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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Über die Berechnung von Besteckversetzungen. 
Rechnung: N 82°W 30 Sm, bei der im Tagebuch neuerdings oft angewandten: 
N 83° W 16 Sm, also ein ganz anderes Ergebnis. Man sieht, es bleibt nur ein 
kärglicher Rest von dem Gesamtbetrag der Strömung übrig, die wirklich auf 
das Schiff eingewirkt hat, es bleibt nur diejenige Größe übrig, die der Schiffs- 
führer bei seiner „Gissung des Stromes“ nicht richtig im voraus getroffen oder 
abgeschätzt hat. Natürlich kann man auf diese neue und bequeme, aber zugleich 
auch laxe Methode, wenn man sich in der Richtung der gemutmaßten Strömung 
sehr irrt, vermeintlich Versetzung nach Osten finden, wo tatsächlich -‚Weststrom 
herrscht, oder umgekehrt, und Beispiele: für solche absonderlichen Fälle ‚zeigen 
leider die Journale der Deutschen Seewarte neuerdings in steigendem Maße; 
so hat z. B. ein Dampferführer im September auf der Fahrt nach Süd- 
amerika im SO-Passat. unter rund 2° S-Br. die unglaubliche Versetzung von 
56 Sm nach Osten (!) verzeichnet, eine Versetzung, ‚die lediglich durch sein 
Rechenmanöver zustande gekommen ist: er hat nämlich '/4 Strich Weststrom 
in das Besteck hineingerechnet, welcher tatsächlich während des Etmals gar 
nicht vorhanden gewesen ist. Es ist ferner leicht ersichtlich, daß, von den 
anderen schon aufgeführten Bedenken ganz abgesehen, die Kapitäne und Offiziere, 
überhaupt die Mitarbeiter zur See, durch dies Verfahren die Deutsche Seewarte 
jeder Möglichkeit berauben, überhaupt noch zuverlässige Stromversetzungen zu 
berechnen und in Karten und Tafeln zu verwerten; eine weitere Verbreitung 
dieses. Verfahrens wäre aber umsomehr zu bedauern, als. die Deutsche See- 
warte gerade neuerdings besonderen Wert darauf legt, im Interesse der Dampf- 
schiffahrt möglichst genaue Darstellungen der Stromversetzungen nach Häufig- 
keit, Richtung und Stärke in den verschiedenen Monaten und Ozeangegenden 
vorzubereiten, ; . . . K 
Die Deutsche Seewarte richtet deshalb an alle ihre Mitarbeiter 
zur See die dringende Bitte, in Zukunft bei der Aufmachung des 
gegißten Bestecks zu Mittag nur den „rechtweisenden Kurs durch 
das Wasser“ für das Journal der Seewarte zu benutzen; sie gibt ferner 
der Überzeugung Ausdruck, daß auch die Reederei in dem amtlichen Schiffs- 
journal nur das zu finden wünscht, was vergleichsweise gut verbürgt ist, nicht 
was gemutmaßt ist, und deshalb sollte auch im amtlichen Journal. lediglich 
dieser. „Kurs durch das Wasser“ benutzt werden. In Gegenden, wo man mit 
großer Wahrscheinlichkeit auf bestimmte Versetzungsrichtungen rechnet, lege 
man den Kurs gleich von vornherein etwas höher an, rechne aber auch nur 
mit diesem höheren Kurs und nicht etwa mit dem gemutmaßten Weg über den 
Grund bei der Aufmachung des Mittagsortes. Will man oder muß man in 
solchen Fällen dann auch außerhalb der Mittagsposition ohne astronomische 
Ortsbestimmung den Schiffsort in der Karte nach bestem Wissen und nach 
Erfahrung festlegen, so ist es ja selbstverständlich, daß der gemutmaßte Strom 
in der Karte berücksichtigt wird, und daß man sich auf diese Weise ein Bild 
von dem vermutliehen Schiffsort macht: aber in die mittägliche Logrechnung 
gehört eine solche. Größe, für die nur subjektive, auf persönlich verschiedener 
Erfahrung beruhende Schätzungen maßgebend sind, nicht hinein. 
Die Deutsche Seewarte. 
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Das Sturmwarnungswesen europäischer Staaten. 
Mit dem immer mehr wachsenden Verkehr‘ zur‘ See und dem dadurch 
bedingten ungeheuren Aufschwung ‘der Schiffahrt sind naturgemäß die Ein- 
richtungen und Maßnahmen zum Schutze dieses wichtigen Handelszweiges fort- 
geschritten. Erstrebt ist dieses Ziel durch Sicherheitsmaßregeln an Bord der 
Schiffe: selbst, wie durch Errichtung und: Vervollkommnung: von der Schiffahrt 
dienenden Instituten an Land. Durch Errichtung eines Netzes von Küsten- 
stationen, die mit Signalmast und weithin sichtbaren Signalkörpern ausgerüstet 
sind und von ihren Zentralstationen über drohende Unwetter telegraphisch be- 
nachrichtigt werden, sind jetzt fast alle europäischen Staaten in der Lage, den 
in Sichtweite der Stationen befindlichen Schiffen einen Wink zu geben, sich 
auf das kommende stürmische Wetter vorzubereiten und, was namentlich für
	        
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