Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1904,
Besondere Ausdrücke für die Windstärke.
Auffrischende und abflauende Winde, bei Wiudstärken über 6 als
„zunehmende“ und „abnehmende“ Winde bezeichnet, zur Kennzeichnung
von Winden, deren Stärke größer bezw. kleiner wird; bei der Wettervorhersage
entsprechend die Ansage, daß die Windstärke an deren Gültigkeitstage durch-
schnittlich größer oder kleiner als am vorhergehenden sein werde,
Böige Winde, solche, deren Stärke öfters plötzlich und meist auf nur
kurze Zeit in Böen (vgl. Böen unter 6) sehr erheblich anwächst.
Ozeanische Winde (Seewinde), solche, die die Luft vom Ozean herbei-
führen, im Gegensatz zu den inlandigen Winden (Landwinde), die ihren Ur-
sprung, soweit die Windbahn sich verfolgen läßt, über dem Festlande haben.
5. Niederschläge.
Unter diese Bezeichnung fallen Regen, Schnee, Hagel, Graupeln,
Eisregen etc. Die Höhe der gefrorenen Niederschläge wird durch die Höhe
des Schmelzwassers gemessen. Bei Frostwetter- wird meist der Ausdruck
„Schneefall“, bei Tauwetter meist Regen oder Regenfälle für „Niederschläge“
gebraucht.
Da die Verteilung der Niederschläge nach ihrer Größe im allgemeinen
eine recht ungleichmäßige ist und sich in dieser Beziehung anders als die der
übrigen genannten Elemente verhält, so besteht für die Ausdrücke zur Kenn-
zeichnung der Niederschläge die Abweichung, daß sie sich nicht auf die Stärke
der Erscheinung, die Menge des Niederschlags, sondern auf die räumliche Ver-
teilung der Niederschläge als Hauptprinzip stützen, wobei jedoch zu beachten
ist, daß diese im allgemeinen zugleich einen Maßstab für die Stärke der Nieder-
schläge darstellt,
Trocken, nur vereinzelt Niederschläge.
Stellenweise — oder zeitweise, — vielfach —, meist Nieder-
schläge in derjenigen Bedeutung, wie sie oben aus der Erläuterung der Zusatz-
worte ersichtlich ist.
Niederschläge, nur vereinzelt trocken.
Diese Ausdrücke beziehen sich, abweichend von den vorangehenden, für
die Übersichten und die Wettervorhersagen in gleicher Weise auf einen Zeit-
raum von 24 Stunden, so daß also hier kein Unterschied besteht. *
Besondere Ausdrücke für die Niederschläge,
Zunahme und Abnahme der Niederschläge (in der Wettervorhersage):
Die Ansage, daß die Niederschläge nach ihrer räumlichen und zeitlichen Aus-
breitung, meist auch nach ihrer Stärke, am Gültigkeitstag der Prognose durch-
schnittlich einen Zuwachs bezw. eine Abnahme gegen den Vortag au[weisen
werden.
Regenschauer: Mehr oder wenig kräftiger Regenfall von kurzer Dauer
ohne gleichzeitige auffällige Zunahme der Windstärke — in Begleitung einer
Böe (siehe unter 6) Regenböe; entsprechend Schnee-, Hagel- und Graupel-
schauer und -böen.
6. Besondere Erscheinungen.
Nebel und Gewitter, in den Wetterübersichten und Wettervorhersagen
folgende Ausdrücke vertreten:
Neblig: Zur Bezeichnung, daß fast überall und, im Falle der Vorher-
sage, zugleich auch fast anhaltend während der Gültigkeitsdauer der Vorher-
sage Nebel auf dem Erdboden lagert, von solcher Höhe, daß er den Himmel
verhüllt; hierzu nach Bedarf die obigen Zusätze „stellenweise“ etc.
Teils heiter, teils neblig: Während der kalten Tagesstunden vielfach
neblig, während der warmen aber klares Wetter,
Gewitter nicht ausgeschlossen: Die Vorbedingungen zum Eintritt
von Gewittern werden mutmaßlich meist erfüllt sein, so daß deren Auftreten
hier und da möglich erscheint.
„Neigung zu Gewittern“ oder kurz „Gewitterneigung“: Alle Vor-
bedingungen erscheinen erfüllt, so daß diese mindestens hier und da voraus-