Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1904,
In Archangel erzählten mir auf meine diesbezüglichen Fragen viele
Kapitäne ihre gleichartigen Erfahrungen. Alle führten solche auf einen starken
Unterstrom zurück.
Schon im Jahre 1867 habe ich in der Baffins-Bai nahe unter der
Labrador-Küste ähnliche Verhältnisse kennen gelernt, als ich dort auf großen
Fischer-Schonern als Matrose fuhr. Sogar bei tiefergehenden Walfischbooten
machte sich die Erscheinung bemerkbar. Erfahrene Fischer vermieden solche
Gegenden, indem sie sich außerhalb der an der Oberfläche auftretenden Strom-
kabbelungen hielten. Man nannte die Erscheinung dort damals „stopping water“.
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3. Die Lotungsexpedition des niederländischen Flottillenfahrzeugs „Edi“.
(„Marineblad“ 18. Jahrgang 1903/04, Zesde Aflevering.) Von Seiten der nieder-
ländischen Regierung war das Flottillenfahrzeug „Edi“ bestimmt worden Tief-
seelotungen für die Legung eines deutsch-niederländischen Telegraphenkabels
vorzunehmen. Das Schif wurde in Soerabaja für diese Expedition besonders
hergerichtet, Geschütze und Munition von Bord gegeben, Lasten- und Munitions-
kammern zur Aufnahme von Proviant hergerichtet, um Platz zu erhalten zur
Unterbringung eines erhöhten Kohlenquantums.
Nachdem noch die Lotmaschinen an Bord genommen waren, verließ die
„Edi“ am 6. Februar 1903 den Hafen und erreichte am 26, Februar 1903 Shanghai,
wo die weiteren Bestimmungen über den einzuhaltenden Plan getroffen werden
sollten.
Am Tage nach der Ankunft war in Schanghai in einer Besprechung mit
dem zukünftigen niederländischen Direktor der zu errichtenden Kabelkompagnie
Herrn Hauptmann Le Roy und den Herren S. Cederholm, Oberlt. z. See d.
Res, und X. Engler, Ingenieur, - Beamten der Norddeutschen Seekabelwerke,
welche sich als Teilnehmer der Expedition in Shanghai einschifften, folgendes
Programm aufgestellt:
Es sollte auf der Reise von Schanghai nach Yap (Carolinen) mit den
Lotungen begonnen werden. Da es wegen des geringen Kohlenfassungsvermögens
der „Edi“ nicht möglich war ganze Strecken mit einem Male auszuloten, so
sollte erst ein Teil derselben ausgelotet werden, in Yap der Kohlenvorrat auf-
gefüllt, und auf der Rückreise nach Schanghai die Lotungen fortgesetzt werden.
Dann sollte wieder Yap angelaufen und von hier aus die Strecke Yap—Guam
(Marianen) ausgelotet werden. Nach der Rückkehr nach Yap sollte der letzte
Teil, die Strecken Yap-—Palao und Palao--Menado, ausgelotet und wenn
nötig von letzterem Orte noch einmal zurückgekehrt werden, wobei im Falle
von Kohlenmangel die Lotungen rechtzeitig unterbrochen werden sollten. Die
Lotmaschinen wurden aufgestellt und nachdem 190 Tonnen Kohlen übergenommen
waren, verließ die „Edi“ am 10. März den Hafen von Schanghai. Die Lotarbeit
begann und ging geregelt vonstatten, da jedoch am 24. März der Unterteil der
Lotmaschine brach, mußten die Lotungen eingestellt und Yap angelaufen werden.
Am 25. März wurde in Yap eingelaufen.
Am 30. März wurde die Rückreise nach Schanghai angetreten und unter-
wegs die reparierte Lotmaschine erprobt, wobei sich herausstellte, daß die
Reparatur mangelhaft ausgeführt war.
Am 8. April wurde vor Schanghai geankert und die Reparatur der Lot-
maschine aufs neue in Angriff genommen. Am 25. April wurde Schanghai wieder
verlassen und die Lotungen fortgesetzt. Da in den ersten Tagen das Wetter
unsichtig war, konnte erst am 1. Mai mit dem Loten begonnen werden. Am
11. Mai kam die Küste von Yap in Sicht, an den beiden folgenden Tagen
wurden Küstenlotungen vorgenommen, wobei die Ungenauigkeit der Karte von
Yap die Ortsbestimmungen sehr erschwerte. Am 13. Mai wurde wieder in die
Tomril-Bucht eingelaufen, und, da außer dem Kohlenergänzen auch die Maschinen
in Stand gesetzt werden mußten, erst wieder am 18. Mai ausgelaufen. Es
wurden jetzt die Küstenlotungen fortgesetzt und dann die Strecke Yap-— Guam
ausgelotet.
Am 26. Mai lief die „Edi“ in die Bucht von San Luiz d’Apra an der
Südwestseite von Guam ein. Auf der Reede lag das amerikanische Kriegsschiff
„Supply“. Der Kommandant des Schiffes war gleichzeitig Kommandant der
Insel. Die Amerikaner beabsichtigen Guam zu einer maritimen Zwischenstation