Meldau, H.: Experimentaluntersuch, über die Einwirkung von Flindersstangen ete.
Für das Folgende ist die geometrische Gestalt des Rosensystems,
die Nadelanordnung, von besonderer Wichtigkeit. Sie ist durch die Anzahl,
die Länge und die Entfernung der Nadeln vom Rosenmittelpunkte bestimmt.
Um von den Nadelanordnungen der untersuchten Kompasse eine anschauliche
Vorstellung zu. geben, sind die Rosensysteme in der Tafel 10 bildlich dargestellt.
Wenn man die Wirkung äußerer magnetischer Kräfte auf eine Kompaß-
nadel einfach darstellen will, so ist man genötigt, sich den Magnetismus der
Nadel in zwei Punkten, den Polen, konzentriert zu denken. Im allgemeinen
kann man für Nadeln, wie sie hier in Betracht kommen, die Pole in einem
Abstande von einem Zehntel der Nadellänge von den Enden der Nadel an-
nehmen. Nach dieser Annahme ist die Lage der Pole in den Figuren durch
kleine Kreise gekennzeichnet,
Forderungen der Theorie.
Die Ablenkung.des Kompasses an Bord eines eisernen Schiffes kann nur
dann unabhängig von der Nadelanordnung durch die Formel‘ :
d=— A+B-sinz+C-cosz-+D-sin2z + E-cos2z,
wo z den Kompaßkurs bedeutet, dargestellt werden, wenn die Nadeln als sehr
klein gegenüber den: nächsten magnetischen Eisenmassen angesehen werden
dürfen. Diese Voraussetzung triflt — hei einwandfreier Aufstellung des
Kompasses — sicher zu für die Eisenmassen des Schiffes selbst, nicht aber für
die zur Aufhebung der Deviation am Kompaß angebrachten Magnete ünd
Weicheisenkörper. . ;
‚Die Nähe dieser Kompensationsmittel äußert sich bei willkürlicher Nadel-
anordnung in dem Auftreten sextantaler und oktantaler Ablenkungen,!) die den
durch obige Formel dargestellten regelmäßigen Verlauf der Ablenkung stören
und die wegen ihres schnellen Wechsels mit dem Kurse außerordentlich un-
angenehm empfunden werden müssen. Zu der obigen Formel treten dann rechts
noch die Glieder hinzu
+F-sin3z-+G-cos3z+Ho-sin4z+K -«cos4z,
Die durch die Glieder uö
‘ F.sin3z + G-cos3z
dargestellte sextantale Deviation entsteht durch Pole, die bei der Rund-
schwaiung unverändert bleiben, also durch die Pole der Kompensations-
magnete oder gegebenenfalls durch den wirksamen Pol der Flindersstange,
während die durch die Glieder "
H-.sin4z + K-cos4z .
dargestellte oktantale Ablenkung auf die Wirkung flüchtiger Pole in den
Quadrantalkugeln und der Flindersstange zurückzuführen sind.
Sextantale und oktantale Deviationen können vermieden werden durch
geeignete und zwar glücklicherweise durch dieselben Nadelanordnungen.
Die einfachsten diesem Zwecke entsprechenden Nadelanordnungen sind
die folgenden: ; ;
1. Zwei Nadeln, deren Pole einen Winkelabstand von 30° gegen
die Nordsüdlinie haben. %
2. Vier Nadeln, deren Pole auf einem Kreise und zwar symmetrisch
zu 30° liegen, d. h. in den Winkelabständen 30° — @x° und 30° + &°
von der Nordsüdlinie, Voraussetzung. ist hierbei, daß die Pole
beider Nadelpaare gleiche Stärke besitzen, daß also das
magnetische Moment der Nadeln ihrer Länge proportional ist.
In den Figuren der Tafel 10 sind die für die Nadelanordnung wichtigen,
unter Winkeln von 30° gegen die Nordsüdlinie verlaufenden Geraden einge-
zeichnet. Was zunächst die Rosensysteme der Kommpasse I—V betrifft, so muß
4) Bekanntlich sind solche Sıörungsglieder zuerst auf dem berühmten „Great Eastern“
beobachtet. Durch eine theoretische und experimentelle Untersuchung des Falles wurde von
Archibald Smith und F.J. Evans der Grund dieser Störungen in der Nähe der Kompensations-
mittel erkannt, und es wurden die im Text angeführten Sätze festgestellt (siehe „Phil. Trans. Roy.
Soc.“ 1861). Neuerdings hat Herr Prof. Dr. Börgen den Gegenstand in sehr allgemeiner Weise
behandelt und das Problem erweitert, indem er auch den durch Nadelinduktion erzengten
Magnetismus wenigstens im Spezialfalle eines eisernen Stabes betrachtet. Neben anderen Resultaten
enthält die betreffende Abhandlung eine Bestätigung der oben angeführten Sätze (siehe „Aus dem
Archiv der Seewarte“ XXV. Jahrgang 1902 und „Ann. d. Hydr. etc.“ 1904. S. 31).