v;d. Becke: Sturmwarnungswesen europäischer Staaten,
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_ Gelegentlich des ersten russischen Kongresses in St. Petersburg im Jahre
1899 hat das Ministerium für Wegekommunikation in. Anerkennung der Wich-
tigkeit und segensreichen Tätigkeit der Sturmwarnungsstationen ein Gesuch um
eine bedeutende Vermehrung dieser Stationen eingereicht. In Aussicht genommen
ist die Errichtung von 11 weiteren Stationen an der Ostsee und ihren Buchten,
23 am Schwarzen Meere, und 1 an der Petschoramündung. Auch für das
Kaspische Meer sind vorläufig 4 Stationen in Vorschlag gebracht worden, für
den Fall, daß es gelingen sollte in den mittelasiatischen Besitzungen Rußlands
einige meteorologische Beobachtungsstationen zu errichten, von denen regel-
mäßige Beobachtungen erhalten werden können.
In dem ständigen Bestreben, das System der Sturmwarnungen weiter
auszubauen und nach Kräften zu vervollkommnen, besonders die Zahl der nicht
vorher signalisierten Stürme einzuschränken, hat das Physikalische Zentral-
Observatorium Nicolas in Petersburg bereits Schritte getan, einen ständigen
Nachtdienst an seinem Institute zu organisieren. Hierbei ist es jedoch haupt-
sächlich auf die Bereitwilligkeit und das Entgegenkommen der ausländischen
meteorologischen Institute angewiesen, deren Abendbeobachtungen regelmäßig
und vor Fertigstellung der synoptischen Karte um 9 Uhr abends eintreffen
müßten. Auch in dieser Hinsicht sind bereits Schritte in die Wege geleitet
(gelegentlich des vorjährigen internationalen Meteorologen-Kongresses zu South-
port), so daß das Gelingen des Planes wohl nur noch eine Frage der Zeit ist.
Speziell für die Küste des nördlichen Eismeeres, dessen Schiffahrt weniger
von stürmischen Winden als von Eis bedroht wird, ist in Archangelsk die Er-
richtung einer Station für Eisbeobachtung geplant; hierauf hinzielende Vor-
schläge sind den zuständigen Behörden bereits zur Begutachtung vorgelegt
worden. Im Winter 1902 bis 1903 wurde auf dem Petersburger Institut zum
ersten Male ein Warnungsdienst für Hochwassergefahr, besonders an der Newa,
eingerichtet, der sich gut bewährt hat. Zu diesem Zwecke hat das Observatorium
die. Berechtigung, von einigen wichtigen Häfen der. benachbarten finnischen
Küste, auch außer zu den gewöhnlichen Beobachtungszeiten Extradepeschen mit
Beobachtungen zu verlangen. Eine endgültige Regelung dieser Art von
Warnungsdienst kann allerdings erst nach Einführung eines obligatorischen
Nachtdienstes erwartet werden, jedenfalls erscheint seine Ausbildung, nach den
letzten Hochwasserkatastrophen, als nicht minder geboten, wie die des Sturm-
warnungsdienstes. Im Winter werden außerdem noch die Kisenbahnstationen,
in deren Gegend starker Schneefall zu befürchten ist, von seiten des Instituts
in Kenntnis gesetzt.
Norwegen.
Die Zentralstelle für Sturmwarnungen in, Norwegen ist Christiania, später
wird .die neuerrichtete meteorologische Station in Bergen diesen Dienst für die
Westküste Norwegens übernehmen.‘ Ein einheitliches Sturmwarnungswesen
durchzuführen ist dem norwegischen Institut, trotz wiederholter Versuche, bisher
noch nicht gelungen. Nur an 2 Stationen des südlichen Norwegens, in Oxö
und Faerder, werden Kegelsignale gezeigt; Spitze nach oben zeigt dabei Sturm
aus der nördlichen Hälfte, Spitze nach unten aus der südlichen Hälfte der
Kompaßrose an. Nachtsignale werden auch hier wie an allen übrigen War-
nungsstationen des Landes nicht gezeigt. Der Kegel wird 36 Stunden nach
Empfang der Warnung niedergeholt, falls nicht ein Telegramm des Institutes
dieses früher anordnet. Die übrigen Sturmwarnungsstationen Norwegens führen
teils Kugel-, teils Flaggensignale, je nach Anordnung der betreffenden Lokal-
behörde, der auch die Errichtung und Instandhaltung der Station aus eigenen
Mitteln obliegt. Die Sturmwarnungen werden, sobald die Wetterkarte fertig
gestellt ist — etwa 12® mittags — von dem meteorologischen Institut an das
Telegraphenamt in Christiania telephoniert, welches unverzüglich die betreffenden
Stationen benachrichtigt. Angegeben wird dabei meist nur die Hauptrichtung,
aus der Gefahr droht, also „Sturm aus N, S, O oder W wahrscheinlich“.
In den gewarnten Hafenorten wird das Telegramm sofort nach Ankunft
öffentlich ausgestellt und der Hafenmeister sowie Lotsenäldermann unterrichtet,
die das Weitere veranlassen. Aus Mangel an Beobachtungsmaterial für den
Nachmittagsdienst — Beobachtungen von 2°N — ist die Zentralstelle selten