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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1904.
suchen. Oft wird sich dann eine Zusammenfassung mehrerer Formeln ermög-
lichen lassen, wie dies für Hoek van Holland und Ymuiden der Fall gewesen
ist. Man wird dann auch die einzelnen Faktoren richtig in der Größe ihrer
Wirksamkeit abschätzen lernen oder auch Aufschlüsse über das Verhältnis von
Tiefe und Küstenform zur Niveaudifferenz erhalten.
Wollte man es sich zum Ziel setzen, allgemeine Formeln abzuleiten, so
wird es sich empfehlen, Küstenplätze auszuwählen, bei denen die Gezeiten ver-
schwindend sind. Die Windrichtungen werden dabei nicht nach den Himmels-
richtungen zu benennen sein, sondern nach dem Winkel, unter dem sie die
Küste schneiden. Man wird ferner verschiedene Orte betrachten, gruppiert
nach Küstentypen und Gestalt des Meeresteiles. Auch verschiedene Tiefen-
gruppen werden zu bilden sein. Ob im Augenblick schon genügendes Material
vorhanden ist für derartige ausgedehnte Untersuchungen, ist zweifelhaft.
Da die Höhe des täglichen Mittelwassers an Meeresküsten oft großen
Schwankungen unterworfen ist, so kommt zu den geschilderten verwickelten
Verhältnissen noch hinzu, daß sich mit der Höhe des Mittelwassers auch die
Höhe der Flutwelle, die ja eine bis jetzt allerdings noch unbekannte Funktion
der Tiefe ist, ändern wird. Dadurch wird auch die genaue Feststellung der
Differenz zwischen berechneter und beobachteter Flutgröße erschwert. Das
gleiche gilt für die Fortpffanzungsgeschwindigkeit der Flutwelle, die bei hohem
Mittelwasser größer ist als bei sehr niedrigem.
Von Bedeutung ist endlich die Frage nach der Nullage für die Kor-
rektionen. Wollte man das ideale Meeresniveau wählen, d. h. die Meeresober-
fläche, welche man beobachten würde, wenn es keine störenden astronomischen
und meteorologischen Einflüsse gäbe, so würde eine Korrektion notwendig sein
infolge des Überwiegens gewisser Windrichtungen und Barometerstände im
Jahresmittel. Ortt fand diese Korrektion für Niedrigwasser bedeutend größer
als für Hochwasser. Das Windstilleniveau ist nämlich bei Niedrigwasser um
5 cm, bei Hochwasser um 2 cm zu erhöhen. An dieser Stelle muß auch noch
eine wichtige, auf das im Vorstehenden behandelte Thema bezügliche Frage
gestreift werden, deren Erörterung zu Anfang der ganzen Betrachtung hätte
geschehen müssen, inwieweit nämlich den meteorologischen Einflüssen schon
bei Feststellung der Grundlagen, auf denen die zum Vergleich zwischen Theorie
and Praxis benutzte Gezeitentafel aufgebaut ist, Rechnung getragen wird. Ob
man die harmonischen Konstanten zur Berechnung der Gezeitentafel benutzt
oder eine empirische Methode anwendet, wird sicher nicht einerlei sein.
Zum Schluß sei darauf hingewiesen, daß die von Ortt benutzten Skott-
schen Werte zur Umrechnung der Windstärke nach der Beaufort-Skala in
Meter pro Sekunde zu groß sind. Die folgende Tabelle enthält die Umrechnung
der vier ersten Teile der Ymuidenskala in Meter pro Sekunde nach Skott,
Krümmel (Ergebnisse der Plankton-Expedition. Geophysikalische Beob-
achtungen) und Köppen („Archiv der Deutschen Seewarte“, 1898, Nr. 5).
Ymuiden- | Beaufort-
Skala Skala
Meter pro Sekunde nach
Skott | Krümmel | Köppen
1,9 5,7 3,2
33 | 85 5,7
3 4,9 12,0 9,2
1 7,3 | 12,0 15,0
3,0
ö,4
8,6
13.6
d, Wegemann.