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Annalen der Hydregraphie und Maritimen Meteorologie, April 1904.
Belgien.
Erst am 1. November 1899 wurde in Belgien ein offizieller Sturmwarnungs-
dienst eingeführt.
Das Königlich Belgische Observatorium in Uccle bei Brüssel erhält vom
Meteorological Office in London die Sturmwarnungen, die von diesem für den
Südosten Englands erlassen werden. Eine unmittelbare telegraphische Ver-
bindung London—Uccle besteht nicht, die Telegramme müssen ihren Weg viel-
mehr erst über Brüssel nehmen und werden von dem dortigen Haupt - Tele-
graphenamt dem Observatorium telephonisch übermittelt. Ein besonderes
Läutewerk benachrichtigt den wachthabenden Beamten daselbst von dem Kin-
treffen einer Warnung. Nach englischem Muster hat Belgien für Sturmwarnungs-
signale nur 1 Kegel in Gebrauch, aus dessen Stellung Schlüsse auf das drohende
Wetter zu ziehen sind.
Es bedeuien: Kegelspitze nach oben (Noordkegel): schwere Winde aus
nördlicher Richtung,
Kegelspitze nach unten (Zuidkegel): schwere Winde aus
südlicher Richtung.
Nachtsignale werden vorläufig noch nicht gezeigt.
Sofort nach Eintreffen der Warnung werden die unten angeführten
6 belgischen Stationen kurz angewiesen, den Kegel zu heißen. Die Telegramme
enthalten nur die Aufforderung: „Noordkegel“ bezw. „Zuidkegel“ oder „Kegel
strijken“. Eine gleichzeitige kurze Übersicht der Wetterlage wird nicht
gegeben.
Das Institut versendet täglich an alle belgischen Häfen eine allgemeine
Witterungsübersicht; in einigen von diesen wird auch die tägliche Wetterkarte
ausgestellt.
Frankreich.
Die französischen Küsten sind in 4 Distrikte mit zusammen 89 Sturm-
warnungsstellen eingeteilt, die dem Marineministerium unterstehen. Das franzö-
sische Sturmwarnungssystem hat seit seinem Bestehen manche Anderungen
erfahren, das jetzt gebräuchliche schließt sich innig an das englische und
russische an. Ein Kegel von 3 Fuß Höhe und 3 Fuß Durchmesser der Boden-
fläche wird mit der Spitze nach oben geheißt, wenn stürmische Winde aus der
Nordosthälfte des Kompasses drohen; mit der Spitze nach anten, wenn solche
aus der Südwesthälfte zu erwarten sind. MNachtsturmsignale werden nicht
gezeigt. Mit der Wahrnehmung des Sturmwarnungsdienstes ist das Meteorolo-
gische Zentral-Bureau in Paris beauftragt. Dieses läßt im Falle drohender
stürmischer, Winde dem Marineministerium eine möglichst genaue und knapp
gehaltene Ühersicht der Witterungslage zugehen unter Angabe der bedrohten
Bezirke. Das Ministerium seinerseits setzt die betreffenden Sturmwarnungs-
stellen telegraphisch in Kenntnis und ordnet das Heißen des Kegels an. Das
Signal muß 48 Stunden nach empfangener Warnung niedergeholt werden, falls
nicht inzwischen ein neues Telegramm die Beseitigung der Gefahr verkündet
und das Senken des Kegels befohlen hat. Außer den gelegentlichen Sturm-
warnungen erhalten diese Stationen von dem Meteorologischen Central-Bureau
täglich Nachrichten über mutmaßliche Richtungen und Stärken des Windes für
den nächsten Tag.
Portugal.
Einige portugiesische Häfen und Küstensignalstationen erhalten von dem
Observatorium Infante Don Luiz in Lissabon telegraphische Sturmwarnungen.
Die Signalkörper und ihre Verwendung sind die in Großbritannien üblichen.
Die Signale sind der Kürze halber mit Zahlen bezeichnet und bedeutet:
Signal 1: Kegelspitze bezw. Spitze des Lampendreiecks nach oben, Sturm
aus einer Richtung zwischen NW über NO und SO;
Signal 2: Kegelspitze bezw. Spitze des Lampendreiecks nach unten,
Unwetter aus einer Richtung zwischen SO über SW und NW.
Die Signale werden 48 Stunden nach empfangener Warnung selbständig
entfernt, wenn dies nicht inzwischen durch ein anderes Telegramm bereits be-
fohlen ist. Die Warnung bezieht sich außer auf den gewarnten Ort auf einen
Umkreis von 100 Sm.