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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1904, 
Die berüchtigten Taifune der chinesischen Gewässer, deren einem 
das deutsche Kanonenboot „Iltis“ im Juli 1396 zum Opfer gefallen ist, gelangen 
gelten in diese Gegenden. Unter den Tagen, an denen in Tsingtau starke 
Winde beobachtet worden sind, haben sich durch Vergleich mit dem „China 
Coast Meteorological Register“ nur die folgenden feststellen lassen, an denen 
zugleich ein Taifun beobachtet wurde. An jedem Tage ist für Tsingtau das 
Windmittel für die stürmischste Stunde angegeben, wobei die Geschwindigkeiten 
in Metern pro Sekunde nach dem Angaben des Anemographen verzeichnet sind: 
27. IX. 1899 NW 13,2; 10. X. 1901 N 26,5; 5. VIH. 1901 0SO 18,7; 
4. X. 1901 N 14,3; 17.—18. VII, 1902 SSW 11,7; 3. IX. 1902 NW 11,4; 
1.—2. VI 1903 N 8,4; 15.—16. VE 1903 ONO 14,4. 
Verheerende Wirkungen in Tsingtau, wie sie die erwähnte Depression 
am 26. V. 1900 und auch eine in der Kiautschou-Bucht entstandene Trombe am 
14. X. 1900 hervorgebracht haben, sind mit keinem dieser acht Taifune in den 
fünf Beobachtungsjahren verbunden gewesen. Nach der Jahreszeit fielen sie 
alle in den Spätsommer und Herbst. 
Einfluß des Windes und Luftdrucks auf die Gezeiten. 
Eine Hauptaufgabe der Statistik in den Küstengewässern ist die Voraus- 
berechnung der Ebbe und Flut nach Zeit und Höhe. Trotz Verbesserung der 
Berechnungsmethoden, trotz des Fortschritts in der Erkenntnis der Gezeiten- 
erscheinung seit Anwendung der harmonischen Analyse auf die Beobachtungs- 
reihen. der verschiedensten Küstenplätze, weichen die berechneten Zahlen in 
den Gezeitentafeln von den tatsächlich eintretenden Verhältnissen oft erheblich 
ab. Besonders für die holländischen Küstenorte ist diese Übereinstimmung 
noch immer nicht recht befriedigend. Es sind deshalb in der neuesten Zeit 
besonders von niederländischen Hydrographen Versuche unternommen, eine 
Korrektionsformel abzuleiten. 
Theoretiker wie Praktiker sind sich darin einig, daß die Ursache- dieses 
Unterschiedes zwischen Beobachtung und Berechnung der Gezeiten in erster 
Linie in dem Einfluß des Windes und Luftdrucks zu suchen sei. Unter Berück- 
zichtigung dieser Verhältnisse hat F. L. Ortt, Ingenieur v. d. Waterstaat, 
Korrektionsformeln abgeleitet. (Tijdschrift van het Kon. Inst. van Ingenieurs 
1896/97, 117 und „Aun. d. Hydr. etc.“ 1897, S. 200—207). Diese Formeln sind 
denn auch in die Getijtafels ete. vor het jaar 1904 aufgenommen. "Trotzdem 
in einer Schlußbemerkung darauf hingewiesen wird, daß dieselben nur für die 
tiefe Fahrrinne bei Hoek van Holland und Ymuiden Gültigkeit besitzen, hat 
es den Anschein, als ob dieselben auch für die anderen Häfen an der holländischen 
Küste anwendbar seien. Denn sonst wäre es überflüssig gewesen, die- 
selben in den Getijtafels abzudrucken, da in den tiefen Fahrrinnen die Erhöhung 
und die Verspätung der Flutwelle für die Schiffahrt kaum von wesentlicher Be- 
deutung werden kann. Praktischen Nutzen hätte diese Korrektion nur für das 
flache Wasser, für Barren und Untiefen, 
Leider bin ich nicht in der Lage, die Gültigkeit der Orttschen Formeln 
für andere holländische Häfen prüfen zu können, besonders für das flache 
Wasser, soweit es für die Schiffahrt überhaupt in Frage kommt. Daß man 
dabei eine mathematische Genauigkeit in der Übereinstimmung der Werte nicht 
zu erwarten braucht, ist selbstverständlich. Dem Schiffsführer wird meist ein 
angenäherter Wert sowohl für die Erhöhung der Flut als auch ganz besonders 
für die Verspätung oder Verfrühung ihres Eintretens genügen. Öb die Formeln 
diesen liefern, ist noch zu erweisen. Eine solche Prüfung wäre sehr wünschens- 
wert. Wäre das Resultat befriedigend, so würde ınan nach der angegebenen 
Methode auch für andere Küsten derartige Untersuchungen anstellen, um ähn- 
liche Korrektionsformeln zu erhalten. 
Theoretische Erwägungen über die Orttschen Formeln führen allerdings 
dazu, die Erwartungen nicht all zu hoch zu schrauben. Als Ursachen der
	        
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