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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

196 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1904, 
auffrischen würden, und daher wurde um 9'/2t V die Küstenstrecke von Borkum 
bis Greifswalder Oie gewarnt: 
„Ziemlich tiefes Minimum nördlich Schottland, Maximum Südwesteuropa. 
Stark auffrischende Südwestwinde wahrscheinlich. Signalball. 5. April 1904, 
Q!/ab V, Seewarte.“ Am 6. 9'/2" V wurde diese Warnung auf die ganze Küste 
ausgedehnt und um 4%/4"N für die westdeutsche Küste verlängert. 
Da nach dem vorliegenden Material über den Eintritt und die Ausbreitung 
der unruhigen Witterung noch keine zuverlässigen Anhaltspunkte gewonnen 
werden konnten, so wurde das Signal „Ball“ und nicht „Kegel“ gegeben, 
obgleich dieses durch die nachfolgenden Tatbestände gerechtfertigt gewesen wäre. 
Während im Laufe des 5. April das Minimum südostwärts nach der 
nördlichen Nordsee vordrang, frischten die Winde an der westdeutschen Küste 
auf und nahmen in der Nacht vom 5. bis zum 6. einen stürmischen Charakter 
an. Das Nebenkärtchen zu Fig. 1 zeigt die Wetterlage am 5. April & N. 
Bemerkenswert ist, daß schon am 5. April am Vormittage (zwischen 
9!/a bis 1!/2*) in Hamburg in der Höhe über 1500 m stürmische Winde herrschten 
(W 18m per Sek.), so daß an der Hamburger Drachenstation der Drache abgerissen 
wurde, während am Boden die Windgeschwindigkeit nur 7m per Sek, betrug 
(SW). Zur selben Zeit zeigte sich über Berlin in der Höhe von 1870 bis 1920 m 
eine Temperaturumkehr von —10° auf —9,3°. Am 5. Abends wehten an den 
Höhenstationen Großen Belchen, Zugspitze und Säntis stürmische westliche 
Winde (der Sonnblick meldete zu dieser Zeit WNW 2). 
Figur 2 veranschaulicht die Wetterlage vom 6. April um 8" V. Ein tiefes 
barometrisches Minimum unter 735 mm liegt über der nördlichen Nordsee, zu 
Aberdeen und Shields Sturm aus westlicher Richtung hervorrufend; auch 
Vlissingen hat Südweststurm, und zu Cherbourg und Borkum haben die Winde 
einen stürmischen Charakter angenommen, 
Das barometrische Maximum im Südwesten hat sich nordostwärts über 
Frankreich vorgeschoben. An der westdeutschen Küste insbesondere sind die 
Winde aufgefrischt und treten im Nordseegebiet als starke Böen auf, welche 
um die Mittagszeit Sturmesstärke erreichen. 
Das Nebenkärtchen zu Fig. 2 zeigt die Wetterlage am 6. April Abends. 
Das Minimum ist ostwärts bis zu den schwedischen Seen fortgeschritten, 
während das stürmische Wetter sich ostwärts über die Odermündung hinaus aus- 
gebreitet hat. Auch an der pommerschen Küste ist nach Berichten von den 
Sturmwarnungstellen unruhiges Wetter eingetreten. 
Am Vormittage des 6. April war es nach Berichten der Hamburger 
Drachenstation in der Höhe stürmisch, zu Berlin riß in der Höhe über 3000 m 
der Drachen ab, die Zugspitze meldete am Morgen 7“ NNW 9, am Abend 
9 WSW 8 (Bay Nevis Morgens NNO 8, Abends NW 2). 
£in anschauliches Bild über die Struktur und den Verlauf des Sturmes 
gibt Figur 4, in welcher die einzelnen Böen nach den Registrierungen auf dem 
Dienstgebäude der Seewarte dargestellt sind. 
Am Vormittag des 6. April war das Wetter noch ruhig, es wehten 
mäßige südsüdwestliche Winde, aber um die Mittagszeit erfolgte ein rasches 
Auffrischen der Winde, welche nach West drehten und dabei einen aus- 
gesprochen böigen Charakter annahmen. Die erste heftige Böe erfolgte um 
1'/4 N, eine zweite ebenso heftige eine Stunde später, wobei die Windrichtung 
zwischen SW und NW hin und her schwankte. Die Sturmböen dauerten fort 
bis zum Abend und nach 8° N trat wieder ruhigeres Wetter ein. Die mittlere 
stündliche Windgeschwindigkeit erreichte ihren höchsten Werth (15,0 m per Sek.) 
von 3 bis 4" N. 
Der weitere Verlauf des Sturmes ist durch Figur 3 dargestellt, welche 
die Wetterlage am 7. April 8° morgens veranschaulicht. Das Minimum liegt 
mit unveränderter Tiefe bei Stockholm und verursacht an der ostdeutschen Küste 
stürmische Luftbewegung aus SW. Ein neues Minimum ist nördlich von 
Schottland erschienen und bewegt sich ostwärts der südnorwegischen Küste zu, 
dort sich rasch ausgleichend, so daß es am Abend, wie unser Nebenkärichen 
(vom 7. 8°N) ausweist, nicht mehr zu erkennen ist, während das Hauptminimum 
sich langsam ausgleicht und eine nordwärts gerichtete Bahn einschlägt.
	        
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