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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1904.
Aus dem Vergleiche der Tabellen 5 und 6 ergibt sich u. a., daß auch
die Nadelinduktion mit der Kugelgröße nicht unerheblich abnimmt.
Um den Einfluß der eisernen Konsolen, auf denen gewöhnlich die
Quadrautalkugeln befestigt sind, wenigstens in einem Sonderfalle kennen zu
lernen, wurden zwei solcher Konsolen in geeigneter Stellung am Drehtisch be-
festigt. Als Kompaß wurde Nr. II benutzt. Die obere Fläche der Konsolen
lag 12,5 cm unter der Rosenebene, die inneren Flächen waren 37,5 cm von-
einander entfernt. Diese Entfernungen entsprechen den am Thomson-
Kompaß üblichen.
Tabelle 7,
Einfluß eiserner Konsolen.
Thomson-Rose
Eluidkompaß II
A
Bl oclD!' |
rl el
H |
K
+14 —01: +03! — 1.11 0,0! 0,0 0,0| 00 00
+02 —01|+02l—471+02|—02 00 +10'+02
Eiserne Konsolen veranlassen demnach für Fluidkompasse eine recht
erhebliche, zumeist auf Nadelinduktion beruhende Vergrößerung der kompen-
satorischen Wirkung der Kugeln und bei fehlerhafter Nadelanordnung eine
beträchtliche Erhöhung der oktantalen Störung.
Die praktischen Folgerungen aus den in diesem Abschnitte mit-
geteilten Beobachtungen können ebensowenig wie im Falle der Flindersstange
darin bestehen, daß für verschiedene Kugelgrößen Minimalentfernungen fest-
gestellt werden, unter die nicht hinabgegangen werden darf, um die oktantalen
Störungen auf ein unschädliches Maß zu beschränken. Bevor diese Frage die
Beantwortung lohnt, ist bei den in der Handelsmarine gebräuchlichen Kompassen
die Hauptursache der oktantalen Störungen durch eine sachgemäße
Nadelanordnung zu beseitigen.
Die Kompasse I bis V besitzen zwei, und zwar recht lange Nadeln.
Natürlich wird die Erreichung eines großen magnetischen Momentes durch eine
große Nadellänge sehr erleichtert. Die von mir gemachten Beobachtungen
machen es wahrscheinlich, daß sich auch mit zwei verhältnismäßig
langen Nadeln ein einwandfreies Rosensystem herstellen läßt,
wenn man die Pole der Nadeln auf die 30°-Linien legt. Sehr zu
wünschen wäre aber, daß auch Versuche mit vier etwas kürzeren Nadeln ge-
macht würden unter Berücksichtigung des oben über Viernadelsysteme Erörterten.
Beispiele sextantaler und oktantaler Störungen
Es erscheint wünschenswert, die Bedeutung sextantaler und oktantaler
Störungen für das Verhalten des Kompasses an Bord eines eisernen Schiffes
durch ein Beispiel aus der Praxis zu erläutern.
An Bord des Dampfers „Roon“ hat man, wie ich schon früher in diesen
Annalen zu erwähnen Gelegenheit hatte,!) mit ernstlichen Kompaßschwierigkeiten
zu kämpfen. Durch sie veranlaßt, hat die Schiffsleitung auf der im Dezember 1903
beendeten Reise nach Ostasien außer vielen anderen Beobachtungsreiben zwei
vollständige Deviationsbestimmungen auf allen Kursen angestellt. Die Diskussion
des durch diese Rundschwaiungen gelieferten Beobachtungsmaterials, das mir
Anfang dieses Jahres zugänglich wurde, ergab ein überraschendes Resultat.
hat der Kompaß von Ritchie die Werte
2.1 = 14,0 e = 1,75
2.1 = 11,5 8’ =— 4,50,
Zur scharfen Prüfung und zum Vergleich der beiden Kompasse wurden die Quadrantal-
kugeln von 17,7 cm Durchmesser in kleinem Abstande benutzt. Bei einem Abstand der Innenränder
der Kugeln von 42,6 cm ergab der Kompaß VI ein H = +4-0,4°, der Kompaß von Ritchie
H = 0,0°; bei einem Abstande der Innenränder von 37,6 cm der Kompaß VI ein H = + 0,7°, der
Kompaß von Ritchie H = +0,2°. Der amerikanische Kompaß muß daher auch bezüglich der
Nadelanordnung ausgezeichnet genannt werden,
1) „Ann. d. Hydr. etc.“ 1904, 5.35 u. f.