accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Meldau, H.: Experimentaluntersuch, über die Einwirkung von Flindersstangen ete, 169 
Der vordere Kompaß des Ruderhauses hatte trotz Quadrantalkugeln noch 
ein D==+9,5°1 Die sextantale Deviation war nicht nennenswert, dagegen hatte 
der ‚oktantale Koeffizient H den übermäßigen Wert +5,1°. Die .Deviations- 
kurve nach den bei Europa Point gemachten Originalbeobachtungen ist in der 
"Tafel 11, I dargestellt. Die auf Grund der fünf Koeffizienten A, B, C, D’ und E 
berechnete „regelmäßige“ Ablenkung ist durch die punktierte Kurve wieder- 
gegeben. Diese reguläre Deviation würde schon für sich allein wegen 
der Größe des quadrantalen Gliedes als recht unangenehm empfunden 
worden sein. Durch das Hinzukommen des oktantalen Gliedes mußte 
der Kompaß für seinen Zweck so gut wie unbrauchbar werden, ändert 
sich doch die Ablenkung an verschiedenen Stellen bei einer Kursänderung von 
einem Strich um 7° bis 8°1 
Nach diesen Erfahrungen ist das Urteil, das ich auf S. 37 des vorliegen- 
den Jahrganges dieser Annalen über die magnetischen Verhältnisse des Kompaß- 
ortes. auf „Roon“ gefällt habe, dahin abzuändern, daß das ungünstige Verhalten 
der Kompasse nur zum Teil auf den Kompaßort,*). zum Teil aber auf die 
Kompasse selbst und die Art ihrer Kompensation zurückzuführen ist. 
Die Rose des vorderen Kompasses hatte eine Nadelanordnung, wie sie durch 
die Figuren II oder V der Tafel 10 dargestellt wird. Hinter dem Kompasse 
war eine Flindersstange in 25,5 cm Abstand von der Rosenmitte vorhanden, 
Die D-Kugeln hatten 17,7 cm Durchmesser und waren 67,5 cm voneinander 
entfernt. Die wegen der Nähe der Vorderwand des Ruderhauses an sich große 
Quadrantaldeviation wurde durch die Flindersstange so erhöht, daß sie durch 
die Kugeln und ihre eisernen Konsolen nur auf den Betrag von D = + 9,5° 
heruntergedrückt werden konnte. Die fehlerhafte Nadelanordnung der Rose 
war des weiteren der Grund, daß Flindersstange und Kugeln — hier im gleichen 
Sinne wirkend — eine so große Oktantaldeviation hervorzurufen vermochten.®*) 
Von Interesse ist auch das Verhalten des hinteren Kompasses im Ruder- 
hause. Die zugleich mit der vorigen erhaltene Ablenkungskurve ist in Figur 2 
der Tafel 11, IX dargestellt. Die Nadelanordnung des hinteren Kompasses war 
die in Figur I der Tafel 10 angegebene. Den für dieses Rosensystem zu er- 
wartenden negativen Wert von H erkennt man in dem Verlauf der Kurve auf 
den ersten Blick. Durch Rechnung findet man H— — 4,8, Außerdem hat 
man einen sextantalen Koeffizienten F= + 1,3°. Obwohl die Ablenkungen 
den Wert 10° nirgends überschreiten, ist doch der Kompaß infolge 
des schnellen Wechsels der Ablenkungen nahezu unbrauchbar. 
Unzweifelhaft stellen die hier gegebenen Beispiele außergewöhnliche Fälle 
sextantaler und oktantaler Störungen dar; man kann sich bei ihnen aber nicht 
des Gedankens erwehren, daß ähnliches in geringerem Maße häufiger vorkommen 
und die an sich schon schwierige Behandlung des Kompasses an Bord eines 
eisernen Schiffes noch ganz unnötigerweise erschweren mag. 
Zum Schluß sei es gestattet, dem Direktor der hiesigen Seefahrtschule, 
Herrn Prof. Dr. C. Schilling, der durch stets bereitwillige und tatkräftige 
Unterstützung einen großen Teil der Versuche erst ermöglichte, auch an dieser 
Stelle zu danken. Insbesondere wurde mir durch seine Vermittlung auf dankens- 
werte Veranlassung des Herrn Staatssekretärs des Reichs-Marine-Amts 
der in der Abhandlung mit VI bezeichnete „große Fluidkompaß“ von der 
Kaiserlichen Werft in Wilhelmshaven zur Verfügung gestellt. . 
1) Die Entstehungsgeschichte der Kompaßschwierigkeiten ist in diesem wie in anderen 
Fällen zweifellos die, daß zunächst die ungünstigen Verhältnisse des Kompaßortes im Ruderhause 
dazu nötigen, statt eines Thomson-Kompasses einen Fluidkompaß aufzustellen, daß mit diesem 
aber die im Falle „Roon“ so kraß hervortretenden Übel ihren Einzug halten. 
2) Eine Nachbildung der beschriebenen KEisenanordnung ergab mit dem Kompaß II ein 
D = —0,6°, d. h. die Kugeln dienen nur dazu, das durch die Flindersstange eingeführte +—D zu 
kompensieren. Da auch die eisernen Konsolen ein D von etwa — 5° erzeugen, so muß das vom 
Schiffe selbst herrührende D gleich 414° sein, ein Betrag, in dem sich die Nähe der eisernen 
Vorderwand des Ruderhauses deutlich genug ausspricht, Es ergab sich ferner H = -+3,7°; rechnet 
man für die Konsolen +1° hinzu und berücksichtigt die Schwächung der mittleren Richtkraft an 
Bord, so erhält man (für 1 = 0,9) H = +-5,2°, in guter Übereinstimmung mit dem an Bord ge- 
fundenen Werte.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.