Meldau, H.: Experimentaluntersuch, über die Einwirkung von Flindersstangen etc. 167
Die hier mitgeteilten Werte lassen folgendes erkennen:
Bei allen Fluidkompassen tritt infolge der Nadelinduktion eine bedeutende
Erhöhung der kompensatorischen Wirkung der Quadrantalkugeln ein.')
Entsprechend den geringen, auf einer schwachen Polarität der Kugeln
beruhenden Werte der Koeffizienten B. und C ist die Sextantaldeviation ver-
schwindend klein. Ganz erhebliche Werte haben jedoch bei fehlerhafter Nadel-
anordnung die oktantalen Störungen. Alle im Anschluß an die Tabelle 2
gemachten Bemerkungen lassen sich hier wiederholen: Hier wie dort haben wir
bei Kompaß I und nur bei diesem für H einen Wert mit negativen Vorzeichen,
hier wie dort verhält sich unter den ersten fünf Fluidkompassen der mit III
bezeichnete am besten. Auch der „große Fluidkompaß“ der Kaiserlichen Marine
zeigt hier eine geringe oktantale , Störung. Ist diese Störung wegen ‚ihres
kleinen Betrages (H == + 0,4°) für den Kompaß selbst auch ohne Belang, so
muß sie doch hier besprochen werden, da sie einen in der Theorie zunächst
nicht gegebenen Fingerzeig für die Konstruktion von Viernadelsystemen zu
enthalten scheint. In der Tat mußte man bei dem fraglichen Kompaß auf
Grund der geometrischen Gestalt des Nadelsystems allein einen negativen Wert
des H erwarten, sind doch die Nadeln ersichtlich aus der theoretischen Stellung
nach außen gerückt, so daß man zu dem durch die Rose I dargestellten Typus
kommen sollte. Der tatsächlich beobachtete positive Wert des H kann nur
darin seine Erklärung finden, daß die Pole der kürzeren Nadeln nicht die
Stärke der Pole der längeren erreichen, daß mit anderen Worten das
magnetische Moment nicht proportional der Nadellänge ist, sondern bei kurzen
Nadeln zu klein ausfällt, wodurch: sich das Nadelsystem dem Typus des Kom-
passes IT nähert. Will man daher die theoretisch geforderte Gleichheit der Pole
nicht dadurch erzwingen, daß man für die kürzeren Nadeln dickere Stäbe wählt,
so bleibt nur übrig, entweder die Nadeln nach außen zu rücken, oder die
äußeren Nadeln zu verlängern.’) Welche der angedeuteten Methoden. die
empfehlenswerteste ist, 1äßt sich nur durch Versuche entscheiden. Diese haben
sich nicht nur auf die Abhängigkeit des erreichbaren magnetischen Moments
von der Länge und Dicke der Nadel, sondern auch auf die Konstanz der er-
reichten Momente zu erstrecken. 0
Eine zweite Versuchsreihe wurde mit den kleineren Kugeln angestellt,
und zwar wurden diese so aufgesetzt, daß ihre Innenränder denselben Abstand
voneinander hatten wie bei der vorigen Versuchsreihe die Innenränder . der
großen Kugeln. ,
' Tabelle 6.
Zwei Quadrantalkugeln: von 17,7 em Durchmesser, im Abstand 65,3 cm.
Abstand der nächsten Punkte der Kugelflächen 47,6 cm,
A
B
C
D
RR
n
[+
HH
K
Thomson-Rose
Fluidkompaß I
II
ZI
IV
'+1,91—0,1
+17' +01
—08 — 0,1
+09 —0,3
40,8' 00
+10) 0,0
41203
—04
—30l 00 00! 00° 00| 00
— 64 +03 00'+01 —151—03
9,7 403 - 00'+01 +24'—0,2
94 00 +01 +01 409-401
—80 +01 4-01 +01 „36l 0,0
—101 +01 ot ü +23 — 0.1
57 00l—01 ‚001-102 —0.1
—04
— 0,5
—04
—0,5
— 04
_— 04]
'F
Pa
1) Für Schiffe, die in Breiten mit erheblich verschiedenen Werten der erdmagnetischen
Horizontalkraft gelangen, ist dabei zu bedenken, daß der auf Nadelinduktion beruhende Bestandteil
der Kompensationswirkung nicht die Eigenschaft hat, unabhängig von der Breite zu sein.
2) Nach Beendigung vorliegender. Arbeit habe ich noch ein Fluidkompaß von Ritchie in
Boston erhalten, der die im Texte ausgesprochene Vermutung bestätigt, Das Nadelsystem dieses
Kompasses ist fast identisch mit dem des Fluidkompasses VI, nur sind die äußeren Nadeln
des Kompasses von Ritchie ein Stück länger als diejenigen des Kompasses VI.
Während das Nadelsystem des Kompasses VI durch die Zahlen charakterisiert war
2.1 =— 13,6 e = 1,75 ;
D.V=— 94 e' = 4,50