Ergebnisse der meteorologischen Beobachtungen in Tsingtau,
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nahezu gleich ist, ist er in Brest über 10° kleiner. In Tsingtau ist die relative
Feuchtigkeit und die Bewölkung im Sommer am größten, in Philadelphia und
Brest im Winter. Der Regen, der in Tsingtau eine so scharfe jährliche Periode
zeigt, verteilt sich auf den anderen Stationen fast gleichmäßig auf die vier
Jahreszeiten, wenn auch in Philadelphia ganz schwach dieselbe Art des Ganges
wie in Tsingtau angedeutet ist. In Philadelphia sind die mittleren Wind-
richtungen das ganze Jahr hindurch westliche und weichen im Sommer und
Winter nur um 45° voneinander ab, während Tsingtau im Sommer und Winter
fast diametral entgegengesetzte Windrichtungen aufweist, die sich in Rücksicht
auf das Jahresmittel so vollkommen aufheben, daß die mittlere Windrichtung
des Jahres nicht einmal in den konkaven Winkel zwischen den mittleren Richtungen
des Sommers und Winters fällt. Die mittleren Windrichtungen für Tsingtau
sind mit Berücksichtigung der Windstärken berechnet.
Tabelle Il.
Vergleichende Tabelle für Tsingtau, Brest und Philadelphia.
Mittlerer Luftdruck (Brest
in mm ©
Phil.
Winter |
771,9
754,5 |
761,5
Frühling
763,1
753,3
758,5
Sommer
156,1
754,2
758.8
Herbst
766,0
753,6 -
761,0
Jahr
764,1
753,9
760,0
Mittlere Tsingt. } 0,7 10,4 | 22,9 |] 15,9 12,5
Lüfttemperatur {Brest | 62° |. 1183 | 182 | 129 !* 128
°C Phil. 1,3 11.1 24,5 14,1 12,7
; Tsingt.
Mittlere relative | nr
Feuchtigkeit in % Phil.
Mitt], Regenmengen { Tsingt.
in Prozenten der ({ Brest
Jahressumme Phil.
Tsingt.
Mittlere Bewölkung { Brest )
| Phil.
Mittlere "Tsingt.
Windrichtung Phil.
74,3 74,8 | 839
84,5 ] 73,7 73,8
69,3 6L0 65,0
68,1
83,8
66,7
75,38
79,2
65,3
71
25,0
21.9
17,1 | 615
19,9 1 22,2
26,3 928,8
14.3 * absol. 625 mm
32,9 | „ 686,
923,3 „ 1164
4,34
7,20
5,83.
5,07 | 5,65 | 4.06
5,64 | 5,65 |! 6,50
547 5.43 5,27
4,78
6,25
558
N53,6°W | 841,2°0 | S50,2°0 | N234°W | N88,5°0
N 66° W N 72°W S69W ‘| N8s1°Ww | NıI7°Ww
6. Besondere Erscheinungen.
Unter den besonderen Erscheinungen ist zu bemerken, daß in Tsingtau
in den fünf Jahren kein einziges Gewitter im Winter beobachtet worden ist.
Hagel fällt kaum einmal im Jahre. Durch sehr geringe Bewölkung sowie
seltenes Auftreten von Nebel und trüben Tagen fällt neben den drei Herbst-
monaten der Februar auf. Stürmische Winde sind in den fünf Jahren im Sommer
selten gewesen; dagegen zeigen die winterlichen Nordwestwinde die Neigung,
stürmischen Charakter anzunehmen, so daß selbst im. Durchschnitt der fünf
Jahre im Dezember die mittlere Stärke. der Nordwestwinde über 4 Beaufort-
Grade beträgt. Nicht selten sind bei der winterlichen Trockenheit diese Stürme
reichlich mit Sand beladen gewesen, und man kann auf jedes Jahr drei solche
Sandstürme rechnen. Im Sommer ist ein solcher niemals beobachtet worden,
wie es die größere Feuchtigkeit und die reichlicheren Niederschläge begreiflich
machen. Im Frühjahr ziehen mitunter tiefe Depressionen aus dem Innern Chinas
nach der See und Japan hin, die auch Tsingtau durch stärkere Stürme in Mit-
leidenschaft ziehen. Ein solcher hat am 26. Mai 1900 in der Stadt schweren
Schaden angerichtet, und auch am 3. April 1901 ist beim Vorübergang einer
derartigen Depression die durchschnittliche Windgeschwindigkeit während einer
rollen Stunde 21,2 m pro Sekunde gewesen.