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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Kleinere Mitteilungen, 
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Wir wollen für das Folgende annehmen, daß nur die untersten 1000 m über 
dem Meeresboden für unsere Überlegungen in Betracht kommen. .Diese An- 
nahme ist zwar willkürlich, aber doch wohl kaum willkürlicher als es in der- 
artigen Fällen gebräuchlich und auch erlaubt ist. Die Betrachtung soll ferner 
beschränkt werden auf die Breite zwischen Aquator und 40° S-Br., um die 
sicher sehr turbulenten Vorgänge an der indischen Küste und im kältesten Teil 
des Ozeans auszuschließen. Wir erhalten dann für die ganze Schicht der 
untersten 1000 m folgende Temperaturmittelwerte: 
40° 
20° | 10° | 0° 
122° * | 1369 |. 162° - | 1,759 | 1,929 
Bilden wir die Differenzen für je 20° Breiteänderung, so erhalten wir: 0,40°, 
0,40°, 0,30° oder im Mittel für je 10° Breiteänderung 0,18° Temperaturzunahme. 
Wird diese lediglich durch Wärmezufuhr von unten und unter Ausschluß jeg- 
licher Wärmezufuhr durch Konvektion von oben bewirkt, so können wir die Zeit 
berechnen, welche hierzu nötig ist. Wir erhalten: Ur » 1000 = 316 Jahre. 
F 
Hieraus folgt eine Geschwindigkeit von etwa 0,1 mm in der Sekunde 
für die Tiefseeströmung. Dieser Wert weicht von dem durch G. Schott 
berechneten, der ja nur eine obere Grenze darstellen soll, während der hier 
berechnete eine untere Grenze ist, nicht zu weit ab. Man möge bei der Be- 
urteilung besonders erwägen, daß beide Rechnungen für ganz verschiedene 
Meeresteile — Nordatlantischer Ozean einer- und Indischer Ozean anderseits — 
und unter der Annahme von Zahlenwerten durchgeführt sind, die sehr wohl in 
weiten Grenzen: schwanken können.!) Immerhin dürfte aber der hier angegebene 
Weg dazu geeignet erscheinen, zu entscheiden, ob die erste von Karsten an- 
gedeutete Möglichkeit, nämlich die Wärmezufuhr. durch Strömung von oben, 
wahrscheinlich ist. Sollte es nämlich einmal gelingen, auf irgend einem ein- 
wandfreien Wege die Geschwindigkeit der Tiefseeströmung direkt zu ermitteln, 
30 müßte der Vergleich mit den auf die ausgeführte Art ermittelten Werten 
ergeben, ob noch eine andere Wärmequelle als das Erdinnere anzunehmen ist. 
Daß diese nicht in einer Wärmeleitung von oben zu suchen wäre, erhellt aus 
dem minimalen Temperaturgradienten (0,000006 für 1 cm) in Verbindung mit 
dem geringen Wärmeleitvermögen des Wassers (0,0015 gr Kal/cm Grad sek). 
Privatdozent Dr. C. Forech. 
2, Totwasser. Der Königliche Navigationslehrer Herr Hahn in Leer 
berichtet der Deutschen Seewarte folgendes: 
Mit Bezug auf den Artikel Totwasser in den „Ann. d. Hydr. etc.“, Heft I, 
1904, gestatte ich mir ergebenst mitzuteilen, daß, als ich zum Zwecke von 
Instruktion und Repetition in der praktischen Navigation eine Reise mit dem 
Dampfer „Samland“, Kapt. L. Berding, nach Archangel machte, beim Kap 
Orlov, etwa 400 bis 500 m dwara vom Belfog-Leuchtturme, am 2. Juli 1886 um 
11% Totwasser antraf, das uns ungefähr eine halbe Stunde aufhielt. Mit voller 
Kraft rückwärts arbeitend, drehte das Schiff schließlich mit dem Heck nach dem 
Lande, und dampften wir dann vom Lande ab und kamen aus dem Unter- 
strom heraus. 
Auch ich fand das obere Wasser süß und unten in etwa 5,5 m (3 Fad.) 
Tiefe Salzwasser. Ob solches auch schon in geringerem Abstand von der 
Oberfläche der Fall gewesen ist, habe ich leider nicht feststellen können, da 
die Herstellung eines Klappschöpfers zu lange dauerte und wir gerade bei der 
Messung vorwärts in Fahrt vom Lande abkamen. Die Wassertiefe betrug 
daselbst etwa 16m (9 Fad.) Der Kapitän behauptete, so etwas auf seinen 
häufigen Fahrten.an der Murman-Küste oft angetroffen zu haben. 
') Besonders der Wert des Wärmeleitvermögens der festen Erdrinde ist sehr unsicher. Hier 
ist der von Hann, Lehrbuch der Meteorologie, S. 23, benutzte eingeführt, Vgl. auch: Landolt 
& Börnstein, Tabellen, II. Aufl, S. 372, sowie Fr. Nansen, The Norweg. North Polar Expedition 
1893—1896. Seient. Results, Vol. IL S, 343.
	        
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