S. O0. Makaroff $
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einen Vortrag über verschiedene ozeanographische Probleme gehalten!) und
dabei gewissermaßen einen Überblick über die ihm am meisten. am Herzen
liegenden meereskundlichen Fragen gegeben und, seine Ansichten hierzu ent-
wickelt. - Im Herbst 1899 besuchte er die in Dover tagende „British Association
for the Advancement of Science“; in’-der Sektion für Meereskunde gab er mit
großem Beifall aufgenommene Mitteilungen über die erste Reise des „Yermäk“
und zeigte ungemein lebensvolle, malerische und lehrreiche Lichtbilder der dabei
beobachteten KEisverhältnisse. In diesen Septembertagen zu Dover hat der
Verfasser dieser Zeilen zum letzten Male mit Admiral Makaroff eingehende
und die verschiedensten Themata betreffende Gespräche führen können; besonders
über die Arbeiten der eben heimgekehrten deutschen Tiefsee-Expedition auf der
„Valdivia“ wollte der Admiral Näheres wissen. Stets liebenswürdig und heiter,
erregte der geachtete ausländische Gast unter den britischen wissenschaftlichen
Kreisen ganz offensichtliches Aufsehen, wozu seine imponierende äußere Er-
scheinung, die Hünengestalt mit dem mächtigen rotblonden Vollbart ihr Teil
auch beigetragen hat,
Makaroffs Zeit in den letzten vier Jahren mag wohl in immer steigendem
Maße von rein militärischen Dingen‘ in Anspruch genommen worden sein; daß
er 1901 mit dem „Yermäk“ eine Expedition nach dem Kaiser Franz Josephs-
Land unternommen hat und dabei vier Wochen im KEise eingeschlossen gewesen
ist, berichten aus Anlaß seines Todes jetzt die Tageszeitungen. Soviel
ist sicher, daß Makaroff unter den Seeoffizieren der ganzen Welt, soweit die
Förderung der wissenschaftlichen Meereskunde aus eigener Tätigkeit in Betracht
kommt, in den letzten zwei Jahrzehnten dank seiner Energie und Genialität
die erste Stelle eingenommen hät. Um so tiefer und aufrichtiger wird die
Trauer über das jähe Ende dieses erst im 56. Lebensjahre stehenden Mannes
auch auf seiten der Wissenschaft sein. ;
Hamburg, den 17. April 1904.
Bemerkenswerte Stürme.
Weitere Folge.‘
I.
Sturm vom. 6. bis 8. April 1904.
Von Prof, Dr. W. J. van Bebber,
‚ (Hierzu Tafel 12.)
Der Sturm vom 6. bis 8. April ist bemerkenswert weniger durch seine
Dauer, als durch seine Heftigkeit und durch. die Verheerungen, welche er
insbesondere‘ an der westdeutschen Küste hervorrief.
Nach unserer Wetterkarte vom 5. April 1904 (Fig. 1) lagerte an diesem
Tage eine ziemlich tiefe Depression auf dem ‘Ozean westlich von Norwegen,
auf den Hebriden stürmische nordwestliche, zu Skudenes und Vesterwig starke
südwestliche Winde erzeugend; im übrigen herrschte im Nordseegebiete im all-
gemeinen nur schwache Luftbewegung. Allem Anschein nach hatte die Wetter-
lage keinen bedrohlichen Charakter für unsere Küste, indessen erschien das
Herannahen eines hohen barometrischen Maximums von Südwesteuropa her
bedenklich, umsomehr als die Isobaren. von 760, 765 und‘ 770 ostwärts
gerichtet waren. . .
Schon wiederholt habe ich darauf hingewiesen, daß die Wetterlage in den
Fällen für unsere Küste besonders gefahrdrohend ist, wenn ein barometrisches
Maximum über Südwesteuropa lagert und im Norden der britischen Inseln eine
verhältnismäßig - tiefe Depression sich befindet. In. diesem Falle lag die
Möglichkeit vor, daß die Winde insbesondere an der westdeutschen Küste stark
y Vgl. Proceedings of the Royal Society of Edinburgh, Vol. XXII, 1899.