Meldau, H.: Experimentaluntersuch, über die Einwirkung von Flindersstangen ete. 165
Aus den in dieser Tabelle enthaltenen Werten des Koeffizienten D
ergibt sich: Durch die Anbringung der Flindersstange in der für Thomson-
Kompasse üblichen Entfernung wird in allen Fällen ein positives D eingeführt.
Bei der Thomson-Rose, bei der dieses D allein auf.die Wirkung der erd-
magnetischen Horizontalinduktion zurückzuführen ist, hat. der Koeffizient nur
einen geringen, zu keinen Bedenken Anlaß gebenden Betrag. Bei Fluid-
kompassen kommt ein auf Nadelinduktion beruhendes quadrantales Glied hinzu,
Seine Größe wächst ersichtlich mit dem magnetischen Moment der Rose, sie
ist aber auch von der geometrischen. Gestalt des Rosensystems abhängig, wie
man besonders beim Vergleich der. Kompasse II und 1II sieht. Das magnetische
Moment. ist bei II kleiner, trotzdem ist das erzeugte D größer als bei II.
Ferner entstehen durch das Anbringen der Flindersstange in der genannten Ent-
fernung bei allen Fluidkompassen mit Ausnahme von VI zum Teil recht er-
hebliche sextantale und oktantale Deviationen. Die Vorzeichen und die Größen-
folge der Werte der Koeffizienten F und H stimmen genau mit den nach der
Theorie zu erwartenden überein. Man. kann durch. Vergleich ihrer Werte mit
den Figuren der Tafel 10 ins einzelne verfolgen, wie die Störungsglieder um-
somehr anwachsen, je weiter sich die Nadelpole von der 30°-Linie entfernen.
Im Gegensatz zu den Kompassen I bis V ist die Nadelanordnung des mit
VI bezeichneten „großen Fluidkompasses“ der Kaiserlichen Marine als ein-
wandfrei zu bezeichnen. Sextantale und oktantale Deviationen sind nur ganz
schwach angedeutet; daß die Werte der Koeffizienten F und H nicht bloß zu-
fällige sind, geht aus den später zu besprechenden Versuchen mit Quadrantal-
kugeln hervor. Wegen des theoretischen Interesses, das diese Deviationen beim
Kompaß VI beanspruchen müssen, wird an der bezeichneten Stelle weiter von
ihnen die Rede sein.
Bei allen Fluidkompassen lassen die Werte des Koeffizienten B eine
der Theorie entsprechende Steigerung erkennen.
Die den übrigen Koeffizienten. nach den Beobachtungen zukommenden
Werte beruhen auf kleinen Unsymmetrien in der Eisenanordnung und in den Rosen.)
Aus den Ergebnissen dieser ersten Beobachtungsreihe sei an dieser
Stelle hervorgehoben:
Die Anbringung der Flindersstangein der für Thomson-Kompasse
üblichen Entfernung ist bei Fluidkompassen schon wegen der dadurch
erzeugten bedeutenden Erhöhung der Quadrantaldeviation unstatthaft.
Da die viertelkreisigen Wirkungen der Flindersstange zum größten Teile
auf Nadelinduktion beruhen, so werden sie mit der Entfernung der Stange vom
Rosenmittelpunkt schneller abnehmen als die. halbkreisigen. ;
In einer Entfernung von 30 cm ergaben sich die folgenden Werte:
Tabelle 3, ;
Flindersstange von 40 eın Länge, 80 em vom Rosenmittelpunkt,
Thomson-Rose
Fluidkompaß I
Il
{IX
Fu
VW
A
A
B
a |!
D
+11 14+7,2
+ 1614 7,8
0,214 7,7
+0614+71
+08' +7,1
+071+7,9—01
1078) 0,01
—0,1 +08
—01 +20
—04' +84
—021 +84
—03 +24
+30
41,7
E
F
& '
H 1
K
0,01 -— 0.1 0,0 00 0,0
—08 | —0,7 —0,6|—0,6|— 0,2
— 02'414 —01/+08|— 0,1
—0.1|/+06:—0414+02|—0,1
50] +08 —0,2'104' 0,0
001+12—0,4| +09, — 0,2
Lo1l401! 90| 00] 0,0
1) Es sei darüber folgendes bemerkt, Bei einer Reihe von Versuchen war die Flinders-
stange versehentlich nicht ganz korrekt angebracht, ihr unteres Ende war einige Millimeter nach
St-B. verschoben; daher die bei diesen Versuchen (Versuche 2? bis 5) auftretenden Werte des C von etwa
—0,4° und geringe Werte der Koeffizienten E, G, K. Auffallend ist die auch bei späteren Ver-
suchen hervortretende bedeutende Größe der E, G, K.beim Kompaß I. Der Grund liegt darin,
daß die östliche Nadel ein bedeutend größeres Moment besitzt als die westliche,
Die Werte von A beruhen zum größten Teil auf einem kleinen Fehler in der Lage. des Teilkreises
und in den Kollimationsfehlern der Rosen.