen Ex-
perimente .ihre Bestätigung gefunden hat, haben wir zwei Hauptarten von
Strömungen zu unterscheiden: "Triftströme und Kompensationsströme, Die
ersteren werden direkt durch den Wind erzeugt. Zu ihnen gehören die nörd-
liche und die südliche Äquatorialströmung, die beide, ihre Entstehung dem
Jahrtausende langen Einwirken der Passate auf die Meeresoberfläche verdanken.
Zum Ersatz der von. diesen fortgeführten Wassermassen muß Wasser von den
Seiten nachströmen. Diese Aufgabe der Kompensation übernehmen ‘die Nord-
westafrikanische, die Südwestafrikanische und die Guineaströmung, von denen
die beiden ersteren durch die Passate verstärkt bezw, beeinflußt werden, die
letztere im offenen Ozean den Raum zwischen. den Aquatorialströmungen, das
Gebiet der Stillen und des SW-Monsuns, einnimmt und: ihren‘ Hauptarm längs
der Küste von Oberguinea in den Golf entsendet. Die beiden in den Golf
getzenden Strömungen, die Guinea- und die Benguelaströmung, sind also hiernach
vorzugsweise Kompensationsströme. .
Sind die mathematische und experimentelle Begründung der Trifttheorie
auch nicht unanfechtbar, so ist diese doch an. und für sich plausibel und steht
in ihren Folgerungen mit dern tatsächlichen Verhältnissen in vollem Einklang.
Prüfen wir an: der Hand der gemachten Beobachtungen‘ die Richtigkeit der
Theorie, soweit sie für uns in Frage kommt. Der SO-Passat ist viel regel:
mäßiger und viel ausgedehnter als der NO-Passat. Es muß. daher auch ’eine
bessere und regelmäßigere Ausbildung der S-Passattrift erwartet werden, und
die Guineaströmung wird den größeren Prozentsatz ihrer Wassermassen zum
Ersatz dieser Trift heranwälzen, so daß also jene, wenigstens in ihrem süd-
licheren Verlauf, dieser in ihren jahreszeitlichen Schwankungen (was Lage und
Geschwindigkeit anbetrifft) folgen wird.‘ Die Erfahrung hat diese Folgerungen
der Theorie bestätigt. Die südliche Aquatorialströmung verschiebt ihre nörd-
liche Grenze mit dem Passat und erreicht tatsächlich ihre größte Stärke und
Beständigkeit (nach den Schiffebeobachtungen‘ meist über 24 Sm im Etmal) im
Juni, Juli und August, wenn der Passat ungefähr seine größte Ausbildung hat.
Besonders stark wird die Strömung. (vor allem im August und September) an
der brasilianischen Küste infolge der Einengung durch. das Festland. Ungefähr
in dieser Zeit reicht die Guineaströmung am weitesten. nach Westen und nach
Norden und erlangt auch ihre größte Geschwindigkeit, die aus noch später zu
besprechenden Gründen vor allem bei Kap Palmas und weiter östlich davon
noch verstärkt wird. Auch. der Südafrikanische Strom zieht seine Gewässer
nun schneller zum Ersatz der fortgeführten Wassermassen heran.
Ann. d. Hydr. etc, 1904, Heft Y.