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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1904, 
Man sieht daraus, daß der Einfluß des Windes auf die Flutwelle sehr ver- 
wickelt ist und sich nicht in allen Einzelheiten wird richtig berechnen lassen; aber 
eine angenäherte Schätzung der wichtigsten Ursachen ist vielleicht zu erreichen. 
Die Absonderung dieses Einflusses wird jedoch mit großen Schwierigkeiten ver- 
bunden sein. Sie ist nur möglich, wenn es gelingt, die übrigen Einflüsse zu kom- 
pensieren oder richtig in Abzug zu bringen. Deren gibt es indes noch eine ganze 
Reihe. Selbst der Einfluß des Windes ist mit dem Vorstehenden noch nicht ganz 
abgetan. Denn die Flutwelle ist auch von der Flutströmung abhängig, deren 
Stärke und Richtung wiederum dem Einfluß des Windes unterliegt. Hierbei ist 
die Wirkung des lokalen Windes die maßgebende, und zwar wirkt er indirekt 
in demselben Verhältnis auf die Flutwelle wie direkt auf die Flutströmung. 
Die Richtung und Dauer des Flutstromes ist aber keineswegs die gleiche wie 
die Fortpflanzungsrichtung der Flutwelle. Die holländische Küste bietet Bei- 
3piele genug hierfür. 
Die vorliegende Wirkung wird meist übersehen, weil die Begriffe „Flut- 
welle“ und „-strömung“ nicht immer streng geschieden werden. Zudem ist 
ansere Kenntnis der Flutströmungen noch recht lückenhaft, und nur an den 
westeuropäischen, nordatlantisch-amerikanischen Küsten und in der Javasee sind 
Beobachtungen darüber vorhanden. Auf die Beziehung zwischen Flutstrom und 
Welle kann hier jedoch nicht näher eingegangen werden, umsomehr da diese 
Verhältnisse keineswegs sehr einfach sind. 
Diese Windwirkung scheint auch auf die Verfrühung oder Verspätung 
der Flutwelle von größerer Bedeutung zu sein, indem an der holländischen 
Küste z. B. die größten Werte dieser Veränderung nicht bei den Winden 
beobachtet wurden, bei welchen die größten Veränderungen der Fluthöhe erreicht 
wurden, sondern bei den mit dem, bezw. gegen den Flutstrom wehenden Winden. 
Für diese Verhältnisse dürfte demnach_der Einfluß des Windes auf die Strömung 
von maßgebender Bedeutung sein. Über die Beziehung zwischen Wind und 
Strömung hat Mohn ebenfalls Untersuchungen angestellt. (A. a. O0.) Dieselben 
lassen sich vielleicht an der Hand von bezüglichen Beobachtungen derart er- 
weitern, daß man sofort die Zeitdifferenz für die Tiden ermitteln kann, natürlich 
nur sofern dieselben von der Beschleunigung oder Verlangsamung der Strömung 
abhängig sind. 
Vom Winde schwer zu trennen ist der Luftdruck. Die Unterschiede 
desselben über einem größeren Gebiete sind die Ursache der ersteren, und be- 
stimmten Luftdruckverteilungen entsprechen bestimmte Winde. Der Einfluß 
des Luftdrucks kommt nun in erster Linie der Veränderung des Meeresniveaus 
zugute, dagegen den Strömungen direkt gar nicht, wohl aber indirekt, indem 
Niveauunterschiede Strömungen in der Oberfläche hervorrufen, daher auch der 
Luftdruck die Zeit der Flut wenig beeinflußt. Dem Jahresmittel für Wind und 
Luftdruck entspricht ein mittlerer Seestand, welcher gleichzeitig die Nullage 
für die Korrektion bildet, indem dieselbe addiert werden muß, wenn der Baro- 
meterstand unter dem Jahresmittel liegt, im andern Falle subtrahiert wird. Es 
ist unverständlich, warum die französischen Berechnungen nur Korrektionen 
für Barometerstände über 760 mm anzubringen für notwendig halten. (Anuuaire 
des Marees des Cötes de France.) Wheeler hat die von ihm berechnete Kor- 
rektion auf das Jahresmittel bezogen, begeht aber den Fehler, bei seinen Beob- 
achtungen die Abweichungen von den berechneten Flutgrößen lediglich dem 
Luftdruck zuzuschreiben, wenn die Windstärke unter Beaufort III lag. Daher 
auch das wenig befriedigende Resultat, daß für 61 von 152 Beobachtungen das 
Entgegengesetzte von dem Erwarteten eintrat. Kapitän Greenwood hat eine 
Korrektionstabelle berechnet, bei der er als Grundlage nicht den örtlichen 
Luftdruck, sondern die Größe des Gradienten benutzte. Eine derartige Kor- 
rektion verliert natürlich ihren praktischen Wert für den Schiffer, da die 
Messung des Gradienten nur an der Hand einer Isobarenkarte möglich ist, eine 
solche aber dem Schiffer in dem fraglichen Augenblick sicher nicht zur Ver- 
fügung steht. Bedenkt man sodann, daß demselben Gradienten über dem Lande 
ein anderer Wind entspricht wie über dem Meere, daß also gerade an den 
Küsten in dieser Beziehung verwickelte Verhältnisse herrschen, so wird man 
die Unbrauchbarkeit dieser Methode einsehen.‘ Über die ältere Bestimmung 
dieses Einflusses des Luftdrucks von Lubbock ist längst der Stab gebrochen.
	        
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