164 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1904,
auffallen, daß keins von ihnen den theoretischen Bedingungen genügt, bei allen
sind die Magnete zu nahe bei einander angeordnet, mit Ausnahme des Kompasses I,
bei denen ersichtlich die Endpunkte der Nadeln auf die 30°-Linien gelegt
sind, so daß die Pole außerhalb dieser Linien liegen. Am nächsten kommt der
theoretischen Bedingung die Nadelanordnung des Kompasses III.
Das Nadelsystem des Kompasses VI hat vier Nadeln‘!), deren Pole auf
einem Kreise um den Rosenmittelpunkt liegen. Die Winkelabstände der
Pole von den 30°-Linien sind nicht ganz gleich, die kleineren Nadeln sind
gegen die theoretische Stellung etwas nach außen verschoben.
Zur experimentellen Untersuchung der magnetischen Eigenschaften
der verschiedenen Nadelsysteme wurde jedesmal die Ablenkung auf den
16 geraden Kompaßstrichen festgestellt und aus den erhaltenen 16 Deviations-
werten die neun Koeffizienten A, B, C, D, E, F, G, H, K nach der Methode
der kleinsten Quadrate berechnet. Sie sind in den nachfolgenden Tabellen in
Gradmaß angegeben.
Die Horizontalkraft des Erdmagnetismus war bei allen Versuchen un-
geschwächt. Da die Horizontalkraft an Bord stets geringer ist als am eisen-
freien Orte, so stellen in dieser Hinsicht die Beobachtungswerte günstigste
Fälle dar.
Beobachtungen mit Flindersstangen. ?)
Die Flindersstange wurde in ihrer gewöhnlichen Stellung vor dem Kompaß
mit ihrer Oberkante 2 cm über der Rosenebene angebracht.
Da in der Stange infolge der erdmagnetischen Vertikalinduktion ein
fester Pol vor dem Kompasse erzeugt wird, so ist bei willkürlicher Nadel-
anordnung das Entstehen einer sextantalen Ablenkung zu erwarten und
zwar bei der getroffenen Anordnung eines positiven Wertes von F, wenn die
Rosenmagnete zu nahe bei einander liegen, eines negativen, wenn sie zu weit
voneinander entfernt sind.
Die Stange ist aber auch als weiche Eisenmasse zu betrachten. Als
solche soll sie infolge der erdmagnetischen Horizontal- und der Nadelinduktion
eine quadrantale und — bei fehlerhafter Nadelanordnung — eine oktantale
Ablenkung ergeben. Für das Vorzeichen des H gilt dasselbe, wie für das-
jenige des F.
Bei der Entscheidung über die Entfernung, die der Achse der Flinders-
stange von der Rosenmitte zunächst bei den Versuchen zu geben sei, war für
mich maßgebend, daß man in der Praxis die Flindersstange schon in der für
Thomson-Rosen üblichen Entfernung von 25,5 cm auch für Fluidkompasse an-
gewendet hat. Deshalb wurde von dieser Entfernung ausgegangen.
Die Beobachtungsergebnisse sind in folgender Übersicht enthalten:
Tabelle 2.
Flindersstange von 40 cm Länge 25,5 em vom Rosenmittelpunkt,.
Thomson-Rose
Fluidkompaß I
u
IIE
IV
r}
A
ıB ll ol»
E
FF
G
IH | x
+151410,4 a —01 —02 00 0,0!
+17 +14 —04 +43 —17 —10,—16 —14
0014113, —0,51+78 —02+25 —03 +22
+0,77 +11,0 —0,4' +76 —06'+13 —0,8 +06
+07 +11,0—0,8' +59 —001+18 —02 +12
+09 +11,5 —0,1 478 +02!1+25,—04 +20
+10 +108 +01 +37 +03! +01! 00/+01
0,0
—0,5
— 0,2
—0,1
0,0
— 0.1
0,0
i) Siehe die Anmerkung zur Tabelle 1,
?) Über die Wirkung vertikaler Zylinder aus weichem Eisen auf den Kompaß ist in „Ann.
d. Hydr, ete.“ 1884 berichtet worden. In der Abhandlung fehlen Angaben über das Magnetsystem
des benutzten Kompasses; offenbar handelt es sich um eine „Normalrose“, Die Ergebnisse berühren
sich in manchen Punkten mit den hier gefundenen.