160 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1904.
hätte ausgelöscht sein sollen. Diese Unterbrechungszone mußte aber verwischt
werden durch die wellenartige Bewegung, in die die Sprungfläche durch die
abweichende, recht starke Strömung der oberen Luftschicht versetzt wurde,
Der letztere Vorgang war von offensichtlicher Bedeutung bei den öster-
reichischen Beobachtungen vom 21. Mai 1890, wie aus einem Vergleich be-
sonders der Abbild. 9 u. 10 hervorgeht. ‘) Bei Abbild. 10 ist tatsächlich jene aus
Totalreflexion erklärte Trennungszone sichtbar. Als Erklärung dafür bietet sich
von selbst der Umstand, daß die Sonnenscheibe nun so hoch gestiegen ist, daß
sich jene Parallelwellen nicht in dem Grade mehr wie vorher, näher dem
Horizonte, perspektivisch zusammendrängen. Die kontinuierliche Dehnung des
Sonnenbildes in der terrestrischen Richtung von Ost zu Süd nach West zu Nord,
die besonders an der Abbild, 7 entgegentritt, führe ich demzufolge auf eine Art
Szintillation zurück, ebenso die an diesem Bilde besonders deutliche Wellen-
bewegung an seinen Seitenrändern, Tatsächlich beobachteten auch die beiden
Herren an dem sonst wolkenlosen Himmel „ganz zarte, kaum sichtbare Horizontal-
streifen von Wolkenschichten . . . zeitweise über der sich nach Form und Farbe
ändernden Sonne“,?) Als „Horizontalstreifen“ müssen diese Wogenwolken un-
yefähr dem Horizont parallel gewesen sein, was durchaus für den in angegebener
Richtung angenommenen Wellenschlag spricht. „Zeitweise“ kann er hinwiederum
auch in anderer Richtung erfolgt sein, woraus sich die an den Abbild, 5 u. 6
sichtbare abweichende Szintillation erklären würde. Herr Kfifka selbst nahm
allerdings ebensoviele Sprungflächen an, als Einschnürungen auf der Abbild, 7
sichtbar waren, und zog dementsprechend drei „Trennungslinien“, Diese würden
aber ein gleichmäßig dauerndes Verhalten jener Art während der ganzen Beob-
achtung bedeuten und jedenfalls die Erklärung für die abweichenden Abbild. 5 u. 6
gänzlich vermissen lassen.
Die vor allem zu Anfang und in den unteren, dem Horizont näheren
Partien ausgeprägte Rotfärbung ist, wie oben, aus Absorption zu erklären.
Ganz abweichend von der Beobachtung des Herrn v. Wrangell erscheint
die von Herrn Krifka bemerkte Verschmälerung nach unten besonders in
Abbild. 7. Ich erkläre sie aus demselben Grunde der physiologischen Optik
wie die anfangs vor allem in Abbild. 3 bemerkte Verbreiterung. Mit dem Höher-
steigen der Sonne wurde die Erdoberfläche bald selbst soweit erleuchtet, daß
der Kontrast zwischen ihrem Dunkel und dem Hell des unteren, meistabsorbierten
Sonnenscheines mehr und mehr abnabhm. Anderseits aber wuchs der infolge
der Helligkeitsabstufungen zwar sehr allmähliche, aber darum in den Extremen
selbst keineswegs gemilderte Unterschied zwischen dem oberen, in stark zu-
nehmendem Glanze strahlenden und dem unteren, durch Absorption verdunkelten
Teile der durch Szintillation in die Länge gezogenen Sonnenscheibe. Sie erhielt
30 die besonders in Abbild. 7 ausgeprägte Birnform mit dem Stielende nach unten.
Sobald, bei zunehmender Entfernung des Sonnenbildes vom Horizont,
danach der verlängernde Einfluß des hier, wie erwähnt, besonders zur Wirkung
gelangten Szintillationsvorganges schwand, trat zunächst immer reiner die be-
kannte Refraktionserscheinung entgegen, daß die Sonnenbilder besonders in
ihren unteren Teilen höher gelegt und deshalb unten abgeplattet erschienen
(Abbild. 8 bis 10). Schließlich strahlte die Sonnenscheibe in vollkommener
Rundung und in vollem Glanze, den absorbierenden und brechenden Einflüssen,
die näher dem Horizonte wirksam waren, vollständig entrückt,
Die Witterungsverhältnisse des 21. Mai 1890 und der folgenden Tage
entsprachen der eben angenommenen Unstetigkeit der Luftströmungen in der
oberen Atmosphäre.
Am 21. Mai selbst meldeten um 7* V®), also nicht ganz drei Stunden nach
dem auf 4 10®in angesetzten Sonnenaufgang, die in 1400 bis 1730 m Meereshöhe
gelegenen Gebirgsstationen
Schneeberg Kolm Wendelstein
als. Wind ....... S1 Stille NW2
als Bewölkung .... Ma $/4 Nebel,
;) KFifka a. a. O. Tafel II, 14 u. 158.
% KFfifka a. a. O. SS. 102.
3) Telegrapbischer Wetterbericht der k. k, Zentralanstalt für Meteorologie in Wien, Nr. 141
vom 21. Mai 1890.