152 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1904.
telegramme, die außer tabellarischen Wetterangaben der wichtigsten Hafenstädte
von Deutschland, Großbritannien, Schweden, Norwegen und Dänemark eine
Schilderung der allgemeinen Wetterlage, Höhe der barometrischen Maxima und
Minima, Richtung und Stärke der Winde im Kanal und der Nordsee und Witte-
rungszustand an den deutschen Küsten bringen; auch werden an vielen Punkten
der Küste die täglichen Wetterberichte der Seewarte ausgestellt.
Großbritannien und Irland.
Seit seiner Entstehung im Jahre 1867 verrichtet das Meteorological Office
in London den Sturmwarnungsdienst für die Küsten und Häfen der vereinigten
Königreiche. Großbritannien und Irland zählen gegenwärtig 235 Sturmwarnungs-
stellen,. die sich auf 4 Distrikte folgendermaßen verteilen:
Nördlicher Distrikt (Schottland) 70 Stationen;
Westlicher Distrikt (Irland, Irische See, St. Georgs- und Bristol-Kanal)
96 Stationen;
Südlicher Distrikt (SW-, S- und SO-England) 42 Stationen;
Östlicher Distrikt (NO- und O-England) 27 Stationen.
Von der Zentralstelle, dem Meteorological Öffice in London, werden diese
Stationen nur mit dem für Tagsignale erforderlichen Körper versehen, einem an
der Basis 3 Fuß weiten und 3 Fuß hohem schwarzen, aus Segeltuch gefertigten
Kegel. Die Beschaffung, Instandhaltung und Versorgung des Signalmastes mit
allem Zubehör, der zu den Nachtsignalen verwendeten Laternen, des dazu ge-
hörigen Öles usw., sowie das Heißen der Signale selbst ist lediglich Sache der
betreffenden Ortsbehörden.
Sofort nach Empfang einer Sturmwarnung wird auf den in Frage kommen-
den Stationen ein Kegel geheißt, während das Telegramm selbst an einem ge-
schützten, jedermann zugänglichen Platze in der Nähe des Signalmastes in
einem vonder Zentralstelle zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellten Kasten
ausgehängt wird.
Im Gegensatz zu Deutschland, das zur näheren Bezeichnung der Richtung,
aus der ein Sturm erwartet wird, erforderlichenfalls 2 Kegel verwendet, ist in
den vereinigten Königreichen nur ein solcher gebräuchlich, der die bezeichnete
Richtung also auf 16 Striche angibt.
Der Kegel wird mit der Spitze nach unten (South Cone) geheißt, wenn
Sturm oder stürmische Winde aus einer Richtung zwischen SO, SW und NW
erwartet werden. Die Spitze zeigt nach oben (North Cone), wenn ein Unwetter
aus der entgegengesetzten Richtung, NW, NO bis SO, droht.
Sprechen die Anzeichen dafür, daß ein Sturm aus W bis NW beginnt,
um dann über N weiter bis nach NO zu drehen, so wird der Kegel mit der
Spitze nach oben geheißt; beginnt es andrerseits stark aus O0 bis SO zu wehen
und ist ein Ausschießen des Windes nach S und SW zu erwarten, so zeigt die
Kegelspitze nach unten. Atmosphärische Störungen von geringer Ausdehnung
oder rein lokaler Natur werden nicht angezeigt.
Nach Einbruch der Dämmerung wird der Kegel durch 3 Laternen ersetzt,
die auf einem dreieckigen Rahmen befestigt sind. Für die Bezeichnung der
Richtung des zu erwartenden stürmischen Windes gelten die obigen Regeln.
Über Farbe der Laternen bestehen keine bestimmten Vorschriften (rot wird vor
weiß empfohlen), nur gilt als Norm, daß 3 gleichfarbige Laternen benutzt werden.
In der Regel sollen diese Lampen bis 9 oder 10®* morgens hängen bleiben und
dann durch das betreffende Kegelsignal ersetzt werden, Ein allgemeines Signal
für eine atmosphärische Störung, die noch nicht deutlich erkennen läßt, aus
welcher Himmelsrichtung eine Gefahr droht, entsprechend dem in Deutschland
gebräuchlichen Signalball, ist in den vereinigten Königreichen nicht üblich,
auch sind noch nicht alle Stationen mit den erforderlichen Nachtsignallaternen
versehen.
Die auf den Sturmwarnungsstellen einlaufenden Warnungen tragen genau
die Angabe der Zeit, zu welcher das Telegramm von dem wachthabenden Be-
amten der Zentralstelle aufgegeben ist. Der mit der Bedienung der Signale be-
traute Wärter ist angewiesen, ein solches erst nach Verlauf von 48 Stunden
niederzuholen, falls ein besonderes Telegramm der Zentralstelle dies nicht früher